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Politik

Reden ums Geld

In Mexiko beraten derzeit die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Industrienationen und Schwellenländer über die Stabilisierung des internationalen Finanzsystems und die Vermeidung von Finanzkrisen.

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Finanz- und Wirtschaftskrisen durch Reden bewältigen?

Industrie- und Schwellenländer wollen künftigen Finanzkrisen wirkungsvoller vorbeugen. In gemeinsamer Anstrengung wolle man verhindern, dass das internationale Finanzsystem für kriminelle Machenschaften missbraucht werde, so die einhellige Meinung der Finanzminister und Notenbankchefs der Gruppe der 20.

Regeln für Finanztransfer gefordert

Auf ihrem Jahrestreffen in Morelia in Mexiko (26./27.10.2003) diskutieren die Finanzminister auch über die Einführung von verbindlichen Regeln für Finanzgeschäfte und einen freiwilligen Verhaltenskodex. Weiterhin geht es um die Beseitigung von politischen Unzulänglichkeiten in den Empfängerländern von Kapital, um mehr Transparenz bei Finanztransfers und um die Möglichkeit der größeren Mitsprache für ausländische Geldgeber. Auch, wenn das Treffen informell und ohne Entscheidungsbefugnis ist, erhofft man sich doch einige wirkungsvolle Impulse.

"Es soll eine Analyse aller Instrumentarien geben, welche zu einer Stabilisierung des Finanzsystems beitragen können. Diese betreffen Forderungen an die Politik, wirtschaftliche Grundstandards einzuhalten, die Pflicht zur genauen Information, sie betreffen die Wechselkurs-Problematik und die Möglichkeit, schneller in Krisen zu reagieren", sagt Vanessa Rubio Marquesa, Generaldirektorin im mexikanischen Finanzministerium.

Chance für fairen Handel

Die Finanzminister plädieren zudem eindringlich für eine neue Chance für den Welthandel. Die G-20 setze sich intensiv dafür ein, dass die WTO-Verhandlungen noch in diesem Jahr wieder aufgenommen werden, sagte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) am Sonntag (26.10.2003) am Rande des Treffens. "Freier Welthandel ist ein Fundament für Wohlstand der ganzen Erde", betonte Eichel.

Die G-20 mache sich dafür stark, dass die laufende WTO-Runde wie geplant bis 2005 erfolgreich zu Ende gebracht werden kann. Die 5. Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) im mexikanischen Badeort Cancún war Mitte September an unüberbrückbaren Differenzen zwischen Industriestaaten auf der einen und Schwellen- sowie Entwicklungsländern auf der anderen Seite ergebnislos zu Ende gegangen. Nach Auffassung der G-20 geht es mit der Weltwirtschaft zwar wieder deutlich aufwärts, aber es herrschten extreme Ungleichgewichte. Eichel nannte besonders das doppelte Defizit in den USA, das nicht nur zu Lasten des Euro oder einiger kleinerer Währungen abgebaut werden dürfe. Alle Staaten müssten gemeinsam daran arbeiten, die Weltwirtschaft wieder in ein neues Gleichgewicht zu bringen.

Wer ist die Gruppe der 20?

Die Gruppe der 20 erörtert Fragen, die für die Stabilität des internationalen Finanz- und Währungssystems von Bedeutung sind. Sie wurde während der deutschen G7-Präsidentschaft 1999 als informelles Dialogforum der Finanzminister und Notenbankchefs aus Industrie- und Schwellenländern geschaffen. Der Gruppe gehören neben den wirtschaftlich führenden G-7-Ländern und Russland auch Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Saudi-Arabien, Südafrika, Südkorea und die Türkei an. Mitglieder sind zudem die Europäische Union, vertreten durch die EU-Präsidentschaft und die Europäische Zentralbank (EZB), sowie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank.

Insgesamt repräsentiert die Gruppe 85 Prozent des Weltsozialproduktes und zwei Drittel der Weltbevölkerung. Im internationalen Geschehen allerdings spielt die 1999 gegründete G 20 bisher eher eine schwache Rolle. Das soll sich nun ändern, erklärt Vanessa Rubio Marquesa. "Integration, gegenseitige Abhängigkeit und Globalisierung nehmen immer mehr zu. Wenn es beispielsweise in den Schwellenländern zu Krisen kommt, ist es nötig, dass es zwischen diesen und den hochentwickelten Länder der G 7 einen Dialog gibt, um die Folgen zu begrenzen und künftige Krisen zu vermeiden", erklärte sie auf dem Forum. "Die G 20 ist eines der wenigen Foren, wo die starken Industriestaaten und die Schwellenländer gemeinsam versuchen können, ein stabileres Finanzsystem zu schaffen." (arn)

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