1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Rechtelos und ausgebeutet

In einem neuen Bericht stellt die OECD fest, dass bereits heute 1,8 Milliarden Menschen ohne soziale Absicherungen arbeiten. Die Schwächsten unter ihnen sind die Wanderarbeiter und illegale Migranten.

(Foto: Lutz Kaiser dpa)

Ohne Papiere ins Ausland, im Gepäck nur die Hoffnung

Wenn Diplomaten in Genf zuverlässige Hausangestellte suchen, entscheiden sie sich gern für Philippinerinnen. Diese Frauen stehen im Ruf, einwandfreie Arbeit zu leisten, gutes Englisch zu sprechen und zu erschwinglichen Tarifen zu arbeiten. Philippinische Hausangestellte sind so gefragt in Genf, dass die Diplomaten auch gern ein Auge zudrücken, wenn keine gültige Arbeitserlaubnis vorliegt. Das geschieht zwar im gegenseitigen Einvernehmen, stellt für die Frauen aber ein Risiko dar. Denn wenn sie an einen skrupellosen Arbeitgeber geraten, haben sie schlechte Karten. Die philippinische Rechtsanwältin Cecilia Jimenez engagiert sich im gemeinnützigen "Genfer Forum für philippinische Anliegen“. Diese Nicht-Regierungsorganisation ist eine Anlaufstelle für Migranten, die sich gegen schlechte Behandlung und ungerechte Löhne wehren wollen. Der Handlungsspielraum sei aber begrenzt, so Jimenez: „Das Prinzip der gleichen Bezahlung für gleiche Arbeit mag ja gesetzlich verankert sein. Trotzdem sind wir immer wieder mit Fällen konfrontiert, in denen private Arbeitgeber sich nicht an die Gesetze halten." So würde einige Arbeitgeber die schwache Position ihrer Angestellten bewusst ausnutzen, "weil sie wissen, wie schwer es für Migranten ohne gültige Papiere ist, ihren Lohn einzuklagen."


Gefährlicher Dreiklang: dirty, dangerous, difficult

Junge Hausangestellte geht mit alter Dame im Park spazieren (Foto:Christiane Oelrich dpa)

Moderne Mägde? Immer mehr Arbeitsmigranten sind weiblich

Denn noch größer als die Verzweiflung über schlechte Arbeitsbedingungen ist die Angst, als Folge einer Beschwerde ausgewiesen zu werden. Experten gehen davon aus, dass nur ein geringer Prozentsatz der weltweit 200 Millionen Migranten sich "illegal“ im Ausland aufhält. Der überwiegende Teil der Migranten fällt in die Kategorie der Wanderarbeitnehmer und ist im Besitz gültiger Papiere. Oft verrichten sie so genannte 3D Jobs: dirty, dangerous and difficult, zu Deutsch: schmutzige, gefährliche und schwierige Arbeit. Um ein Zeichen gegen die Ausbeutung von Wanderarbeitnehmern zu setzen, haben die Vereinten Nationen im Jahr 1990 die Konvention zum Schutz der Rechte von Wanderarbeitnehmern und ihrer Familien verabschiedet. "Wanderarbeitnehmer werden zu oft als flexible Quelle billiger Arbeit gesehen", sagt Ngonlardje Mbaidjol vom Hochkommissariat für Menschenrechte in Genf unverblümt. "Ist es da nicht normal, wenn sich Regierungen Gedanken darüber machen, wie sie sicherstellen können, dass die Würde dieser Menschen geachtet wird und dass sie unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten können?“


Zwei indische Arbeitsmigrantinnen an einem Tisch sitzend (Foto:Christiane Oelrich dpa)

Der Traum vom Glück wird für viele zum Alptraum

Unterschiedliche Herangehensweise

Die ohnehin prekäre Situation vieler Wanderarbeiter hat sich angesichts der globalen Wirtschaftskrise noch verschlechtert. Migranten zählen gegenwärtig zu den ersten, die ihre Jobs verlieren. Und auch wenn nicht alle sofort in ihre Heimatländer zurückkehren, haben diejenigen, die im Ausland ausharren, jetzt weniger Geld übrig, das sie nach Hause schicken können. Die Überweisungen von Wanderarbeitern sind gerade in Entwicklungsländern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In dieser Woche legen Kolumbien und die Philippinen vor der UNO in Genf Rechenschaft darüber ab, was sie unternehmen, um die Rechte ihrer im Ausland arbeitenden Staatsangehörigen zu schützen. Die Regierung der Philippinen macht sich für geregelte und transparente Rahmenbedingungen der Migration stark. In Kolombien dagegen treibt der bewaffnete Konflikt immer mehr Menschen aus dem Land. Sie suchen Schutz im Ausland, auch wenn das für viele von ihnen ein Abgleiten in die Illegalität bedeutet. Das müsste aber nicht zwangsläufig so sein, meint Jean-Philippe Chauzy von der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Einwanderungsländer müssten dazu übergehen, mehr legale Arbeitsmöglichkeiten für Migranten zu schaffen. "Wenn ein Land entscheidet, nur hochqualifizierte Migranten zu akzeptieren, und wenn dieses Land gleichzeitig offene Jobs im informellen Sektor anzubieten hat, die die Einheimischen nicht machen wollen, dann werden arbeitswillige Migranten zur Not auch auf die Dienste von Menschenhändlern zurückgreifen, um an diese Jobs zu kommen.“


Messen mit zweierlei Maß

Gruppe junger Frauen in Manila (dpa)

Viele Migrantinnen starten mit großen Hoffnungen

In den so genannten Empfängerstaaten von Migranten stoßen solche Analysen auf Skepsis. Das zeigt sich ganz deutlich an der Nicht-Ratifizierung der Wanderarbeiter-Konvention durch die großen Industrieländer. Sie verweigern ihre Unterschrift mit der Begründung, dass die UN-Konvention illegale Migranten mit zu vielen Rechten ausstatte und dadurch die falschen Signale aussende. Ngonlardje Mbaidjol vom Hochkommissariat für Menschenrechte sieht das anders. Für sie hat jeder Mensch bestimmte unveräußerliche Rechte - beispielsweise das Recht auf Leben oder auf medizinische Behandlung. "Wenn sich jemand in Lebensgefahr befindet, dann kann man ihm doch nicht die Behandlung verweigern, nur weil er ein irregulärer Migrant ist."

Autorin: Claudia Witte
Redaktion: Esther Broders