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Wirtschaft

Reformstau bremst Weltwirtschaft

Wie stark sind die Voraussetzungen für Produktivität und Wohlstand in der Welt ausgeprägt? Dieser Frage widmet das Genfer Weltwirtschaftsforum (WEF) alljährlich eine detaillierte Studie.

Reformstau und Entwicklungsunterschiede sind die größten Hindernisse für ein nachhaltiges globales Wachstum - zu diesem Ergebnis kommt der Global Competitiveness Report 2014-2015, der heute (03.09.2014) vom Weltwirtschaftsforum veröffentlicht wurde. Zudem hebt der Bericht Nachwuchsförderung und Innovationen als zentrale Bereiche hervor. Dabei müssten in den einzelnen Ländern öffentliche und private Einrichtungen effizienter zusammenarbeiten, um eine nachhaltige und umfassende wirtschaftliche Entwicklung zu erzielen.

"Der Bericht erscheint zu einer Zeit, in der die Weltwirtschaft sich erstmals von ihrer langjährigen Talfahrt erholt", betont Caroline Galvan vom WEF gegenüber der DW. Die wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer sei weiterhin positiv zu bewerten, die Prognosen für die Industrieländer wiesen erstmals höhere Werte als in der Vergangenheit aus. "Der Bericht untersucht die Faktoren, die ein solches Wachstum langfristig und auch nachhaltig gestalten", sagt die Ökonomin. "Wir hoffen, dass der Report sozusagen ein Werkzeug ist, das alle Akteure nutzen, um die Stärken und Schwächen ihrer Wirtschaft zu identifizieren."

Ranking der Wettbewerbsfähigkeit

So entsteht eine Rangliste der Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Länder - der sogenannte Global Competitiveness Index (GCI), der 2004 vom Weltwirtschaftsforum eingeführt wurde. Die GCI-Punktzahl eines bestimmten Landes ergibt sich durch die Erhebung von Daten in zwölf Kategorien, die gemeinsam ein umfassendes Bild der Wettbewerbsfähigkeit vermitteln. Zu den12 Säulen gehören unter anderem: Infrastruktur, Gesundheit und Bildung, ein effizienter Arbeitsmarkt, und der technologische Entwicklungsgrad.

Laut der Rangliste des aktuellen Berichts haben die USA ihre Wettbewerbsposition zum zweiten Mal in Folge verbessert. Die Vereinigten Staaten sind dank ihrer starken Position in den Bereichen institutionelle Rahmenbedingungen und Innovation um zwei Plätze auf Platz drei vorgerückt. Zum sechsten Mal in Folge belegt die Schweiz den ersten Platz des Rankings, Singapur bleibt auf Platz zwei, während Finnland (Platz 4) und Deutschland (Platz 5) jeweils um einen Platz zurückfallen.

Die üblichen Verdächtigen

Es folgen Japan (Platz 6), das sich um drei Plätze verbessern konnte, und Hongkong unverändert auf Platz 7. Daran schließen weitere europäische Volkswirtschaften an: die Niederlande nach wie vor auf Platz 8, während sich das Großbritannien um einen Platz verbessert (Platz 9). Schweden (Platz 10) bildet den Abschluss der 10 wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften weltweit.

Die führenden Volkswirtschaften des Rankings haben eines gemeinsam: Talentförderung und Investitionen zur Stärkung von Innovationen stehen bei ihnen ganz oben auf der wirtschaftspolitischen Agenda. Ermöglicht wird dies - laut Studie - auf der Grundlage einer engen Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Sektoren.

Klaus Schwab, Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums (Foto: Reuters)

Klaus Schwab, Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums

Reformfreudigkeit entscheidet

Eine Reihe von europäischen Ländern, die besonders stark von der Wirtschaftskrise in Mitleidenschaft gezogen wurden, wie etwa Spanien (Platz 35), Portugal (Platz 36) und Griechenland (Platz 81) haben beachtliche Fortschritte bei ihren Bemühungen zur Ankurbelung ihrer Märkte und dem verbesserten Einsatz von Produktionsressourcen erzielt.

Gleichzeitig sind Länder wie Frankreich (Platz 23) und Italien (Platz 49), deren Wettbewerbsfähigkeit nach wie vor stark leidet, noch nicht voll in diesen Prozess eingebunden. Neben dem anhaltenden Gefälle zwischen einem wettbewerbsstarken Norden und einem nachhinkenden Süden und Osten in Europa wird nun auch zwischen Ländern unterschieden, die Reformen umsetzen, und jenen, die nichts dergleichen tun.#

Schwellenländer haben aufgeholt

Einige der größten Schwellenländer weltweit haben weiterhin Schwierigkeiten bei der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und sind im Ranking zurückgefallen. Zu dieser Gruppe gehören Saudi-Arabien (Platz 24), die Türkei (Platz 45), Südafrika (Platz 56), Brasilien (Platz 57), Mexiko (Platz 61), Indien (Platz 71) und Nigeria (Platz 127). Im Gegensatz dazu hat sich China (Platz 28) um einen Platz verbessert und hält seine Position als bestplatziertes BRICS-Land.

"In letzter Zeit hat sich die Kluft zwischen Schwellenländern und Industrieländern geschlossen, welche die Jahre nach der weltweiten Rezession kennzeichnete", wird der Wirtschaftswissenschaftler Xavier Sala-i-Martin, von der US-amerikanischen Columbia University im Zusammenhang mit der Studie zitiert. Stattdessen habe sich eine neue Kluft aufgetan, und zwar zwischen schnell und langsam wachsenden Volkswirtschaften, von der Schwellenländer und Industrieländer gleichermaßen betroffen seien. "Der entscheidende Faktor, der hier den Unterschied macht und schnelles Wachstum ermöglicht, lautet Wettbewerbsfähigkeit durch strukturelle Reformen", so der Ökonom." Diese Aussage gelte für alle Weltregionen.