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Kultur

Refugium für politisch Verfolgte

Seit 1986 ist Hamburg Zufluchtsort für verfolgte Wissenschaftler, Journalisten, Schriftsteller und Künstler. Die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte lädt jedes Jahr vier von ihnen in die Hansestadt ein.

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Befindet sich zur Zeit in Hamburg: Sihem Bensedrine

Die Idee ist einfach. An der Elbe sollten Menschen, die wegen ihrer kritischen Haltung in der Heimat verfolgt werden, Ruhe und Sicherheit finden. In ihrem befristeten Schutzraum können sie sich regenerieren und mit neuer Kraft wieder anfangen zu arbeiten. Zur Zeit ist die tunesische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Sihem Bensedrine in Hamburg. Sie ist auf Vorschlag der Organisation Reporter ohne Grenzen eingeladen worden. "Zehn Jahre konnte ich keine Ruhe finden. Fast täglich habe ich Schikanen erlebt, weil ich mich bei Menschenrechtsverletzungen eingemischt habe." Sie habe einfach Ruhe und Abstand gebraucht, um neue Kraft zu schöpfen.

Rettungsanker Deutschland

Für Wohnung und Unterhalt der politisch Verfolgten kommt der Hamburger Senat auf. Hinzu kommen Spenden, die die Stiftung regelmäßig sammelt. Die Initiative geht auf den ehemaligen Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi zurück. Sein Vater ist 1945 von den Nazis hingerichtet worden. Den finanziellen Grundstock legte der Millionenerbe und Mäzen Jan Phillip Reemtsma.

In den vergangenen Jahren kamen die Stipendiaten aus verschiedenen Ländern, zum Beispiel aus Algerien, Iran, Kolumbien, Türkei oder Kamerun. Viele fürchteten um ihr Leben, waren von willkürlichen Verhaftungen bedroht oder saßen bereits im Gefängnis. Die Ausreise nach Deutschland ist da für viele der einzige Rettungsanker.

Internet als Alternative

Sihem Bensedrine ist im vergangenen Sommer bei ihrer Rückkehr von einer Europareise am Flughafen verhaftet worden. Grund: Ein Interview, das sie einem arabischen Fernsehsender in London gegeben hat. Sie spricht darin offen über die systematischen Menschenrechtsverletzungen in Tunesien. Nun wartet ein Verfahren wegen Diffamierung der tunesischen Justiz auf sie. Seit über zehn Jahren erlebt die Journalistin fast täglich Repressionen vom tunesischen Staat.

Aber sie gibt nicht auf. Als ihr Antrag auf Zulassung einer Zeitung abgelehnt wird, weicht sie einfach aufs Internet aus. Unter www.kalimatunisie.com kann man das lesen, was für andere Zeitungen in Tunesien tabu ist: Reportagen über Folter in tunesischen Gefängnissen, Zensur im Internet und zuletzt eine Sondernummer über das Volksbegehren, mit dem Ben Ali die Fortsetzung seiner Präsidentschaft sicherte.

Rückkehr nach Tunesien

Einige Stipendiaten kommen mit ihren Familien nach Deutschland, die oftmals auch unter der Verfolgung leiden müssen. Bensedrine wohnt in der Hamburger Dachgeschoßwohnung zusammen mit ihrer Tochter. Wie die meisten anderen Gäste der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte wird die 48-jährige studierte Philosophin nach Ablauf ihres Aufenthaltes in die Heimat zurückkehren. "Ich kann natürlich Tunesien nicht endgültig verlassen. Im Gegenteil ich werde immer wieder dorthin zurückkehren. Meine Freunde sind dort, mit denen ich immer noch zusammenarbeite und mich interessieren weiterhin die gleichen Themen. Der Abstand wird mir gut tun. Ich glaube außerdem, daß keiner unersetzbar ist. Aber hier werde ich mich erst mal ausruhen und jemanden anders die Chance geben Verantwortung zu tragen."

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