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Asien

Rege Beteiligung an Stichwahl in Afghanistan

Allen Drohungen der Taliban zum Trotz sind die Afghanen zur Stichwahl gegangen, um über ihren künftigen Präsidenten abzustimmen. Besonders erfreulich: Die Zahl der Wählerinnen stieg.

"Wir wählen weil es unsere Pflicht ist." Amena kommt gerade aus dem Wahllokal und hält stolz ihren eingefärbten Finger hoch. Sie trägt ihr schwarzes Kopftuch tief im Gesicht und lächelt. "Ich habe dem Kandidaten meine Stimme gegeben, der sich für die Rechte der Frauen einsetzt. So Gott will, wird er gewinnen", sagt sie hoffnungsvoll. Amena ist eine von vielen Frauen, die sich am Samstag (14.06.2014) an der Stichwahl beteiligen. Der scheidende Präsident Hamid Karsai wird Anfang August entweder von seinem ehemaligen Finanzminister Ashraf Ghani Ahmadzai oder vom früheren Außenminister Abdullah Abdullah abgelöst. Der 53-jährige Abdullah gilt als Favorit: Er hatte die erste Wahlrunde am 5. April mit 45 Prozent der Stimmen gewonnen, die erforderliche absolute Mehrheit aber verfehlt. Ghani kam mit knapp 32 Prozent auf den zweiten Platz.

Hohe weibliche Wahlbeteiligung am Muttertag

Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen am 05. April war von einer euphorischen Stimmung geprägt. Etwa sieben Millionen der zwölf Millionen stimmberechtigten Afghanen gingen zur Wahl, die Wahlbeteiligung lag damit bei fast 60%, davon waren 35% Frauen. Zur Stichwahl kamen - vor allem in den entlegeneren Gebieten - sogar noch mehr Frauen, um sich am Wahlprozess zu beteiligen. Motiviert von der positiven Resonanz der ersten Wahlrunde und der relativ stabilen Sicherheitslage erschienen ganze Frauen-Gruppen pünktlich zum afghanischen Muttertag zu den Wahllokalen. Präsidentschaftskandidat Ashraf Ghani hatte große Anstrengungen unternommen, um auch die Frauen im traditionell geprägten Süden - wo ein Großteil seiner Anhänger leben - aus den Häusern zu locken. Mit Erfolg. Aber auch in anderen Teilen Afghanistans waren viele Frauen in den Wahllokalen zu sehen.

Shukria Barakzai, Parlamentarierin und Frauenrechtlerin, sagte der DW, sie erwarte viel vom Gewinner der Wahlen. "Er soll sich nicht nur für Frauen einsetzen, sondern die Rechte der Frauen auch tatsächlich implementieren", fordert Barakzai. "Ich will, dass die First Lady von Afghanistan in der Öffentlichkeit erscheint, nicht wie bisher hinter dicken Mauern sitzt." Die derzeitige First Lady und Frau von Präsident Hamid Karsai, Zeenat Karsai, tritt nicht öffentlich auf.

Gerade Hamid Karsai sei es aber zu verdanken, dass die Wahlen heute wieder erfolgreich verlaufen sind, sagt die stellvertretende Frauenministerin Fauzia Habibi gegenüber der DW. Das Ministerium habe aktiv daran gearbeitet, dass Frauen vor allem über die Medien über ihre demokratischen Rechte aufgeklärt werden und dass eine Grundlage geschaffen wird, damit sie auch tatsächlich wählen gehen. Sicherheitskontrollen durch Frauen und abgetrennte Wahlbereiche gehören dazu. "Afghanistan ist im Fortschritt inbegriffen, und die Afghanen bestimmen ihr Schicksal demokratisch. So viele Schwestern sind zur Wahl gekommen, um das zu beweisen", so Habibi.

Geringere Zahl von Angriffen

Zum Schutz der Wahl waren nach offiziellen Angaben 400.000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Der stellvertretende Innenminister für Sicherheit, General Mohammad Ayub Salangi, sagte der DW, dass dazu jeder Soldat und Polizist im ganzen Land eingesetzt wurde. "Wir haben einen Sicherheitsplan, der alle mit einbezieht und auch große Angriffe vermeiden soll." Das Ergebnis: ungewöhnlich leere Straßen in Kabul und strenge Sicherheitsvorkehrungen an Checkpoints. Trotzdem gab es etwa 150 Angriffe auf Wahlzentren und Wähler, meldete Innenminister Umar Daudzai in einem ersten Bilanz-Statement. Beim ersten Wahlgang Anfang April waren es ungefähr 600 gewesen.

In einigen Wahlzentren gingen ähnlich wie in der ersten Runde die Wahlzettel aus und mussten neu beschafft werden. In allen Teilen des Landes waren Wohlbedachter im Einsatz, viele davon von den Kandidaten selbst bestimmt. Ehsanullah Zia, ein Beobachter für Ashraf Ghani, ist davon überzeugt, dass der Tag gut verlaufen sei. "Die Wahlbeteiligung war zwar im Vergleich zu letztem Mal geringer in diesem Lokal, aber Manipulation konnten wir zum Glück nicht beobachten."

Der Vorsitzende der afghanischen unabhängigen Wahlkommission (IEC), Ahmad Yusuf Nooristani, hat am Wahltag mehrere Orte im Land besucht, um sich persönlich ein Bild vom Ablauf zu machen. Er schließt nicht aus, dass es Manipulation gab. "Afghanistan ist eine junge Demokratie, und wir lernen noch, wie man diese Kultur ausübt. Wir hoffen, dass wir in einigen Jahren nicht mehr über Manipulation und Wahlfälschung sprechen müssen", sagte er der DW im Interview. Die Wahlbeschwerdekommission meldete etwa 250 Beschwerden nach Wahlschluss.

Erste vorläufige Wahlergebnisse werden vorrausichtlich am 02. Juli bekannt gegeben. Einen Monat später wird der neue afghanische Präsident vereidigt.

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