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Alltagsdeutsch – Podcast

Redensarten aus der Arbeitswelt

Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist – das gilt auch für die Büroarbeit am Computer. Denn auch heute sind Ausdrücke aus dem Handwerk noch gebräuchlich, die ursprüngliche Bedeutung ist aber oft vergessen.

Sprecher:

Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Eine fröhliche Pop-Gruppe mit dem Namen "Geier-Sturzflug" hat mit diesem Titel einst die deutsche Hitparade gestürmt. In dem Lied geht es um Arbeitseifer. Die Redensart vom In-die-Hände-Spucken wird im Deutschen als bildhafter Ausdruck für Fleiß und Arbeitseifer verwendet. Ein Arbeiter spuckt in die Hände, wenn er etwas anpacken will. Als Redensart bedeutet in die Hände spucken, bereit zu sein, eine große Anstrengung zu unternehmen, viel zu arbeiten. Oder anders ausgedrückt, bereit zu sein, hart anzupacken.

Sprecherin:

In vielen Redensarten, die sich auf die Arbeitswelt beziehen oder sich aus ihr ableiten, kommen die Hände vor: als Symbol für Fleiß und Arbeitseifer, aber auch für das Gegenteil. So bedeutet zum Beispiel die Hände in den Schoß legen, eben nicht zu arbeiten, untätig zu sein, faul zu sein. Jemand, der zwei linke Hände hat, gilt als besonders ungeschickt. Dafür ist jemand, der sich als die rechte Hand eines anderen bezeichnet, dessen wichtigster Mitarbeiter. Die rechte Hand vom Chef ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für die engste Mitarbeiterin oder den engsten Mitarbeiter einer Führungskraft.

Sprecher:

Jemand, der ein Händchen für etwas hat, ist besonders geschickt. Diese Redensart wird als Kompliment verstanden. So freut sich beispielsweise jeder Journalist, wenn von ihm gesagt wird, er habe ein Händchen für gute Texte. Erledigt man etwas im Handumdrehen, dann geschieht es sehr schnell. Man sagt auch, es geschieht umgehend. Die Redensart vom Handumdrehen leitet sich davon ab, dass das Handgelenk eines der beweglichsten Teile des menschlichen Körpers ist. Die Hand zu drehen, geht sehr schnell. Eben im Handumdrehen.

Sprecherin:

Wenn etwas nicht schnell, sondern im Gegenteil, sehr langsam erledigt oder verzögert wird, dann wird es auf die lange Bank geschoben. Diese Redensart ist im Deutschen sehr gebräuchlich. Sie stammt vermutlich aus der Juristerei und dem Gerichtswesen. Gerichte gelten traditionell als langsam und schwerfällig in ihrer Arbeit. Schon in frühbarocken Schriften wurde die Bank vor den Gerichtssälen als Bild für Schwerfälligkeit und Verzögerung verwendet. – Dort mussten die Prozessbeteiligten nämlich endlos warten. Wer also eine Arbeit nicht sofort erledigt, oder eine Entscheidung unnötig verzögert, der schiebt sie auf die lange Bank.

Sprecherin:

Aus dem Schuhmacherhandwerk und dem Friseurhandwerk leiten sich zwei weitere Redensarten ab, die Verallgemeinerungen bezeichnen. Alles über einen Leisten schlagen bedeutet zum Beispiel, ganz unterschiedliche Fälle immer gleich zu behandeln. Der Ausdruck geht auf die Arbeitsweise eines Schuhmachers zurück. Der verfügt über Holzvorlagen in Fußform, sogenannte Leisten, über die er Schuhe mit immer der gleichen Form herstellt.

Sprecher:

Ein Friseur, der allen Kunden ohne Rücksicht auf den individuellen Typ immer den selben Haarschnitt verpasst, schert alle über einen Kamm. Auch diese Redewendung ist sehr geläufig. Sie bezeichnet eine unzulässige Gleichmacherei. Wer sich dagegen über den Löffel barbieren lässt, der lässt sich betrügen. Das leitet sich von einer zweifelhaften Praktik früherer Dorf-Friseure, auch Barbiere genannt, ab: Um Männer mit eingefallenen Wangen schneller rasieren zu können, schoben ihnen die Friseure einen Löffel seitlich in den Mund. Die Wange wurde dadurch ausgebeult und konnte ohne große Sorgfalt rasiert werden.

Sprecher:

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wörtlich genommen, trifft dieser Satz für die Arbeit eines Tischlers oder eines Schreiners zu. Im übertragenen Sinne bedeutet diese Redewendung, dass bei drastischen Eingriffen immer auch Opfer zu beklagen sind. Politiker verwenden dieses Sprichwort, wenn sie Einschnitte in die Lebensqualität der Bürger mit den Notwendigkeiten der großen Politik entschuldigen wollen.

