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Klima

REDD: Der Streit um die Wälder der Welt

Weltweit werden jedes Jahr 13 Millionen Hektar Wald vernichtet. Um diese Entwicklung zu stoppen, ist das sogenannte REDD plus-Programm Bestandteil der internationalen Klimaverhandlungen.

Wald bei Frankfurt (Foto: Benjamin Braden)

REDD soll Rodungen verhindern

Der Wald arbeitet seit hunderttausenden von Jahren für das Wohl des Planeten, indem er Kohlendioxid (CO2) aus der Luft aufnimmt und bindet. Bis zu einem Drittel der jährlichen CO2-Emissionen nehmen die Wälder auf. Allein in Deutschland mit 76 verschiedenen Baumarten sind das 4,4 Milliarden Tonnen CO2 im Jahr.

Auch in den internationalen Klimaverhandlungen soll diese Leistung berücksichtigt werden. 2010 einigten sich die internationalen Verhandlungsdelegationen in der mexikanischen Stadt Cancun darauf, dem sogenannte REDD+ Mechanismus zum Bestandteil der UN-Klimarahmenkonvention zu machen. REDD steht für "Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation" – Reduzierung von Treibhausgasemissionen aus Entwaldung und Walddegradierung. Einfach ausgedrückt soll REDD Ausgleichszahlungen der reichen Länder für die Öko-Leistungen der Wälder in Entwicklungsländern regeln und damit verhindern, dass sie gerodet werden. In Durban soll REDD jetzt mit Leben gefüllt werden.

Die Rechte der Bewohner

Frauen im Dorf Surucucu. Die Yanomami sind eines der letzten Steinzeitvöler der Erde (Foto: dpa)

Ureinwohner wie die Yanomami im Amazonas sind die besten Waldschützer

Doch auch wenn die 194 Länder, die mittlerweile der UN-Klimakonvention beigetreten sind, sich auf den REDD-Mechanismus geeinigt haben, bleiben noch viele offene Fragen. Der Anthropologe Peter Cronkleton erforscht seit Jahren die Rolle der indigenen Bevölkerung beim Waldschutz für das Zentrum für internationales Waldforschung (CIFOR). Er sieht die indigenen Völker und die Lokalbevölkerung als besten Schutz für den Wald. Internationale Studien haben gezeigt, dass Menschen, die seit Generationen von den Wäldern leben, die besten Wächter des Waldes sind. "Wir brauchen diese Wechselwirkung, um den Wald zu erhalten", sagt Peter Cronkleton. Es sei nicht damit getan, Wälder zu Nationalparks zu erklären: Entwicklungsländer hätten oft weder die Ressourcen noch den politischen Willen, die Nationalparks zu pflegen.

Durchbruch in Durban?

Häufig wird aber die Bevölkerung vertrieben, wenn große Firmen Wald kaufen, um wertvolle Bäume abzuholzen oder um Platz für Plantagen oder Landwirtschaft zu machen. In Durban wird es daher auch darum gehen, ein REDD-Abkommen abzuschließen, das die Rechte der indigenen Bevölkerung mit berücksichtigt. Und es wird auch hier um das liebe Geld gehen: Wie sollen die Maßnahmen finanziert werden? Achim Steiner, Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, ist vorsichtig optimistisch: "Ich glaube, dass wir in Durban Fortschritte bei REDD sehen werden. Die Arbeit, die bereits in Cancun gemacht wurde, wird hoffentlich die nächste Stufe erklimmen". Steiner verweist auf die guten Erfahrungen, die bereits mit dem REDD-Programm gemacht wurden. "Es kann eine Win-Win-Situation entstehen, wo sowohl die Lokalbevölkerung als auch die Artenvielfalt profitiert. Die wirtschaftlichen Anreize, die im Raum stehen, sind eine praktische Demonstration der zukünftigen Möglichkeiten", erklärt Steiner.

Mittlerweile hat sich das REDD-Programm auch ohne die UN-Klimarahmenkonvention so gut etabliert, dass 14 Länder bereits Leistungen für den Waldschutz daraus beziehen. Weitere 21 Länder arbeiten mit REDD zusammen, um ihre nationalen Waldprogramme zu entwickeln und umzusetzen.

Was ist Wald?

Der Egerer Wald nahe Neualbenreuth (Oberpfalz) (Foto: dpa)

Gar nicht leicht zu entscheiden: Was ist ein Wald?

Jedoch fehlen dem Programm immer noch die Elemente, die es zu einem verpflichtenden, nachprüfbaren globalen Mechanismus machen würde. So ist auch die Definition von Wald weiterhin umstritten. Bisher wurde die Walddefinition der Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO verwendet. Wald ist demnach ein Gebiet, das zu mindestens zehn Prozent aus Baumkronen besteht. Theoretisch heißt das, dass man auf einem Fußballfeld in jeder Ecke und in der Mitte ein Baum pflanzt – dann ist es bereits ein Wald. Mit dieser Definition wären auch Monokulturen – zum Beispiel die riesigen Palmölplantagen – Wälder, erklärt Experte Christoph Thies von Greenpeace: "Es wäre katastrophal, wenn eine REDD-Vereinbarung das erlauben würde. Wir hoffen sehr stark, dass die ökologische Integrität des REDD-Abkommens so groß sein wird, dass diese Dinge nicht passieren. Das wäre nicht nur eine Katastrophe für viele Tier- und Pflanzenarten und viele Menschen, die vom Wald leben - es wäre auch ein Betrug am Klima", sagt der Greenpeace-Experte. Dann sei gar kein REDD-Abkommen besser.

Die Fragen sind vielfältig – und auch in Durban wird der Teufel im Detail stecken. Klar ist jedoch, dass es eine verbindliche Regelung für den Erhalt der noch existierenden Wälder geben muss. Sie sind nicht nur Klimaretter, sondern auch, wenn sie abgeholzt oder durch Brandrodung zerstört werden, Klimakiller. Abholzung ist für fast ein Fünftel der heutigen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Würde man also ein sofortiges Abholz-Moratorium einführen, wären die globalen CO2-Emmisionen mit sofortiger Wirkung um fast 20 Prozent reduziert.

Autorin: Helle Jeppesen

Redaktion: Oliver Samson