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Kultur

Rechte Tendenzen auf dem Dancefloor

Auf Techno-Musik stehen heißt Feiern und die Welt vergessen. Das Bild der unbekümmerten Fetengeneration aber bröckelt: auf den als multikulturell beschworenen Partys fühlen sich auch rechtsgesinnte Jugendliche wohl.

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Finden sich Rechtsextreme unter den feiernden Ravern?

20 Millionen Jugendliche in Europa fühlen sich heute der Techno-Szene zugehörig, weltweit kommen einige weitere Millionen dazu. Der elektronische Dancefloor begann Mitte der achtziger Jahre als eine kleine Subkultur. 1985 produzierte der Afroamerikaner Juan Atkins erstmals eine Musik die er Techno nannte. Damals erlebte Atkins den Niedergang der Industrie in Detroit. Seine "Musik aus der Maschine" war gleichzeitig ein Abgesang auf die Industriegesellschaft, und es war die Geburt des Soundtracks zum globalen Informationszeitalter.

Rechte suchten Nachwuchs

Mitte der neunziger Jahre unternahmen in Deutschland einige Rechtsextreme offensiv den Versuch, gezielt auf den Dancefloor zu drängen. Sie sahen in den vielen Jugendlichen der Rave-Nation einen potentiellen Nachwuchs für die rechtsextreme Szene, außerdem wurde auch der Techno-Musik-Markt finanziell immer attraktiver. Rechtsextreme DJs und Musikvertriebe versuchten auf den Zug aufzuspringen. Heraus kamen Diskjockeys wie DJ Adolf, der Hitler- und Goebbels-Reden vertont, oder Sampler mit Namen wie "Deutsche Techno Attacke".

Schlechte musikalische Qualität

Mit der aufgepeppten nationalistischen Techno-Musik hatten die Macher aber kaum Erfolg, teilweise sind sie an der schlechten Qualität der Musik auch gescheitert. Zudem war der Versuch auf den Techno-Markt zu drängen für die Inhaber der rechtsextremen Musikvertriebe durchaus ein Spagat. Einerseits galt es eine neue Klientel zu gewinnen, andererseits bestand die Gefahr, die rechte Stammkundschaft zu verprellen, denn die lehnt Techno in der Mehrheit ab, was vor allem an der multikulturellen Herkunft dieser Musik liegt.

Was passiert nach der Party?

Eine gezielte Vereinnahmung der Techno-Szene durch Rechtsextreme hat also nicht stattgefunden. Die rechtsorientierten Jugendlichen, die heute in den Clubs auftauchen, tun dies, weil sie in erster Linie Spaß haben wollen - wie alle anderen auch. DJ Doorkeeper fragt sich aber schon, was nach der Party passiert, wenn sich die friedfertigen Techno-Rechten im Alltag wiederfinden, ob sie nicht mutig werden und sagen, da ist doch der Penner mit den Piercings, den ich vorhin gesehen habe, den nehmen wir uns jetzt mal vor.

So geschehen bei Tom, 1999 auf einem Techno-Open-Air bei Berlin. Tom, der seit Jahren Partys besucht und für den seine Gehbehinderung bislang nie ein Problem war, geriet auf dem Techno-Open-Air ins Visier einer Gruppe rechtsextremer Skinheads, die ihn mit vereinten Kräften zusammenschlugen.

Rechte Raver outen sich selten

Die Dunkelziffer solcher Übergriffe mit rechtsextremistischen Hintergrund in Deutschland ist schwer einzuschätzen. Bleiben die rechten Raver doch auf den Techno-Partys überwiegend friedlich. Straftaten, die außerhalb einer Veranstaltung passieren, werden fast nie einer bestimmten Szene zugerechnet. Nur selten outen sich die Täter wie im Sommer 2000 als fünf junge Männer aus Wismar grundlos einen Obdachlosen töteten. Einer von ihnen sagte damals, daß er einfach sauer war, weil er seinen Geburtstag eigentlich auf der Love Parade in Berlin hatte feiern wollen.