Sprecherin:

Jemand, der zwar behauptet, große Leistungen zu vollbringen, in Wirklichkeit aber eher unbegabt ist, bohrt dünne Bretter. Die Redensart ist zum ersten Mal in einer Tischrede Martin Luthers nachgewiesen. Heutzutage wird sie häufig in ein Substantiv umgewandelt: Der Dünnbrettbohrer ist ein Schimpfwort und bezeichnet einen Menschen, der sich zwar wichtig macht, aber wenig kann.

Sprecher:

Schätzt jemand die eigene Leistung oder eine Situation nicht richtig ein, dann liegt es ja vielleicht daran, dass er ein Brett vor dem Kopf hat. Diese Redewendung bezieht sich auf Ochsen, die vor einen Wagen gespannt sind. Damit die Tiere durch nichts abgelenkt werden konnten, banden ihnen die Bauern früher Bretter vor die Köpfe, um ihr Sehfeld zu verkleinern. Wer also ein Brett vor dem Kopf hat, bemerkt nichts von dem, was sich unmittelbar vor seinen Augen vollzieht. Man sagt auch, er ist vernagelt.

Sprecherin:

Wer einen Nagel in ein Brett oder eine Wand einschlagen will, braucht dazu einen Hammer. Er muss also wissen, wo der Hammer hängt. Als Redensart hat sich diese Phrase erst in jüngster Zeit etabliert. Auch sie leitet sich aus dem Sprachgebrauch handwerklicher Arbeit ab. Verwendet wurde sie zuerst in der Jugendsprache. Sie bezeichnet Entschlossenheit und Qualifikation. Jemand, der weiß, wo der Hammer hängt, weiß, was zu tun ist, kennt sich gut aus. Man sagt auch: Er weiß, wo's lang geht. Jemand, dem gezeigt wird, wo der Hammer hängt, wird dagegen zurechtgewiesen, ihm wird gesagt, was er zu tun hat.

Sprecher:

Ein Schmied arbeitet mit dem harten Werkstoff Metall. Metall lässt sich nur formen, wenn es sehr heiß und dadurch weich ist. Man muss das Eisen also schmieden, solange es heiß ist. Diese Redensart geht zurück auf das französische Sprichwort: Il faut battre le fer quand il est chaud. Für ein bestimmtes Vorhaben muss man also den richtigen Zeitpunkt finden. Oder anders ausgedrückt, nicht zögern und im richtigen Moment handeln. Wer dagegen ein heißes Eisen anfasst, bringt ein heikles Thema zur Sprache, rührt an ein Tabu oder deckt einen Skandal auf.

Sprecherin:

Wer mehrere Eisen im Feuer hat, hält sich mehrere Möglichkeiten offen. Er macht sich nicht von einer Möglichkeit allein abhängig. Auch das leitet sich aus der Arbeitswelt der Schmiede ab. Der Schmied hat mehrere Werkstücke im Feuer, um sofort an einem zweiten Stück weiterarbeiten zu können, wenn eines zerbricht. Wer mit eisernem Besen kehrt, schafft mit Nachdruck, bis hin zur Rücksichtslosigkeit, Ordnung. Man sagt auch: Er zeigt eine harte Hand.

Sprecher:

Mit Sägen und Äxten müssen Holzfäller an die Arbeit gehen, wenn sie Bäume umschlagen, man sagt auch: fällen. Von dieser schweren Arbeit, bei der sehr große Werkzeuge verwendet werden, leitet sich eine häufig gebrauchte Wendung ab: Jemand benimmt sich wie die Axt im Walde. Dieser Ausdruck beschreibt eine sehr rücksichtslose Vorgehensweise oder ein sehr ungesittetes Verhalten.

Sprecherin:

Wer sogar etwas auf dem Kerbholz hat, der hat sich etwas zu Schulden kommen lassen. Man sagt auch, er hat etwas ausgefressen. Die Redensart vom Kerbholz bezieht sich auf ein einfaches Hilfsmittel, mit dem bis ins 19. Jahrhundert hinein Lieferungen, Arbeitsleistungen, oder auch Schulden gezählt wurden. Für jede Leistung oder für jede neue Schuld wurde auf einem Holzstück ein Schnitt, man sagt auch: eine Kerbe, eingeritzt. Am Monatsende wurde anhand der Schnitte auf dem Kerbholz festgestellt, wie viel bezahlt werden musste.

