Regeln für neuen Umgang mit kolonialem Erbe | Kunst | DW | 25.01.2018
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Kunst

Regeln für neuen Umgang mit kolonialem Erbe

Wie umgehen mit Kulturgütern aus der Kolonialzeit? Deutsche Museen beschäftigen sich immer mehr mit der Herkunft ihrer Sammlungen. Das Hamburger Völkerkundemuseum will ein Projekt zur Versöhnung starten.

Der Einmarsch deutscher Truppen in Afrika zu Beginn des 20. Jahrhunderts scheint verborgen hinter dem riesigen Schatten des Zweiten Weltkriegs gewesen zu sein. Dabei gehört auch die Kolonialzeit zu den dunklen Kapiteln deutscher Geschichte. Erst 2015 bekannte sich die Bundesrepublik zu dem Völkermord an den Herero und Nama im heutigen Namibia. Entschädigungen hat das südwestafrikanische Land von Deutschland aber bis heute nicht erhalten.

Das Deutsche Reich war eine der europäischen Kolonialmächte und besetzte von 1884 bis 1919 große Gebiete in Afrika und im Pazifik. Nach dem Ersten Weltkrieg verloren sie ihre Kolonien an den Völkerbund, der sie später den Siegermächten zur Kolonialverwaltung übergab.

Deutsche Museen lagern Schätze aus Afrika

In der Kolonialzeit wurden zahlreiche Kunstschätze und Kulturgüter in Afrika geborgen und geraubt, die heute in Völkerkundemuseen ausgestellt werden oder in den Archiven lagern. Eine große Debatte hat der Umgang mit dem kolonialen Erbe ausgelöst, welches das künftige Humboldt-Forum in Berlin präsentieren will. Daher bemühen sich die Museen nun landesweit um eine Aufarbeitung und um Dialog.

Deutsch-Südwestafrika: Postbote trägt Stange mit Briefbündeln (1898) (picture alliance/akg-images)

Fotografie von 1898: ein Postbote in Windhoek trägt Post aus

So auch das Hamburger Völkerkundemuseum, das im kommenden Jahr koloniale Fotografien aus Deutsch-Südwestafrika zeigen will, die das Museum seit 1927 besitzt. Zu sehen sind darauf deutsche Soldaten, Forschungsreisende und Siedler. Ziel sei es, anhand der Fotos einen neuen Blick auf die Kolonialzeit zu gewinnen. Neben den Fotos sollen Arbeiten zeitgenössischer afrikanischer Künstlerinnen, die sich mit dem Thema Kolonialismus beschäftigen, ausgestellt werden.

Auch die Akademie der Künste hat in diesem Jahr einen Kolonialismus-Schwerpunkt gesetzt. Mit drei großen Symposien wollen die Veranstalter die Geschichte aufarbeiten. "Nur wenn wir uns selbstkritisch mit unserer eigenen Geschichte auseinandersetzen, gibt es auch die Chance, belastbare Zukunftsperspektiven zu entwickeln", erklärte der Akademie-Programmleiter Johannes Odenthal der Deutschen Presse Agentur. "Es darf nicht darum gehen, dem 'armen Afrika' Entwicklungshilfe zu geben, nur damit weniger Flüchtlinge zu uns kommen. Es geht darum, ein neues Verhältnis, einen gleichberechtigten Dialog zu entwickeln."

Parzinger fordert internationale Leitlinien

Um Dialog und Zusammenarbeit geht es auch Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und einer der drei Gründungsintendanten des Berliner Humboldt Forums. Was die "Washingtoner Erklärung" von 1998 für NS-Raubkunst ist, fehle für Kulturgüter aus der Kolonialzeit. Die "Washingtoner Erklärung" regelt den Umgang mit Raubkunst und die Restitution an die Eigentümer und Erben. Zwar ist sie nicht juristisch bindend, wohl aber moralisch-ethisch.

Hermann Parzinger (picture-alliance/dpa/T. Brakemeier)

Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz: Hermann Parzinger

Auch für den Umgang mit dem kolonialen Erbe seien solche Leitlinien nötig, schrieb Parzinger am diesen Donnerstag in einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Es sei ein "internationales Problem", das aber ganz besonders die europäischen Staaten betreffe und daher eine gemeinsame Lösung mit verbindlichen Regeln erfordere.

Darüber hinaus warb er für eine gemeinsame Provenienzforschung, die auch die ursprünglichen Herkunftsländer der Kunstwerke miteinbeziehe. Parzinger regte neben internationalen Konferenzen gemeinsame Ausstellungen von europäischen und afrikanischen Museen an. "Die gemeinsame Beschäftigung mit dem Thema könnte dann über Leihgaben im gegebenen Fall auch zu Rückgaben führen."

rey/bb (dpa, faz)

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