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Aktuell Afrika

Regierung ruft Deutsche zur Ausreise aus Libyen auf

Das Auswärtige Amt ruft alle Deutschen zur sofortigen Ausreise aus Libyen auf. Es bestehe ein erhöhtes Entführungsrisiko. Wegen der heftigen Kämpfe zwischen rivalisierenden Milizen evakuierten die USA ihre Botschaft.

Die Lage in Libyen sei durch die Kämpfe rivalisierender Milizen extrem unübersichtlich und unsicher, heißt es in der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes im Internet. Landesweit, vor allem jedoch in den Großräumen Bengasi und Derna, bestehe ein erhöhtes Entführungsrisiko für Ausländer. Das Ministerium warnt deshalb dringend vor Reisen nach Libyen und ruft alle Deutschen in dem nordafrikanischen Land zur sofortigen Ausreise auf.

Die unsichere Lage lähmt inzwischen zunehmend das Leben der Bevölkerung in Tripolis. Banken und Tankstellen sind geschlossen, und immer häufiger fällt der Strom in der Hauptstadt aus. Die libysche Regierung warnte angesichts der jüngsten Entwicklung vor einem "Zerfall des Staates".

Auch die Regierungen Frankreichs und Italiens riefen ihre Staatbürger auf, Libyen sofort zu verlassen.

Kerry sieht "sehr reales Risiko"

Die USA haben ihr Botschaftspersonal aus der Hauptstadt Tripolis bereits abgezogen. Die Vertretung sei evakuiert und die Mitarbeiter seien nach Tunesien gebracht worden, teilte das Außenministerium in Washington mit. Der US-Konvoi wurde auf der fünfstündigen Fahrt bis zur Grenze demnach unter anderem von F-16-Kampflugzeugen begleitet und konnte Tunesien ohne Zwischenfälle erreichen.

US-Außenminister John Kerry sprach von einem "sehr realen Risiko" für das Personal der Botschaft, da die Milizen quasi "uneingeschränkten Spielraum" für ihre Aktionen in Tripolis hätten. Das US-Ministerium rief in einer Reisewarnung zudem alle US-Bürger zum "sofortigen Verlassen" Libyens auf. Großbritannien schloss sich den Warnungen an und reduzierte das Personal in seiner Botschaft. Am 11. September 2012 waren der US-Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Diplomaten bei einem Überfall auf das Konsulat in der libyschen Hafenstadt Bengasi getötet worden.

Auch andere diplomatische Vertretungen haben ihre Dienste eingestellt. Die UN-Vertretung hat ihr Personal bereits abgezogen, und die Türkei hat die Arbeit ihrer Botschaft wegen der Kämpfe ausgesetzt. Die deutsche Botschaft (im Artikelbild oben) führt ihre Arbeit derzeit aber fort.

Rauchwolken über Tripolis (Foto: Reuters)

Die Bevölkerung in Tripolis leidet immer heftiger unter den Kämpfen der Milizen

Beobachter: Kämpfe stehen in Zusammenhang mit der Wahl

Die Kämpfe zwischen rivalisierenden libyschen Milizen hatten vor zwei Wochen rund um den Airport im Süden von Tripolis begonnen. Seitdem ist der Flugbetrieb eingestellt. Die Milizen beschießen sich mit Raketen und Artillerie. In dem betroffenen Stadtviertel liegt auch die US-Botschaft. Nach Angaben der Behörden wurden bereits etwa 100 Menschen in Tripolis getötet. Allein bei einem Raketenangriff an diesem Sonntag starben in der Hauptstadt laut einem Medienbericht 23 Ägypter.

Auch aus der Hafenstadt Bengasi werden neue Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und islamistischen Milizen gemeldet. Dabei sollen mindestens 36 Menschen getötet worden sein.

Nach Auffassung einheimischer politischer Beobachter geht es bei den aktuellen Kämpfen vor allem um Macht und Einfluss nach der Parlamentswahl vom 25. Juni. Deren Ergebnisse liegen zwar noch nicht vor, doch wird mit einer Schwächung der Islamisten und dem Erstarken liberaler Kräfte gerechnet. Die Islamisten versuchen demnach, ihre Niederlage militärisch zu kompensieren.

Die rivalisierenden Milizen liefern sich aber bereits seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 immer wieder Kämpfe um die Vorherrschaft und Kontrolle einzelner Städte.

kis/wl (dpa, afp, rtr)

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