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Alltagsdeutsch – Podcast

Redewendungen rund ums Licht

Eine Glühbirne erhellt den Raum, ein Geistesblitz das Gehirn. Denn wem ein Licht aufgeht, der versteht etwas, das für ihn vorher im Dunkeln lag. Vorher hatte er keinen Schimmer, jetzt sieht er Licht am Ende des Tunnels.

Sprecher:

"Mehr Licht" sollen Johann Wolfgang von Goethes letzte Worte gewesen sein. Doch es gibt Leute, die dem berühmten deutschen Dichter anderes in den Mund legen wollen. In Wirklichkeit soll er in breitestem hessischen Dialekt über seine unbequeme Lagerstatt geklagt haben: "Mer liecht hier so schlecht." Ob geschönte Worte oder einfach nur ein verkürztes Zitat werden wir hier nicht mehr herausfinden. Aber in welchen Momenten sich die deutsche Sprache der Lichtmetaphorik bedient, ob in einem lichten Moment oder erst, wenn alles ganz finster aussieht, werden wir jetzt näher beleuchten.

Sprecherin:

Der erste Schrei eines Neugeborenen. Die Eltern freuen sich und die bald benachrichtigten Verwandten ebenso. Wenn später jemand versucht, diesen einzigartigen Moment in besonders gewählte und feierliche Worte zu fassen, so wird er von dem Kind sagen, dass es an diesem Tage das Licht der Welt erblickt hat. Und dabei ist es ganz egal, ob es bei der Geburt nun heller Tag oder dunkle Nacht war, ob es regnete oder die Sonne schien. Wird das Kind größer und bildet eine eigene Persönlichkeit aus, dann könnte es auch ein sonniges Gemüt entwickeln.

Umfrage:

"Kinder, die, sagen wir mal, besonders freundlich sind, nie schlechte Laune haben, immer ausgeglichen, ne. / Ein Optimist, der eigentlich immer die Dinge von der guten Seite sieht. / Ein sonniges Gemüt, ja der, ich sag' mal, der permanent lächelnd durch unsere Welt geht, der ist durch nichts zu erschüttern. Er verkennt dann auch die Wirklichkeit, er weiß nicht, was bringt für ihn jetzt Schaden. Er lebt an für sich auf der sonnigen Seite des Lebens, blauäugig."

Sprecher:

Menschen mit einem sonnigen Gemüt sind freundlich, lächeln viel und lassen sich durch nichts erschüttern. Doch ganz ohne Schattenseiten, also Nachteile oder schlechte Eigenschaften, ist auch ein sonniges Gemüt nicht. Denn wer nur Positives sieht, verkennt die Wirklichkeit und setzt sich Gefahren aus. Der Passant zuletzt beschrieb einen Menschen, der stets auf die sonnige Seite des Lebens schaut als blauäugig. Blauäugig ist ein gängiger Ausdruck für Naivität und Gutgläubigkeit. Er hat nichts mit der tatsächlichen Augenfarbe einer Person zu tun und auch nicht mit dem Auge, das durch einen Faustschlag zu einem blauen Auge wurde. Trotz mancher Einschränkungen sind Menschen mit einem sonnigen Gemüt meist gern gesehen. Ganz im Unterschied zu denen mit einem hitzigen Gemüt oder Charakter.

Umfrage:

"Ein sonniges Gemüt, ja, ja, dann ist er fröhlich, lustig, der ist mit nichts unterzukriegen. Wenn er ein hitziges Gemüt hat, wird er aggressiv. Wenn Sie ihn falsch ansprechen, dann kann er auch aus dem Anzug gehen."

Sprecherin:

Mit Menschen, die ein hitziges Gemüt haben, fällt der Umgang nicht leicht. Wie bei einem erhitzten Kochtopf, bedarf es nur einer falschen Geste, und der Inhalt kocht über beziehungsweise es kommt zur Auseinandersetzung. Wird ein richtiger Streit daraus, kann es auch passieren, dass mehr als grobe Worte fallen. "Aus dem Anzug gehen" oder auch "springen" ist ein ironisches Sprachbild für die körperliche Aggression bestimmter Menschen, ob sie nun zu den hitzigen Gemütern zählen oder nicht. Und "falsch ansprechen" bedeutet nichts anderes, als zufällig Worte gewählt zu haben, die Menschen mit einem hitzigen Gemüt verärgern, was bei einem hitzigen Gemüt natürlich schnell geschehen kann. So wie die Wärme oder die Hitze der Sonne mit menschlichen Charaktereigenschaften in Verbindung gebracht wird, verhält es sich auch mit ihrem Licht. Und dabei handelt es sich fast immer um etwas Positives, das da leuchtet.

