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Musik

Record Store Day: Plattenläden feiern ihr Überleben

Der Record Store Day ist eine Hommage an die gute alte Vinyl-Schallplatte. Der Tonträger schien vom Aussterben bedroht und mit ihm die Läden, die ihn verkaufen. Doch gezielte Werbeaktionen sorgen für eine Renaissance.

"Die Leute wollen ein greifbares Objekt in der Hand halten, das das kulturelle Gewicht der Musik unterstreicht", sagt der US-DJ und Plattenladen-Guru Pablo Roman-Alcalá. "Kultur als Einwegartikel ist nicht mehr angesagt." Seine Erklärung, warum Schallplatten ein Comeback feiern ist einfach, einleuchtend - und scheint zutreffend.

Denn nimmt man die Verkaufszahlen unter die Lupe, haben die Verkäufe seit 2007 weltweit  kontinuierlich zugelegt. In Deutschland, dem viertgrößten Musikmarkt der Welt, wurden 2016 nach Angaben des Branchendienstes gfu in Deutschland 3,1 Millionen Schallplatten verkauft. Gegenüber 2015 stieg der Umsatz damit um 40 Prozent. Auch wenn diese Zahlen nie mehr an die Spitzenwerte früherer Jahrzehnte herankommen werden - so verkaufte beispielsweise Schlagersänger Freddy Quinn in den 60er Jahren mit einem Hit über drei Millionen Platten -, waren sie doch Grund genug für die Plattenhersteller, die längst eingemotteten Pressen aus dem Lager zu holen, um der Nachfrage nach Neuerscheinungen nachkommen zu können.

Nischenprodukt im Aufwind 

Branchenexperten sind optimistisch, dass die Schallplatte sich dauerhaft in einer Nische etablieren wird: "Viele Menschen mögen den entschleunigten Musik-Genuss und die verbundene Vorfreude darauf bereits beim Auspacken der Schallplatte», sagt gfu-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Kamp. 

Das stetige Wachstum liegt vor allem am steigenden Verkauf von Mainstream Rock- und Tanzmusikalben. Aber auch kleine unabhängige Plattenläden haben ihren Anteil am Aufschwung der Vinyl-Industrie. Angesichts der massiven Konkurrenz durch digitale Musik und illegale Downloads haben sie ihre Geschäftsmodelle neu überdacht. Um zu überleben, sah sich so mancher Ladenbesitzer berufen, aktiv zur Kulturszene seines Stadtviertels beizutragen - so wie jetzt am World Record Store Day. 

Gleichgesinnte unter sich

Plattenantiquariat in Köln (DW/S. Wünsch)

In Plattenläden kann der Kunde nach Herzenslust stöbern

Dieser Tag findet alljährlich am dritten Samstag im April statt und spielt eine wichtige Rolle beim Revival. Er wurde 2007 in den USA ins Leben gerufen, aber längst nehmen rund 2000 Plattenläden aus aller Welt daran teil, darunter 190 Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Pablo Roman-Alcalá arbeitet im Berliner OYE Records-Shop, ein Laden, der bei Events wie dem Record Store Day gerne dabei ist. Hier sollen die Kunden Erfahrungen machen können, die es online nicht frei Haus gibt. "Viele Plattenläden sahen ihre Absätze Anfang der 2000er Jahre massiv schwinden", so Roman-Alcalá. "Dank des Record Store Days konnte man die positiven Eigenschaften solcher Läden - zum Beispiel, dass sich hier Gleichgesinnte treffen - herausstreichen und ins öffentliche Bewusstsein rücken."

In Berlin hätten sich die Läden darum bemüht, einzigartige und ausgewählte Sammlungen herauszubringen, weiß Roman-Alcalá. Am Record Store Day verkaufen dann viele limitierte Sondereditionen und organisieren Release-Partys und andere Events- als Dankeschön für die treue Kundschaft.

Ausgewählter Sound des Berliner Nachtlebens

Zwei Schallplatten werden hergestellt (Foto: @imago stock& people)

Bei der Schallplattenproduktion läuft's wieder rund

Während Läden wie das OYE sich darauf konzentrieren, die Platte als strategisches Mittel zum Überleben auf dem Markt einzusetzen, schlägt das Berliner Rotation Records einen anderen Weg ein: Mit einem erweiterten und wechselnden Angebot an Platten, Accessoires und Klamotten präsentiert sich der Laden als Konzept Store rund um den Sound des Berliner Nachtlebens. Dank ausgewählter Musiksammlungen und origineller Marketingmethoden können sich Läden wie Rotation Records über steigende Verkaufszahlen freuen.

"Viele unserer Kunden sind auf CDs oder MP3 umgestiegen - und unsere Verkaufszahlen sind stark gesunken", erzählt Mitarbeiter Nikolaus Schäfer. "Also haben wir beschlossen, uns mehr auf Kleidung und Markenlabels zu konzentrieren. Und das kommt an. Außerdem bieten wir jetzt nur noch Musik an, die wir auch wollen. Alles, was wir nur verkauft haben, um unsere Bandbreite zu erweitern, ist rausgeflogen."

Schwarze Scheibe voll Magie

Plattencover des Rammstein-AlbumsRosenrot (Foto: Rammstein)

Ausgefallene Plattencover sind bei Kunden sehr beliebt

Wie Roman-Alcalá vom OYE-Laden ein paar Ecken weiter meint auch Schäfer, dass die Vinylscheiben eine magische Anziehungskraft auf die Kundschaft haben. "Die Leute sammeln Platten wegen der Audioqualität", sagt Schäfer. "Außerdem sieht das kunstvoll gestaltete Cover eines Albums besser aus. Und viele mögen einfach, wie sich eine Platte anfühlt."

In der Musikszene wird heftig debattiert, ob Schallplatten wirklich den besseren Sound bieten. Klangtreue ist zwar ein wichtiges Verkaufsargument, aber DJ Pablo Roman-Alcalá, der seine eigene Musik auch auf Vinyl herausbringt, hat einen noch wichtigeren Grund, Käufern zur Schallplatte zu raten: Vinyl bringt definitiv mehr Geld in die Kasse als ein digitaler File. "Es ist ganz einfach", erklärt Roman-Alcalá. "Man sollte eine Platte kaufen, weil es der beste Weg ist, einen Künstler zu unterstützen."

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