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Politik & Gesellschaft

Regierung will mehr Frauen an der Spitze

Die Bundesregierung will den Anteil von Frauen in den Chefetagen deutscher Konzerne steigern und droht mit einer gesetzlichen Regelung. Die großen Konzerne haben jetzt freiwillige Frauenquoten versprochen.

Gewerkschafterinnen demonstrieren in Berlin für mehr Frauen in Führungspositionen (Foto: dapd)

Gewerkschafterinnen demonstrieren in Berlin für mehr Frauen in Führungspositionen

Im Kampf um eine Frauenquote konnte bei einem Gipfeltreffen am Mittwoch (30.03.2011) keine Einigung erzielt werden. Die 30 deutschen DAX-Konzerne erklärten sich zwar zu Zielvorgaben und Transparenz beim Erreichen einer Frauenquote in ihren Führungsgremien bereit. Demzufolge will sich jedes Unternehmen noch in diesem Jahr auf eine selbst definierte Quote festlegen. Doch damit konnte Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihre Forderung nach einer gesetzlichen Frauenquote von 30 Prozent nicht durchsetzen.

Zu dem Spitzentreffen in Berlin hatte Familienministerin Kristina Schröder (CDU) die Personalchefs der 30-Dax-Konzerne geladen. Dabei waren neben von der Leyen auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Bereits im Vorfeld des Gipfels hatten sich Unternehmer vehement gegen eine gesetzliche Frauenquote ausgesprichen.

Ist sich die Regierung uneins?

Die drei Bundesminister Brüderle, von der Leyen und Schröder (Foto: dapd)

Die Bundesminister Brüderle, von der Leyen und Schröder (von links)

Von der Leyen nannte die Ergebnisse "nicht konkret genug". Es fehle an konkrete Zahlen, Zeitleisten und Strategien, bemängelte sie. Die Arbeitsministerin setzt auf eine gesetzliche Regelung für eine Frauenquote. "Die Quote, dass ein Drittel der Frauen bis 2018 oder 2020 in den Vorständen und vor allem in den Aufsichtsräten sind, ist ein Ziel", sagte sie vor dem Gipfel in der ARD. Lediglich der Mittelstand habe sich an die Selbstverpflichtung gehalten und mittlerweile rund 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt. "Die Frauen stellen die Hälfte der Talente in unserem Land, wir gehen auf einen dramatischen Fachkräftemängel zu", so von der Lyen weiter. Eine Quote könne die Abwanderung qualifizierter Frauen ins Ausland verhindern. Auch SPD und Gründe fordern eine gesetzliche Regelung.

Im Gegensatz zu von der Leyen, will Familienministerin Kristina Schröder eine "flexible" Frauenquote. Sie fordert dazu einen Vier-Stufen-Plan. Nach diesem sollen zunächst die Arbeitsbedingungen für Frauen verbessert werden. Die Unternehmen sollen sich "freiwillig selbst verpflichten" und bis Juni 2013 den Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöhen. Wenn in den nächsten beiden Jahren nicht wesentlich mehr Frauen in Führungspositionen seien, müssten die Unternehmen branchenspezifische Quoten festlegen und einhalten. Bei Verstößen werde es Sanktionen geben. Für flexiblere Regelungen oder Selbstverpflichtungen sind auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die FDP-Minister. Der Vier-Stufen-Plan stieß bei den Wirtschaftsvertretern jedoch auf Kritik. BMW-Personalvorstand Harald Krüger sagte, dass der Plan "nicht in allen Stufen" bestätigt wurde. Dennoch zeigte sich Schröder nach dem Gespräch zufrieden.

Wirtschaft lehnt Quote per Gesetz ab

Die Wirtschaft will nach eigenen Angaben den Anteil der Frauen in den Chefetagen erhöhen. Doch eine gesetzliche Lösung lehnen die Arbeitgeber vehement ab. Die Unternehmen sollten sich selbst verbindliche Ziele setzten, forderte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel. Doch "einheitlich vorschreiben oder definieren kann man diese Ziele nicht, dafür sind die Umstände und die erforderlichen Profile für Führungspositionen in den einzelnen Unternehmen zu unterschiedlich", argumentierte er.

Nur etwa zehn Prozent Frauen auf Chefsesseln

Arbeiterin bei einem Autozulieferer (Foto: dpa)

Arbeiterin bei einem Autozulieferer

Aus einer aktuellen Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach geht hervor, dass weibliche Führungskräfte in größeren Firmen deutlich seltener sind. Während mittelgroße Unternehmen bis zu 20 Prozent Frauen in Führungspositionen haben, halbiert sich diese Quote bei den großen Unternehmen.

Dabei haben sich bereits viele deutsche Dax-Unternehmen dazu verpflichtet, den Frauenanteil in ihren Aufsichtsräten zu steigern. Das ergab eine am Dienstag vorgestellte Untersuchung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Ausgewertet wurden die Selbstverpflichtungen der Dax-Unternehmen. Demnach hatten sich 24 der insgesamt 30 Konzerne in ihren Geschäftsberichten ein an absoluten Zahlen oder durch Angabe eines Prozentsatzes messbares Ziel für den Frauenanteil im eigenen Aufsichtsrat gesetzt. Der Anteil von Frauen solle in den nächsten Jahren von zuletzt 13,4 Prozent auf 19,8 Prozent steigen.

In Deutschland befürwortet nur jeder dritte Arbeitnehmer die Frauenquote. Das hat eine Befragung der Online-Jobbörse "stepstone" unter rund 6500 Fach- und Führungskräften in acht europäischen Ländern ergeben. Zudem gaben ganze 85 Prozent der deutschen Befragten an, dass es bei ihrem Arbeitgeber keine Frauenquote gäbe. Auch im europäischen Vergleich ließ sich keine Mehrheit für eine Frauenquote finden. Besonders "frauenfreundlich" gaben sich die befragten Norweger: Mit 43 Prozent ist Norwegen die Hochburg der Quotenbefürworter. Seit 2008 müssen dort laut Gesetz 40 Prozent der Aufsichtsratsplätze aller größeren börsennotierten Unternehmen von Frauen besetzt werden.

Autorinnen: Julia Hahn / Jill Wagner (rtr, epd, dapd, ots, afpd)
Redaktion: Michael Wehlng

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