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Politik

Reden über den Klimaschutz

Vertreter von 180 Staaten treffen sich in den ersten zwei Dezember-Wochen in Mailand, um weiter über den Kyoto-Vertrag von 1997 zu verhandeln. Dass der Gipfel zu handfesten Ergebnissen führen wird, ist zu bezweifeln.

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Umweltschutz geht alle an

Klimaschutz durch weniger Treibhausgase - das war der zentrale Gedanke des Kyoto-Protokolls, als es vor sechs Jahren in Japan von damals 38 Staaten vereinbart wurde. Inzwischen ist der Hauptverursacher von Treibhausgasen und damalige Mitunterzeichner des Vertrags, die USA, wieder ausgestiegen. Deswegen hoffen Umweltschützer auf die Unterzeichnung Russlands, sonst ist der Kyoto-Vertrag insgesamt hinfällig.

Debatten über Feinheiten

Auf dem Klima-Gipfel in Mailand vom 1.-12. Dezember 2003 wird dazu aber wahrscheinlich keine Entscheidung getroffen werden. Stattdessen werden Tausende Vertreter aus mehr als 180 Ländern bei der 9. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention wieder einmal über Feinheiten eines Vertragswerks streiten, das überhaupt noch nicht verbindlich ist.

Laut Kyoto-Protokoll müssen die Industrieländer ihre Treibhausgase bis 2012 um im Schnitt 5,2 Prozent im Vergleich zu 1990 vermindern. Die Amerikaner sind weltweit mit Abstand die größten Verursacher von Treibhausgasen, vor allem von Kohlendioxid, das beim Verbrennen von Öl, Kohle oder Gas entsteht. Seit US-Präsident George W. Bush sich 2001 vom Kyoto-Prozess abgewandt hat, steht die Zukunft des Klimaschutzvertrags in den Sternen.

Zur Umsetzung des Abkommens muss der Kohlendioxidausstoß der Teilnehmerstaaten mindestens 55 Prozent der globalen Gesamtemissionen des Treibhausgases betragen. Seit die USA ausgestiegen sind, setzen die Kyoto-Aktivisten auf Russland: Wenn Russland endlich das Protokoll ratifizieren würde, könnte es in Kraft treten. Ohne Russland kommen die 119 Staaten, die das Kyoto-Protokoll bis jetzt ratifiziert haben, jedoch nicht auf die geforderte Abgas-Menge.

Kyoto ist nicht genug

Die meisten Klimaforscher sind sich einig, dass die Kyoto-Vereinbarungen ohnehin nicht ausreichen, um die Klimaerwärmung und die damit einhergehenden instabilen Wetterereignisse wie Stürme, Fluten und Dürren zu beschränken. In seinem jüngsten Sondergutachten kommt der "Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen" (WBGU) der deutschen Bundesregierung zu dem Ergebnis, dass gefährliche Klimaentwicklungen nur noch vermeidbar sind, wenn die vereinbarten Ziele "deutlich höher als bisher gesetzt werden".

Anstieg der Emissionen

Statt einer Verminderung des Treibhausgas-Ausstoßes passiert aber gerade das Gegenteil: In einem UN-Report von 2003 heißt es, dass in den reichen Industrieländern bis 2010 mit einem Anstieg der Treibhausgase um durchschnittlich 17 Prozent zu rechnen sei. Damit scheinen die Kyoto-Ziele in weite Ferne gerückt zu sein.

Allerdings gibt es keine Alternative zum Kyoto-Protokoll, warnen Umweltschützer, Forscher und EU. So besagt beispielsweise eine Studie des "World Wide Fund For Nature" (WWF), dass das Schmelzen der Gletscher in Alaska in den vergangenen fünf bis sieben Jahren doppelt so schnell vorangeschritten sei wie in den Jahren zuvor.

Auch in den Alpen habe das Phänomen bedrohliche Ausmaße angenommen. Dort sei das Gletschereis in den vergangenen 20 Jahren um 10 bis 20 Prozent zurückgegangen. Ein weiteres Gletscherschmelzen auf Grund von Klimaerwärmung würde verheerende Folgen haben, denn Gletscher speichern etwa 70 Prozent der weltweiten Trinkwasserreserven. Zudem könnte es zu Überschwemmungen großer Landstriche kommen.

Europäische Maßnahmen

Ungeachtet der Haltung der USA und Russlands werde die Europäische Union aber "in fester Erwartung eines In-Kraft-Tretens des Kyoto-Protokolls" mit der Umsetzung bereits begonnener Maßnahmen fortfahren, hieß es vom deutschen Delegationsleiter bei den Klimaverhandlungen, Karsten Sach.

Dazu gehört unter anderem von 2005 an der Handel mit Treibhausgasrechten zwischen Unternehmen innerhalb der EU. Daneben soll auch schon "über Kyoto hinaus" gedacht werden, denn die Vereinbarungen reichen nur bis zum Jahr 2012 und beziehen die Entwicklungsländer, darunter auch China, bisher nicht ein.

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