Umfrage:

"Eine Leuchte, ja, wenn er etwas Besonderes kann. / Wenn einer eine Leuchte ist, das heißt im Sprachgebrauch normalerweise, der ist sehr aufgeschlossen, intelligent, talentiert. / Der ist in einer Sache sehr gut, glaube ich, das muss aber nicht in allem sein. Der ist eine Leuchte in Mathematik, aber nicht allgemein. / Da sagen wir ja, statt Leuchte sagen wir in Köln, das ist ein Ass, da musst du den fragen, der ist ein Ass auf dem und dem Gebiet."

Sprecher:

Ein Mensch, von dem man sagt, er sei eine Leuchte, hat etwas vorzuweisen. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Spezialisten für Mathematik, Geographie oder um einen besonders sprachbegabten Menschen handelt. Er muss auch nicht in allem das gleiche Geschick aufweisen, nur eben in einem Bereich muss sein Licht heller leuchten als das der meisten anderen. Um eine spezielle menschliche Eigenschaft auszudrücken, gibt es oft mehr als eine Redewendung. Der letzte Passant meinte, dass man in Köln statt Leuchte oft Ass sagt. Das Ass hat in vielen Kartenspielen den höchsten Wert und sticht alle anderen Karten aus. Hier hat das menschliche Ass der Karte sogar etwas voraus. Es kann seine Größe zeigen, ohne dabei immer mit anderen in Konkurrenz zu treten und sie auszustechen. Der Begriff Ass ist nicht auf den Kölner Raum begrenzt. Er findet sich wie die Leuchte auch in den anderen Teilen Deutschlands.

Sprecherin:

Eine Leuchte ist also ein Mensch mit anerkannten Fähigkeiten. Doch was bedeutet es, wenn ein Mensch sein Licht nicht zeigt, sondern - wie die Umgangssprache sagt - sein Licht unter den Scheffel stellt?

Umfrage:

"Wenn er sein Licht unter den Scheffel stellt, dann führt das dazu, dass Licht nicht so recht zur Geltung kommt, also er, man könnte sagen, er verkauft sich unter Wert, oder er stellt sich nicht angemessen dar, er stellt sich zu wenig dar, er könnte eigentlich sehr viel mehr darstellen, mehr sein, aber der Scheffel führt dazu, dass das Licht nicht völlig durchdringen kann. / Ja, Intelligenz, was er nicht preisgeben will, ja, er will nicht mit seiner Intelligenz prahlen."

Sprecher:

Der Scheffel ist ein schaufelartiges Gefäß, das heute nur noch durch wenige umgangssprachliche Wendungen bekannt ist. Früher wurde das Gefäß als Getreidemaß verwendet. Ein Licht, das man unter den Scheffel stellt, ist abgeschirmt, kann also nicht sehr weit leuchten. Die Redewendung ist schon im Matthäus-Evangelium zu finden, wo es heißt, dass man sein Licht nicht unter den Scheffel, sondern auf einen Leuchter stellen soll, damit es von allen gesehen werden kann. Matthäus bezieht dieses Bild auf die guten Taten eines Menschen. Heute wird die Wendung meist auf besondere Fähigkeiten bezogen. Darüber hinaus ergibt sich noch ein weiterer Verständnisunterschied, wie er bei unseren Passanten deutlich wurde. Was bei den einen vornehme Zurückhaltung bedeutet, gilt den anderen als gehemmt und schädlich, weil derjenige, der sein Licht unter den Scheffel stellt, sich unter Wert verkauft, wie es einer der Passanten nannte. Durch seine Zurückhaltung findet seine Fähigkeit also nicht genügend Würdigung, was sich genauso auf finanziellen Lohn beziehen kann wie auf rein menschliche Anerkennung.

Sprecherin:

Natürlich gibt es nicht nur Menschen, die ihr Licht unter den Scheffel stellen, sondern öfter wohl diejenigen, die ihr Licht leuchten lassen. Diese Redewendung bezieht sich genauso wie die vorherige auf das Matthäus-Evangelium, doch wird sie heute nur noch selten benutzt.

Umfrage:

"Sein Licht leuchten lassen, sicher das, er gibt seine Intelligenz, was er über dieses Thema weiß, weiter. Er gibt anderen preis, was er über dieses Thema weiß. / Wenn sich jemand über Gebühr ins Licht rückt, wenn jemand meinetwegen zum Angeber wird. / Ja, der sich hervortut, der sich ständig lobt."