Sprecher:

Um besonders große Geldbeträge geht es traditionell bei Goldschmieden und Juwelieren. Sie arbeiten mit Edelmetallen und kostbaren Steinen, man sagt auch: Edelsteine, oder Juwelen. Jede noch so kleine Menge dieser Materialien ist viel Geld wert. Daher ist es wichtig, die Mengen und Gewichte mit präzisen Messgeräten zu bestimmen. Eines dieser Messgeräte ist die Goldwaage. Aufgrund ihrer Genauigkeit hat sie sich in eine Redensart der deutschen Sprache geschlichen: Wer alles auf die Goldwaage legt, nimmt alles viel zu genau. Wer fordert, doch nicht immer alles auf die Goldwaage zu legen, will damit sagen, dass etwas mit mehr Großzügigkeit behandelt werden soll, oder, dass bestimmte Worte nicht all zu ernst zu nehmen sind.

Sprecher:

Mit dem Einzug der Technik in die Arbeitswelt hat sich das Gesicht der Zivilisation gewandelt. In großen Fabriken werden komplizierte Herstellungsprozesse in zahllose einzelne Tätigkeiten zerlegt. Jeder erledigt nur noch den Bruchteil einer großen Summe verschiedener Arbeiten. Mancher mag da das Gefühl haben, nur ein Rädchen im Getriebe zu sein. Diese viel gebrauchte Redewendung bezieht sich auf das Bild von einer großen Maschine oder eines Motors oder: eines Getriebes. Darin stecken viele kleine Zahnräder, eben: Rädchen. Zusammen halten sie die Maschine in Gang. Wer sich selber als Rädchen im Getriebe bezeichnet, betont damit, dass er nur einer von vielen ist und keine allzu große Bedeutung hat.

Sprecherin:

Ein Rädchen im Getriebe zu sein, mechanisch immer die gleiche Tätigkeit ausführen zu müssen, mag manchem das Gefühl geben, in einer Tretmühle zu sein. Das bedeutet, langweilige bis unangenehme, immer wiederkehrende Tätigkeiten verrichten zu müssen. Ursprünglich bezeichnet Tretmühle eine einfache mechanische Konstruktion, in die Ochsen oder Pferde eingespannt wurden. Wie auf einem Karussell konnten sich die Tiere immer nur im Kreis bewegen. Durch die Drehung der Tretmühle wurden dann andere mechanische Geräte, zum Beispiel Wasserpumpen oder Mahlwerke in Gang gesetzt. In Anlehnung an die stumpfsinnig im Kreis marschierenden Ochsen seufzt mancher Arbeitnehmer auf dem morgendlichen Weg in den Betrieb: Schon wieder zurück in die Tretmühle!

Sprecher:

Wer aber bereit ist, sich bei seiner Arbeit anzustrengen und große Leistungen zu erbringen, der hat vielleicht Glück und fällt die Treppe hinauf. Diese umgangssprachliche Redewendung ist ein Ausdruck dafür, eine bessere Stelle, mehr Gehalt oder mehr Einfluss zu bekommen. Oft wird diese Redewendung allerdings auch im negativen Sinne verwendet: Jemand, der die Treppe hinauf gefallen ist, hat Karriere gemacht, ohne wirklich etwas geleistet zu haben. Ein neutraleres Bild dafür, in der Arbeitswelt voran zu kommen, ist: auf der Karriereleiter hinaufklettern.

Sprecherin:

Wenn der erste Schritt auf der Karriereleiter erst einmal getan ist, dann packt so manchen der Ehrgeiz. Er möchte noch mehr erreichen. Man sagt auch: Er möchte höher hinaus, oder: Er strebt nach Höherem. Und da es in der Arbeitswelt keinen Stillstand geben darf, heißt es auch vor der nächsten Anstrengung: "Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Brutto-Sozialprodukt...."

Fragen zum Text:

Wenn sich jemand wichtig macht, aber wenig kann, dann ist er…

1. ein Dünnbretthammer.

2. eine Dünnbrettschraube.

3. ein Dünnbrettbohrer.

Wenn man alles auf die Goldwaage legt, dann…

1. ist man sehr reich.

2. teilt man etwas nicht mit anderen.

3. nimmt man alles sehr genau.

Was bedeutet der Ausdruck die Treppe hinauffallen?

1. auf der Treppe stürzen.

2. Karriere machen, ohne viel dafür geleistet zu haben.

3. viel arbeiten um Karriere zu machen.

Arbeitsauftrag:

Man kann vieles auf die lange Bank schieben: den Abwasch, einen Termin beim Zahnarzt holen, den komplizierten Arbeitsauftrag vom Chef usw. Unterhalten Sie sich mit Ihren Kursteilnehmern, was Sie immer auf die lange Bank schieben und wie Sie sich motivieren, diese Dinge dann doch zu erledigen.

Audio und Video zum Thema