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Kultur

Rechtlos im Land der Träume

Für viele der illegalen EU-Einwanderer ist Deutschland das Zielland. Wie leben sie? Wo kommen sie unter? Wie bestreiten sie ihren Lebensunterhalt? DW-WORLD sprach mit Cintia F., einer ehemaligen Illegalen in Deutschland.

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Erwischt - davor fürchten sich illegale Einwanderer am meisten


Haben die illegalen Einwanderer einmal erfolgreich die Grenze zur EU überquert, hören die Schwierigkeiten längst nicht auf. Faktische Rechtlosigkeit auf allen Gebieten bringt enorme Probleme mit sich. "Es ist schwieriger, als Rechtlose zu leben, als in einer Zelle eingesperrt zu sein. Als Gefangener weißt du zumindest, warum du eingesperrt worden bist, und auch dass du eines Tages rauskommst. Denn es gibt jemanden, der sich um Deine Rechte kümmert", beschreibt die Brasilianerin Cintia F. gegenüber DW-WORLD ihre Erfahrung als Illegale in Deutschland.

Bloß nicht auffallen

Jeder persönliche Kontakt, jeder Einkauf im Supermarkt wird zur Gefahr. "Man muss aber Nerven behalten, an sich selbst glauben und sich nicht leichtfertig mit jemand anderem einlassen", erklärt die 26-jährige Carioca aus Rio de Janeiro. Auffliegen bedeutet bis zu 18 Monate Abschiebehaft und den Abtransport in das Herkunftsland. Deshalb sind die "Illegalen" in der Regel äußerst gesetzestreu.

Aber es ist nicht nur die Furcht vorm Auffliegen. "Hast du eine Ahnung, was es heißt, in ständiger Angst vor einem Unfall zu leben, weil du nicht versichert bist?", erinnert sich Cintia an ihre neunmonatige Zeit in der Illegalität. Wer keine Vertrauenspersonen hat, "handelt oft nach dem übergeordneten Prinzip 'Ein Starker hält das aus'", wie der Migrationsforscher Philip Anderson in Erfahrung brachte. "Harmlose Krankheiten werden verschleppt und nehmen nicht selten bedrohliche Ausmaße an, die leicht zu gesundheitlichen Langzeitschäden führen können."

Ausbeutung der Billigkräfte

Durch ihre Illegalität geraten die Ausländer häufig in Abhängigkeit von Arbeitgebern oder kriminellen Netzwerken. Ausbeuterische Arbeitszeiten, fehlende Schutzmaßnahmen, kein Kündigungsschutz und die Gefahr ausbleibender Lohnauszahlung: Die "Illegalen" haben keine Chance, ihre Rechte einzuklagen.

Auf dem westeuropäischen Arbeitsmarkt besteht eine ausgesprochene Nachfrage nach Schwarzarbeit. In Nordrhein-Westfalen konnte bei einer Razzia in der Gastronomie jeder zweite ausländische Arbeitnehmer keine Arbeitserlaubnis vorweisen. 4% der Angestellten wurden wegen Verdachts auf illegalen Aufenthalt festgenommen. Arbeit finden die "Illegalen" zum Beispiel auch als Putzhilfen und Babysitter, als Gärtner und im Baugewerbe: Sie sind billige Arbeitskräfte, stehen schnell zur Verfügung und können flexibel für kurze Zeit eingesetzt werden. Auch Prostitution gibt es unter allen Migrantengruppen.

Putzen bis zum Pass

Obwohl auch ihr ein Job als Prostituierte angeboten wurde, arbeitete Cintia F. weiter als Putzfrau. Sie wollte sich unbedingt das Geld für die Doppelstaatsbürgerschaft verdienen - und ihr ist, als einer der wenigen, die Legalisierung gelungen. "Ich habe dieses positive Ziel immer vor Augen gehabt. Und es ist traurig mitzuerleben, dass andere es auf keinem Fall schaffen würden, hier zu bleiben. Aber sie hatten auch kein Geld, um nach Brasilien zurückzukehren." Manche leben schon seit über zehn Jahren illegal in Deutschland. Fachleute gehen von 500.000 bis 1,5 Millionen "Ausländern ohne Aufenthaltsgenehmigung" aus. Damit ist Deutschland das Hauptziel der Einwanderer in Westeuropa.

Was tun? Eine schärfere Gesetzgebung würde nur mehr Einreisewillige in die Hände der Schlepperbanden treiben. Eine Lösung sieht Anderson in Rückkehrhilfen für diejenigen, die es satt haben, in der Illegalität zu leben: "Für Menschen, die über die Jahre ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland aufgebaut haben, sollten Strategien entwickelt werden, um die Ermessenspielräume zu nutzen, sie nachträglich anzuerkennen."

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