Sprecherin:

Wer sein Licht leuchten lässt, zeigt oft zuviel Stolz auf die eigenen Fähigkeiten; wer es unter den Scheffel stellt, zeigt zuwenig davon. Bis man es geschafft hat, seine Qualitäten ins rechte Licht zu rücken, also genau richtig darzustellen, kann einige Zeit vergangen sein. So manche Forschererkenntnis hatte nur deshalb keinen Erfolg, weil ihr Nutzen anderen nicht verständlich war, nicht einleuchtete. Der kluge Kopf muss sich also bemühen, damit auch seinen Mitmenschen ein Licht aufgeht.

Umfrage:

"Ja, wenn man was erkennt, würde ich sagen. Wenn einem ein Licht aufgeht, wenn man irgendwas verstanden hat. Wenn Sie etwas nicht wusste und es kann Ihnen einer erklären. Wenn ich dann die Realität einem erklären kann. Dann sagt man: "Och, da geht mir ein Licht auf." / Ja, das sagt man ja öfter: "Da ist mir ein Licht aufgegangen. Ich bin jetzt etwas weiser geworden." Auch nach einer Enttäuschung sagt man: "Ja, ich bin jetzt etwas klüger geworden." / Ja, das ist wie ein Gedankenblitz, wo ja auch dann wieder Licht drin aufgehoben ist. Wenn einem ein Licht aufgeht, leuchtet etwas aus der ansonsten vielleicht dunklen Szene hervor, dann hat man mitunter einen besonderen Gedanken oder einen Einfall, oder es werden einem Dinge klar, die man so lange nicht gesehen hat. Es ist in jedem Fall etwas Seltenes. Es ist damit verbunden, dass mit einem Mal das Gehirn ein Produkt anbietet, das was darstellt, und es ist mit einer Einsicht verbunden. / Licht aufgehen, das ist ein Aha-Erlebnis: "the penny has dropped", also der Groschen ist gefallen."

Sprecher:

Dass einem ein Licht aufgeht, ist ein schönes Sprachbild für die klärende Erkenntnis, auch ohne enttäuschende Vorerfahrungen. Ein solches Licht bringt natürlich auch ein Glücksgefühl mit sich, was im Begriff "Aha-Erlebnis" besonders deutlich wird, wo der Ausruf "Aha" den inneren Vorgang zum hörbaren Ausdruck bringt. Weniger euphorisch beschreibt die Redewendung "der Groschen ist gefallen" eine gewonnene Erkenntnis. Hier schwingt mehr die Mühe mit, die ein Mensch mit einer bestimmten Einsicht hatte. Der Groschen ist ein alter Name für das 10-Pfennig-Stück, mit dem für viele Menschen Kindheitserinnerungen verbunden sind. Kaugummis und viele andere Süßigkeiten waren für 10 Pfennig an Apparaten und Kiosken zu bekommen. Auch gab es viele Spielgeräte, die mit einem Groschen zu benutzen waren. Manchmal war die Mechanik der Apparate abgenutzt, und das 10-Pfennig-Stück klemmte in der Öffnung fest. Natürlich ließ sich kein Kind so schnell einen Kaugummi entgehen und drehte und drehte, bis der Apparat nachgab und der Groschen endlich gefallen war.

Sprecherin:

Beim Gebrauch umgangssprachlicher und bildhafter Ausdrücke zählt nicht nur ihr Sinn. Die Begriffe und Wendungen haben auch einen - je nach Situation - passenden Charakter oder Ton. So würde man von Galilei, als er erkannte, dass die Erde sich um die Sonne dreht, nicht sagen, dass ihm da ein Licht aufgegangen ist. Der legere Ton dieser Wendung passt eher in das muntere Gespräch unter guten Bekannten. Noch mehr gilt dies für den Ausdruck, dass bei jemandem der Groschen gefallen ist. Jemanden als Leuchte zu bezeichnen, ist hingegen auch in öffentlichen Gesprächen und Beschreibungen ohne weiteres üblich. Genauso wie der Gebrauch des Ausdrucks "sein Licht unter den Scheffel stellen".

Sprecher:

Licht steht nicht nur für geistige Größe, sondern auch für Lebensfreude und Glück. Das kann einem natürlich leicht abhanden kommen. Wenn sich dunkle Tage häufen und die Schattenseiten des Lebens, also die traurigen und erfolglosen Momente überwiegen, gilt es, den Mut nicht zu verlieren. Wem das gelingt, der sieht - umgangssprachlich ausgedrückt - Licht am Ende des Tunnels.

Umfrage:

"Es ist ein Licht da, also wenn man einen Tiefpunkt erreicht hat, dass irgendwo ein Licht ist, was ihn wieder hochreißt. / Es wäre schlimm, am Ende des Tunnels kein Licht zu sehen, etwas ganz fern ist dann nicht von Dunkelheit überzogen, sondern es leuchtet, will sagen, man kommt da heraus. Es ist besser, wenn man herauskommt. Es ist Hoffnung zu sehen. Licht steht für Erleichterung. / In der Zukunft einen positiven Effekt aufnehmen, ja, Hoffnung, ja."

