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Politik

Rechtsextreme Gewalt auf dem Vormarsch

Rassismus und fremdenfeindliche Gewalt sind in Russland längst zum traurigen Alltag geworden. Für Ausländer mit dunkler Hautfarbe und Migranten aus dem Kaukasus und Zentralasien wird Russland immer gefährlicher.

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Allein in den letzten beiden Jahren fielen mindestens 54 Menschen fremdenfeindlichen Anschlägen zum Opfer, mehr als 500 Ausländer wurden bei rassistischen Angriffen verletzt.

Hauptstadt der Fremdenfeindlichkeit

Das vorläufig letzte Opfer in dieser erschreckenden Statistik war der 28-jährige Kameruner Kamhen Leon. Er wurde ausgerechnet am Abend des 24. Dezembers in St. Petersburg von unbekannten Angreifern durch Messerstiche in den Hals tödlich verletzt als er gemeinsam mit einem 25-jährigen Namibier nach einem Besuch bei Freunden auf dem Weg zur Metro war. Der getötete Kamhen Leon war erst vor zwei Monaten zum Studium nach Russland gekommen.

Der jüngste Mord an einem Schwarzafrikaner hat wieder einmal den Ruf von St. Petersburg - immerhin Russlands viel zitiertes "Fenster zum Westen" - als Russlands Hauptstadt der Fremdenfeindlichkeit gefestigt. Für Schlagzeilen in der Metropole an der Newa hatte bereits vor zwei Jahren der grausame Mord an einem neunjährigen tadschikischen Mädchen gesorgt.

Angst vor Gewalt

Inzwischen trauen sich viele ausländische Studenten mit dunkeler Hautfarbe kaum noch alleine auf die Straße, aus Angst Opfer von fremdenfeindlicher Gewalt zu werden. Auf die Hilfe und den Schutz seitens der Behörden und der Polizei können sie nur bedingt hoffen. Denn von offizieller Seite wird immer wieder versucht, die rechtsextreme Gewalt als "Hooliganismus" herunter zu spielen. Nach Meinung von Menschenrechtlern haben Neonazis und Skinheads regen Zulauf. Experten schätzen, dass in Russland bis zu 50.000 Skinheads ihr Unwesen treiben. Doch der Moskauer Polizeichef Wladimir Pronin erklärte im vergangenen Jahr allen Ernstes, dass es in der Hauptstadt keine Skinheads gebe, sondern nur Pöbel, der Personen anderer Nationalitäten angreife.

Lippenbekenntnisse

Zwar hat Präsident Wladimir Putin das Problem von rechtextremer Gewalt wiederholt öffentlich angesprochen und für sein Land, das vor 60 Jahren im Kampf gegen den Faschismus einen hohen Blutzoll zahlen musste, als beschämend bezeichnet, doch es blieb bei öffentlichen Lippenbekenntnissen. Besorgniserregend sind dabei nicht nur die hohe Zahl von Jugendlichen, die sich von rechtsradikalen Gruppierungen angezogen fühlt, sondern eine in der russischen Gesellschaft weit verbreitete Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. So unterstützen nach Umfragen 58 Prozent der russischen Bevölkerung den nationalistischen Slogan "Russland den Russen".

Dass ausgerechnet am neuen russischen Nationalfeiertag, dem 4. November, rund 3000 Nationalisten ungestört durch Moskau marschieren konnten und dabei fremdenfeindliche Parolen skandierten, stieß auf kein besonderes Echo. In jedem anderen europäischen Land hätte eine solche Demonstration vermutlich einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Nicht so in Russland, der Marsch der Neonazis war der breiten Meinung einfach egal, und es dauerte über einen Monat, bis sich die verbliebenen demokratischen

Parteien wie "Jabloko" und "SPS" gegen die Widerstände der städtischen Behörden mit einer antifaschistischen Gegendemonstration durchsetzen konnten. Es ist höchste Zeit, dass der Kreml die gefährliche Krankheit des wachsenden Nationalismus und rechtsextremer Gewalt nicht nur erkennt, sondern vor allem endlich mit Behandlung und Therapie beginnt.