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Asien

Regenernte in Islamabad

Die Gletscher des Himalaya schmelzen. Asien droht der Wassernotstand. Ein neues Regenwasser-Sammelsystem soll die Trinkwasserversorgung der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sichern.

Ein Pakistaner im Regen (Foto: AP)

In Pakistan sollen Regenfälle für die Trinkwasser-Versorgung nutzbar gemacht werden

Pakistan ist ein Land mit 158 Millionen Einwohnern; jedes Jahr wächst die Bevölkerung um weitere drei Millionen Menschen. Um so gravierender ist das Absinken des Grundwasserspiegels. In dem fruchtbaren Land ist sauberes Wasser inzwischen ein knappes Gut.

Die pakistanischen Karakorum-Berge (Foto: dpa)

Auch auf den pakistanischen Karakorum-Bergen liegt immer weniger Schnee

Durch Klimaveränderungen hat die Regenmenge in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Die Gletscher des Himalaya, die seit Jahrhunderten die Flüsse speisen, schmelzen kontinuierlich ab. Ohne die Gletscher ist die Wasserversorgung in ganz Asien bedroht. Bei einem Pilotprojekt in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad wurde deshalb untersucht, wie die Grundwasserspeicher durch Regenwasser wieder aufgefüllt werden können.

Regenwasser wird Trinkwasser

Die Faisal-Moschee in Islamabad (Foto: AP)

Die Faisal-Moschee in Islamabad

Wenn der Regen auf die großen Spitzdächer der Faisal-Moschee in Islamabad prasselt, rinnen unzählige Liter Wasser durch ihre großen Drainagerohre. Die größte Moschee in Pakistan und ganz Südasien ist nicht nur geistige Inspiration für die Gläubigen, sondern seit kurzem auch Quelle für das leibliche Wohlergehen der Bevölkerung.

"Tatsächlich planen wir inzwischen sehr genau, damit kein Wasser mehr verschwendet wird", sagt Sannullah Aman. Er ist als Generaldirektor in der Stadtverwaltung von Islamabad für die Wasserversorgung zuständig. "Wir müssen Wasser für unsere Zukunft sichern. Deshalb entwickeln wir unter anderem Regenwasser-Erntesysteme. In einem Pilotprojekt an der Faisal-Moschee haben wir das sehr erfolgreich umgesetzt."

Auffüllen des Grundwassers

Bohrloch (Foto: DW/Jutta Schwengsbier)

Bohrlöcher führen zum Grundwasserspiegel, der bis zu 40 Meter tief unter der Erde liegt

In Beobachtungsbrunnen um die Hauptstadt Islamabad war der Grundwasserspiegel in den vergangenen beiden Jahrzehnten um ein bis zwei Meter pro Jahr gesunken. In einem gemeinsamen Pilotprojekt haben die pakistanische Regierung und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen UNDP eine Wassergewinnungsanlage an der Moschee installieren lassen.

Entwickelt hat das System der Bauingenieur Abdul Majeed: "Das wesentliche daran sind Bohrlöcher, die zum Grundwasserspeicher in 30 oder 40 Meter Tiefe führen." Entscheidend sei nicht so sehr die Technologie, sondern der Verstand, lacht Majeed. "Wir imitieren einfach die Natur. In der Natur dringt Wasser über kleine Poren ein, sickert durch die Erde und füllt den unterirdischen Speicher." Nach drei Tagen Regen, stellte Abdul Majeed fest, stieg der Grundwasserpegel um vier Meter - wenn auch nur kurzfristig, weil das Wasser bald in andere Richtungen ablief.

Schon immer wurde die Moschee über ein Drainagesystem vor unerwünschtem Wasser geschützt. Früher aber wurde das kostbare Nass einfach ins Abwassernetz geleitet. Dank Bauingenieur Abdul Majeed wird nun aus Regenwasser Trinkwasser.

In Zisternen filtert Sand das Regenwasser

Zisterne (Foto: DW/Jutta Schwengsbier)

In speziellen Zisternen wird das Regenwasser aufgefangen und gefiltert

Unter unscheinbaren Metallklappen verborgen sind in einem Waldgebiet nahe der Moschee große unterirdische Zisternen. Sie sind mit Sand gefüllt. Dadurch wird das Wasser gefiltert. Am Ende führt ein senkrecht stehendes Rohr mit kleinen Löchern an den Außenwänden senkrecht in die Tiefe, bis auf Grundwasserhöhe.

"Wenn die Technologie von der Stadtverwaltung in Islamabad dupliziert wird", glaubt Abdul Majeed, "kann die ganze Stadt zuverlässig mit Trinkwasser versorgt werden." Der Vorsitzende der Stadtverwaltung will diese Technologie an weiteren 100 Stellen in Islamabad einführen. Schließlich verbrauchen die rund zwei Millionen Einwohner von Islamabad etwa 200 Millionen Liter Wasser am Tag.

Autorin: Jutta Schwengbier
Redaktion: Matthias von Hein