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Fokus Südosteuropa

Reformen hinterlassen Lücke im Rentenfonds

In Bulgarien sind die Rentenkassen defizitär. Grund dafür sind nicht allein die rückläufigen Einzahlungsquoten, sondern auch die im Zuge der EU-Anpassung gesunkenen Rentenbeiträge.

Leere Schatztruhe (Foto: Picture Alliance / dpa)

Bulgariens leere Rentenkasse

Die demographische Lage in Bulgarien verändert sich: Einerseits sind nach der demokratischen Wende viele Bürger aus dem Land ausgewandert. Schätzungsweise 800.000 vornehmlich junge Leute leben und arbeiten im Ausland. Die Auswanderer sind aber nicht die einzige Ursache für die negative Entwicklung. Das monatliche Einkommen liegt in Bulgarien bei durchschnittlich 320 Euro und die Rente bei 150 Euro. Angesichts solch niedriger Einkommenszahlen ist die enge familiäre Bindung in der bulgarischen Gesellschaftsstruktur der entscheidende Faktor für das Überleben der Rentner.

Zurzeit finanzieren die Abgaben von 100 einzahlenden Arbeitnehmern 80 Rentner. In Bulgarien empfangen insgesamt 2.214.880 Menschen Rente von der staatlichen Rentenversicherungsanstalt. Die Zahl der versicherten Arbeitnehmer liegt bei 2.865.961 und die Arbeitslosenquote bei 6,3 Prozent. Anfang 2010 verzeichnete die staatliche Rentenkasse ein Defizit von 1,2 Milliarden Euro, das vom Staatshaushalt ausgeglichen werden muss.

Loch in der Rentenkasse

Die Silouette eines Menschen auf einer Mauer (Foto: bilderbox)

Lücke auch durch schwarz gezahlte Löhne

Die Ursachen für diesen Fehlbetrag sind vielfältig. Das schnelle Anwachsen der Bevölkerungsgruppe im Rentenalter ist die schwerwiegendste: Während im Jahr 2004 noch 55,1 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigem Alter waren, wird diese Zahl 2020 bei nur noch 49,6 Prozent liegen. Zudem wurde in den letzten Jahren die gesetzlich vorgeschriebene Rentenabgabe um die Hälfte gesenkt. Dies wirkte sich negativ auf die Finanzlage der Rentenkasse aus.

Erschwerend kommt der Schattensektor der Wirtschaft hinzu. Das heißt, viele Arbeitgeber versichern ihre Angestellten nur auf der Basis des gesetzlichen Mindestlohns, obwohl die tatsächliche Vergütung viel höher ausfällt. Somit wird entsprechend weniger in den Rentenfonds einbezahlt.

Rentensatz gesenkt

Seit Anfang des Jahrtausends wird in Bulgarien schrittweise ein Drei-Säulen-Rentenkonzept eingeführt. Zuvor war das gesamte Rentensystem unter staatlicher Kontrolle. Die erste Säule im Rentensystem bildet seitdem die gesetzliche Rentenversicherung, die in die staatliche Rentenversicherungsanstalt eingezahlt wird und den Generationenvertrag finanziert.

Die zweite und die dritte Säule, sind eine zusätzliche gesetzlich vorgeschriebene Rentenversicherung und eine zusätzliche freiwillige Rentenversicherung, die in vom Staat lizenzierte private Rentenfonds einbezahlt werden. Zu Beginn der Umstellung im Jahr 2000 lagen die in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlten Beiträge bei 32 Prozent des Einkommens und wurden sukzessive in die zweite Säule umverteilt und gesenkt.

Aktuell werden 16 Prozent des Einkommens in das Rentensystem eingezahlt, elf Prozent davon in die gesetzliche und fünf Prozent in die zusätzliche gesetzlich vorgeschriebene Rentenversicherung. Diese wird anteilig vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber entrichtet.

Autor: Alexander Andreev

Redaktion: Mirjana Dikic/ Fabian Schmidt