Sprecher:

Das Licht am Ende des Tunnels steht also für die Hoffnung auf eine bessere Zeit. Damit kann eine konkrete und realistische Aussicht genauso umschrieben werden wie die reine Zuversicht, der Glaube an das Glück in ferner Zukunft. Die Ferne wird noch in einer anderen Redewendung zum Ausdruck gebracht, die das Licht als Hoffnungsschimmer sieht: Wenn man einen Silberstreif am Horizont entdeckt, kann man hoffen, dass nicht alles verloren ist, auch wenn der Silberstreifen so weit entfernt scheint, dass es noch lange dauern muss, bis einen das Glück wie die taghelle Sonne erreicht.

Sprecherin:

Zum Licht als Klugheit und Hoffnung kommt noch das Licht der Öffentlichkeit. Deshalb sagt man umgangssprachlich, dass Gauner das Licht scheuen. Würde man sie entdecken, käme das begangene Verbrechen ans Licht, also würde bekannt, was bisher im Dunkeln verborgen blieb. Es gibt aber noch ein weiteres Licht, das für den Menschen, auf den es fällt, von großer Bedeutung ist, das Rampenlicht.

Umfrage:

"Der steht voll im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Gängigerweise Politiker ohnehin, da sie der Kritik der Öffentlichkeit ständig ausgesetzt sind, Leute im Showgeschäft auch. / Der sich selbst in die Öffentlichkeit stellt, der gehört werden will und dann auch gehört wird. / Im Rampenlicht ist natürlich auch jemand, der König, also viele Leute möchten im Rampenlicht stehen, wobei ich das also wie nackt im Kirchenchor ausdrücken würde für mich. Also ich würde nicht gerne so oft im Rampenlicht stehen. Man geht auch ganz klar davon aus, wer im Rampenlicht steht, dass der gut ist, man geht nicht davon aus, bei dem Ausdruck allein, jemand steht im Rampenlicht, dass der auch schlecht sein könnte und dass er auch Buh-Rufe aushalten müsste."

Sprecher:

Schauspieler werden durch ein Rampenlicht auf der Bühne in einen hellen Lichtkegel getaucht, damit alle Theaterbesucher sie gut erkennen können. Das Rampenlicht im übertragenen Sinne ist die Öffentlichkeit, die durch die Medien hergestellt wird. Durch den häufigen Auftritt in Rundfunk und Fernsehen, durch Zitate und Bilder in Zeitungen werden Menschen bekannt und bekannt gemacht. Im Rampenlicht zu stehen kann jedoch auch ganz schön unangenehm sein. Der Passant zuletzt fasste es in das Bild "nackt im Kirchenchor zu stehen", womit er im übertragenen Sinne meinte, dass im Rampenlicht stehen bedeutet, jede Intimität preis zu gegeben. Auf der einen Seite ist Bekanntheit für Künstler und Politiker oft karrierefördernd, auf der anderen Seite können sie nicht einmal mehr eine Zeitung kaufen, ohne erkannt zu werden.

Sprecherin:

Ob Sie im Rampenlicht stehen oder nicht, wir wünschen Ihnen auf jeden Fall, dass Sie es schaffen, Ihr (eigenes) Licht zum Leuchten zu bringen. Wir hoffen, dass auch diesmal wieder einige Aha-Erlebnisse für Sie dabei waren, die Ihnen die deutsche Sprache ein wenig beleuchtet haben. Und wenn sich der Schatten des Alltags einmal vordrängen sollte, glauben Sie an den Silberstreif am Horizont, und vertrauen Sie auf das Licht am Ende des Tunnels. Es kommt bestimmt.

Fragen zum Text

Jemand, der sein Licht unter den Scheffel stellt, …

1. gibt mit seinen Fähigkeiten an.

2. zeigt seine Fähigkeiten nicht oder nur wenig.

3. schläft am liebsten im Dunkeln.

Wenn jemand etwas versteht, dann sagt man: …

1. "Ihm geht ein Licht auf."

2. "Bei ihm sind die Lampen an."

3. "Der hat keinen Schimmer."

Das Licht am Ende des Tunnels steht für …

1. schlechte Tage.

2. die Angst vor der Zukunft.

3. die Hoffnung auf eine bessere Zeit.

Arbeitsauftrag

Den Silberstreifen am Horizont sehen, im Rampenlicht stehen, das Licht scheuen – suchen Sie sich jeweils eine Redewendung rund ums Licht aus dem Text raus. Versuchen Sie, sie zu malen. Ihre Klasse muss dann erraten, um welche Redewendung es sich handelt.

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