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Globale Zusammenarbeit

Rechtlose Dienstmädchen im Nahen Osten

Viele junge Frauen aus Äthiopien arbeiten in der arabischen Welt als Hausangestellte. Sie erhoffen sich dort ein besseres Leben. Oft werden sie aber wie Sklavinnen behandelt, sexuell belästigt oder vergewaltigt.

Wir nennen sie Almaz. Sie ist 23 Jahre alt und stammt aus Äthiopien. Seit zehn Monaten arbeitet sie als Hausmädchen in Dubai. Ihren wahren Namen will sie nicht nennen.

Wie viele junge Mädchen fand Almaz keinen Job in Äthiopien. Und wenn es Arbeit gab, dann meist so schlecht bezahlt, dass sie davon nicht leben konnte. "Ich hatte eine Ausbildung zur Köchin angefangen. Nachdem ich die Hälfte der Ausbildungsgebühr bezahlt hatte, hatte ich kein Geld mehr. Ich musste meine Miete, mein Essen, und meine Schule bezahlen. Wie sollte ich mit 400 Birr auskommen", erzählt Almaz. 400 Birr sind umgerechnet etwa 17 Euro.

Ansicht der Skyline von Dubai (Foto: ddp images/AP)

In Dubai wollte Almaz einen guten Job finden

Unter diesen Bedingungen kam der jungen Frau die Vermittlung eines Jobs als Hausmädchen nach Dubai sehr gelegen: 130 Euro soll sie dort im Monat verdienen. Almaz freute sich über diese Aussichten und unterschrieb einen Vertrag für zwei Jahre. Sie verdrängte alles Negative, das sie über Dubai gehört hatte. Schließlich haben es einige der Mädchen "geschafft". Zumindest haben sie Geld nach Hause geschickt, was die Familien daheim als Beweis für den Erfolg werten.

Sklavenähnliche Verhältnisse

Von der menschenunwürdigen Art und Weise, wie die Hausmädchen in Dubai oft ihr Geld verdienen müssen, dringt nur wenig nach Hause zu ihren Familien durch. Die Erfahrungen, die Almaz dort macht, gleichen denen vieler ihrer Kolleginnen, flüstert sie am Telefon im Gespräch mit der DW: Gewalt, sexuelle Belästigung und unmenschliche Arbeitsbedingungen gehören zu ihrem Alltag.

Almaz muss bis zu 20 Stunden am Tag arbeiten. An Tagen, an denen es bei der Familie wenig zu tun gibt, schickt sie die Chefin zu ihrem Bruder in den Haushalt, damit Almaz dort weiter putzt und kocht. "Ich wünschte,  ich wäre zu Hause geblieben", sagt Almaz heute. Nach Äthiopien kann die junge Frau vorerst nicht zurück: Bei der Ankunft in Dubai hat man ihr den Reisepass abgenommen.

Wer schützt die Hausmädchen?

Porträt von Nadim Houry, Leiter des HRW Büros in Beirut (Foto: Privatarchiv von Houry)

Nadim Houry von der Organisation Human Rights Watch

Was Almaz in Dubai erlebt, ist für Hunderttausende von Frauen im Nahen Osten bitterer Alltag. Allein im Libanon arbeiten 200.000 ausländische Hausangestellte - bei einer Gesamtbevölkerung von vier Millionen Einwohnern. In Saudi-Arabien schätzt man die Zahlen noch höher. Die Hauptverantwortung für die Wahrung der Rechte von Hausangestellten trage das Gastgeberland, betont Nadim Houry. Er ist stellvertretender Direktor von Human Rights Watch in Beirut und beobachtet die Länder im Nahen Osten und Nordafrika. "Wenn ein Missbrauch geschieht, dann sollte die Aufklärung dieses Falls die Aufgabe der Justiz und der Polizei des Gastgeberlandes sein." Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Auch wenn manche Gastgeberländer wie Jordanien und Libanon Gesetze zum Schutz von ausländischen Hausangestellten verabschiedet haben, werden sie nicht in die Praxis umgesetzt, kritisiert Nadim Houry.

"In zweiter Linie ist das Heimatland der Frauen für ihre Sicherheit verantwortlich“, so Houry weiter. Als ein vorbildliches Heimatland nennt er die Philippinen. Die philippinischen Botschaften haben Notfallnummern eingerichtet, an die sich Betroffene wenden können. Bei Bedarf werden ihnen auch Notunterkünfte zur Verfügung gestellt. Doch das ist eher die Ausnahme. Die äthiopische Botschaft in Saudi-Arabien hat auf telefonische und schriftliche Anfragen der Deutschen Welle zu diesem Thema nicht reagiert. Ebenso wenig erfolgte eine Reaktion bei Anfragen der äthiopischen Hausmädchen.

Sexuelle Belästigung gehört dort zum Alltag

Almaz fühlt sich mit ihrer Angst im Stich gelassen. "Während ich arbeitete, kam ein Mann, der dort als Fahrer angestellt ist, zu mir und hat mich massiv sexuell bedrängt",  berichtet sie. "Ich bin dann ins Zimmer der Chefin gelaufen und habe die Tür abgeschlossen und nur noch geschrien." Der Vorfall blieb ohne Konsequenzen für den Mann. Das ist kein Einzelfall. Ihrer Freundin sei noch Schlimmeres passiert, berichtet sie flüsternd am Telefon. Ihr Hausherr habe sie vergewaltigt. Er drohte ihr an, ihr kein Gehalt mehr zu zahlen, wenn sie sich wehrt.

Almaz sieht für sich nur eine Lösung: Durchhalten. In vierzehn Monaten endet ihr Vertrag in Dubai. Dann hofft sie, ihren Pass zurückzubekommen, um wieder in die Heimat zurückzukehren.

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