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Fokus Südosteuropa

Rechtspopulisten in griechischer Regierung

Erstmals seit knapp vierzig Jahren regieren in Griechenland rechtsnationale Politiker mit. Vier Mitglieder der "Orthodoxen Volksbewegung" (LAOS) von Giorgos Karatzaferis gehören der Übergangsregierung an.

Wahlplakate der rechtsgerichteten LAOS-Partei (Foto: AP)

Rechtspopulisten der LAOS-Partei sind im griechischen Kabinett vertreten

Giorgos Karatzaferis führt die LAOS-Partei als unbestrittener Alleinherrscher. In Griechenland scheiden sich die Geister darüber, ob er ein rechter Hitzkopf oder ein gnadenloser Opportunist ist - oder vielleicht beides. Seine politischen Gegner sagen, dass Karatzaferis ein Mann sei, der Profilierungschancen sofort erkenne und jedem das erzähle, was er hören will.

Zum Beispiel, wenn er sich lustig macht über die "Jungs aus Boston", den inzwischen abgelösten Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou und seinen konservativen Widersacher Antonis Samaras, die beide in den USA studiert haben. Die hätten keine Ahnung vom echten Leben, unterstellt Karatzaferis. Ganz anders als er selbst, wie er gern betont, der von der Schule geflogen ist, sich dann aber doch durchzuschlagen wusste im Leben als Journalist, Werbetexter, Bodybuilder, Kleinunternehmer, Inhaber einer Modellagentur und eben als Politiker.

Alleinstellungsmerkmal à la Karatzaferis

LAOS-Chef Giorgos Karatzaferis im Profil (Foto: AP)

Giorgos Karatzaferis: Mann der kernigen Sprüche

Seine politische Heimat war jahrelang die bürgerlich-konservative "Nea Dimokratia". Als sich die Partei in den 90er Jahren unter dem späteren Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis deutlich der politischen Mitte näherte, gründete Karatzaferis im Jahr 2000 seine "Orthodoxe Volksbewegung" und fiel durch rechtspopulistische und antisemitische Äußerungen auf.

2002 hat er etwa den Unterschied zwischen sich, Karamanlis und dem damaligen sozialistischen Ministerpräsidenten Kostas Simitis wie folgt beschrieben: "Erstens bin ich kein Jude. Möge der Simitis das auch von sich behaupten. Zweitens bin kein Kommunist. Möge der Karamanlis das auch von sich behaupten. Und drittens bin ich kein Homosexueller - das können nur wenige von sich sagen."

Immer wieder hat Karatzaferis den Mythos einer zionistischen Weltverschwörung beschworen, einen Einwanderungsstopp für Griechenland gefordert und vor der vermeintlichen türkischen Gefahr im Osten des Landes gewarnt. Linksliberale Kommentatoren verspotten ihn schon längst als "Karatzaführer" in Anspielung auf Adolf Hitler. Doch der LAOS-Chef legt Wert auf die Feststellung, dass er "kein Rechtsradikaler" sei. Wer das Gegenteil behaupte, werde sofort von ihm angezeigt, sagt er.

Rechtes Gedankengut pflegen auch seine Parteifreunde, etwa Mavroudis Voridis, einst ein Sympathisant von Jean-Marie Le Pen und Mitbegründer der nationalistischen Organisation "Griechische Front". Oder auch der Anwalt Adonis Georgiadis, der sich einen Namen gemacht hat als Fernsehprediger und Verleger patriotischer Schriften.

Doch Karatzaferis wäre nicht Karatzaferis, wenn er es dabei belassen hätte. Nachdem er genug Stimmen aus dem rechten Lager gewinnen konnte, wendet er sich seit Monaten nach Kräften der politischen Mitte zu - und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da die bürgerlich-konservative Opposition unter Antonis Samaras immer weiter nach rechts driftet.

Katharsis zur "Stimme der Vernunft"

Griechischer Präsident Karolos Papoulias (2. re) an einem Tisch mit Ex-Premier Giorgos Papandreou (2. li), sein konservativer Widersacher Antonis Samaras (re.) und Giorgos Karatzaferis (li.) (Foto: EPA)

Vom Streit zwischen Papandreou und Samaras kann Karatzaferis profitieren

Im Polit-Theater der vergangenen Wochen um Volksabstimmungen, Neuwahlen und die Option einer großen Koalition in Griechenland gab Karatzaferis den edlen Staatsmann. Und während sich die Streithähne Samaras und Papandreou mit ihrem Machtpoker in eine Sackgasse manövrierten, plädierte der LAOS-Chef immer wieder für eine Regierung der nationalen Einheit und appellierte sogar an den Staatspräsidenten Karolos Papoulias, er möge die Initiative ergreifen und die beiden Volksparteien in die Schranken weisen. Der renommierte Athener Journalist Alexis Papachelas traute seinen Ohren nicht: "Wir sind heute so tief gefallen, dass mittlerweile einer wie Karatzaferis die Stimme der Vernunft verkörpert", sagte Papachelas dem TV-Sender Skai.

Nun erntet der einst als Volkstribun Verschrieene die Früchte seiner Taktik, weil vier LAOS-Politiker in die neue Übergangsregierung aufgenommen wurden: Mavroudis Voridis darf das Ministerium für Infrastruktur und Verkehr leiten, zwei Parteifreunde von ihm werden Vize-Minister und der ehemalige Diplomat und Europaabgeordnete Giorgos Georgiou wird stellvertretender Verteidigungsminister.

In Griechenland sind die Rechtspopulisten offenbar salonfähig geworden. Sollten sich die etablierten Parteien weiterhin in Streitigkeiten zerreiben, könnte der Überlebenskünstler Karatzaferis auf mehr hoffen.

Autor: Jannis Papadimitriou
Redaktion: Mirjana Dikic

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