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Propaganda

Rechtsextreme ködern Jugendliche im Internet

"Die virtuelle Schattenwelt von Hass und Hetze wächst", warnt Familienministerin Schwesig - und die Propaganda wird schick. Mit Markenklamotten und Nazi-Hipstern biedern sich die Rechten bei ihrer Zielgruppe an.

Rechtsextreme Propaganda im Netz Screenshot Neonazi Seite Wirkungsfeuer (Wirkungsfeuer)

Scheinbar harmlos und gefällig: Rechtsextreme Propaganda im World Wide Web (Archivbild)

Rechtsextreme versuchen immer stärker, Jugendliche über das Internet zu ködern. Dabei würden Themen wie Hip-Hop oder Online-Spiele als Türöffner benutzt, sagte Familienministerin Manuela Schwesig in Berlin. Mit Fake-News werde zudem Hass gegen Geflüchtete, Muslime und andere Minderheiten geschürt. Schwesig verlangt deshalb, Betreiber von Internetdiensten in die Pflicht zu nehmen, um solche Inhalte von deren Seiten zu verbannen.

"Die rechtsextreme Propaganda hat sich weiter verschärft", erklärte auch der stellvertretende Leiter der Internetplattform jugendschutz.net, Stefan Glaser. Gemeinsam mit ihm und dem Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, stellte die Familienministerin in der Hauptstadt aktuelle Erkenntnisse zum Rechtsextremismus im Netz vor.

Nazi-Hipster und veganes Frühstück

Glaser zeigte auf, dass Nazipropaganda mittlerweile schick daherkommt: Mit Markenkleidung und anderen Inszenierungen des jugendlichen Lebensstils werde die Zielgruppe geschickt umworben. "Nipster", also Nazi-Hipster, träten so auf, dass die Jugendlichen sich mit ihnen identifizieren könnten. Ganz nebenbei flössen rechtsextreme Positionen ein: "Da werden Bilder vom veganen Frühstück kombiniert mit Naziparolen", sagte Glaser.

Deutschland Familienministerin Manuela Schwesig (picture-alliance/dpa/P. Zinken)

"Hip-Hop als Türöffner": Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (Archivbild)

Ideologischer Kern der Botschaften sei immer Ausgrenzung, so der Vertreter der Jugendschutzplattform. Vor allem gegen Muslime und Flüchtlinge werde gehetzt. Immer häufiger würden dabei Fake-News, also verdrehte oder frei erfundene "Nachrichten" eingesetzt, die sich rasend schnell im Netz verbreiten.

Volksverhetzende Beiträge statt Hakenkreuz-Symbolik

Im vergangenen Jahr wurden laut Glaser 53.000 rechtsextreme Inhalte gesichtet. Gegen knapp 1700 davon gingen die Experten vor. 94 Prozent seien bei Facebook, Youtube und Twitter veröffentlicht worden. In jedem fünften Fall gelang es nicht, die Inhalte dort entfernen oder für den Zugriff aus Deutschland sperren zu lassen.

Während jugendschutz.net früher vor allem verbotene Symbole wie das Hakenkreuz meldete, gelten laut Glaser heute rund die Hälfte der Beanstandungen volksverhetzenden Beiträgen. Die Botschaften erreichen ihre Adressaten immer leichter: Jugendliche sind per Smartphone und Tablet praktisch überall und rund um die Uhr erreichbar. "Umso wichtiger ist es, dass sie die Gefahren im Netz erkennen, widersprechen lernen und Hass-Beiträge auch melden können", sagte Familienministerin Schwesig.

Zahlreiche Angebote in Deutschland, etwa von der Bundeszentrale für politische Bildung, aber auch in anderen Ländern richten ihren Fokus genau auf diese Form der Medienkompetenz. So kämpft in Tschechien eine neu gegründete Studenteninitiative gegen Fake-News im Netz. Vor allem junge Menschen sollen mit einem Internet-Guide Propaganda und Desinformation in den sozialen Medien leichter erkennen. Die private Aufklärungskampagne "Hol-dir-deine-Info" findet vor allem an Schulen ein gewaltiges Echo.

jj/qu (dpa, afp, epd, kna)