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Aktuell Asien

Regierung rechnet nicht mit weiteren Überlebenden

In Nepal ist die Zahl der Toten auf über 6600 gestiegen. Tausende werden vermisst. Die Retter konzentrieren sich jetzt auf die Versorgung der Überlebenden. Hilfe dabei kommt auch von der US-Weltraumorganisation Nasa.

Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal rechnet die Regierung nicht mehr damit, noch weitere Überlebende in den Trümmern zu finden. "Wir geben unser Bestes, aber ich glaube nicht, dass wir noch Überlebende finden werden", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Laxmi Prasad Dhakal. Ihm zufolge stieg die Zahl der Todesopfer inzwischen auf über 6600 und die Zahl der Verletzten auf über 14.000.

Nach Angaben der Polizei sind auch 50 Ausländer unter den Toten. Die meisten von ihnen waren demnach Wanderer und Bergsteiger. Alle Ausländer, die in den Bergen festsitzend gemeldet wurden, seien aber inzwischen gerettet worden, hieß es.

Regierung und Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass sich die Zahl der Todesopfer weiter erhöhen wird. Allein tausend EU-Bürger werden nach Angaben von Diplomaten in dem Himalaya-Staat vermisst. Trotz der Bemühungen von Bergungsteams aus 20 Ländern wurde seit Donnerstagabend niemand mehr lebend aus den Trümmern geborgen.

Viele Menschen ohne Dach über dem Kopf

Für die Retter hat nun die Versorgung der Überlebenden mit Nahrungsmitteln und Zelten Vorrang. Schätzungen des Ministeriums zufolge wurden bei dem Beben am Samstag mehr als 300.000 Häuser komplett oder teilweise zerstört. Nepals Regierung hat nach eigenen Angaben nur 50.000 Zelte für die Erdbeben-Überlebenden, bräuchte aber 450.000. Derzeit gebe es keine Möglichkeit, mehr Zelte in Nepal zu kaufen. Die Regierung in Kathmandu habe die internationale Gemeinschaft um mehr Zelt-Lieferungen gebeten, doch diese seien noch nicht angekommen.

Unterkünfte hätten höchste Priorität, sagte UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos bei einem Besuch. Die Vereinten Nationen stünden angesichts der blockierten Straßen und der Dörfer ohne Straßenanbindungen vor einer immensen logistischen Aufgabe. Sie sei besorgt, dass es zu lange dauere, den Menschen Hilfe zu bringen. An vielen Stellen seien die Hänge zu steil, um mit dem Hubschrauber zu landen. Auch Nachbeben erschweren die Rettungsarbeiten.

Hilfen aus dem Ausland

Die US-Raumfahrtagentur Nasa will Nepal mit Daten und Ausrüstung helfen. Unter anderem seien Radargeräte verschickt worden, die unter zusammengekrachten Gebäuden eingesperrte Menschen ausfindig machen können, teilte die Nasa am Freitag mit. Zudem sollen der nepalesischen Regierung so bald wie möglich Satellitendaten zur Verfügung gestellt werden, die unter anderem das Ausmaß der Zerstörung deutlich machen.

Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, appellierte an die EU-Staaten, ihre Unterstützung für die Menschen im Nepal zu verstärken. "Es besteht dringender Handlungsbedarf, die Situation vor Ort ist schrecklich", sagte er der Zeitung "Welt". Das Land brauche jetzt am dringendsten Hilfsgüter wie Zelte, Decken, Hygieneartikel und Generatoren - aber auch "mobile Krankenstationen, Schwestern und Ärzte" würden benötigt. Stylianides kündigte weitere Hilfen der EU-Kommission an, konkrete Zahlen nannte er aber zunächst nicht. Die Vereinten Nationen hatten um Hilfe in Höhe von 380 Millionen Euro gebeten. Der Regierung zufolge benötigt Nepal zum Wiederaufbau mindestens zwei Milliarden Dollar.

Erste kleine Lichtblicke

Trotz der Katastrophe versuchen jedoch die ersten Nepalesen nach vorne zu schauen: Am Freitag heiratete in Kathmandu ein nepalesisch-französisches Pärchen. Eigentlich war die Hochzeit für die vergangene Woche geplant gewesen: "Ich hoffe, wir geben den Menschen ein bisschen Hoffnung, dass das Leben weitergeht und es Liebe, Solidarität und ein Füreinanderdasein gibt," sagte die Braut.

chr/gmf (dpa, rtr, afp)