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Medienentwicklung

Rechte einfordern, aber wie? Digitale Start-ups bieten Lösungen

Start-ups in Indien und Nigeria zeigen auf, wie digitale Anwendungen freie Meinungsäußerung stärken können. Beim Global Media Forum sprach die DW Akademie mit den Machern über Verantwortung und Meinungsfreiheit.

Global Media Forum 2016 - Panel 10, DW Akademie: Starting up for human rights - how digital innovations advance freedom of expression, Foto: DW/K. Danetzki

Rechte digital einfordern: Erik Albrecht, Yatirajula Kanaka Sandhya, Steffen Leidel, Anya Schiffrin, Oludotun Babayemi

Über ein interaktives Sprachnachrichtensystem auf dem Mobiltelefon können Frauen in Indien illegale Gebühren in Krankenhäusern melden und sich auf einer Ushahidi-Plattform über weitere Korruptionsfälle informieren: Die Initiative "Mera Swasthya Meri Aawaz" ("Unsere Gesundheit, unsere Stimme", MSMA) der Dachorganisation SAHAYOG macht illegale Abzocke im Gesundheitssystem sichtbar. Managerin Yatirajula Kanaka Sandhya erklärte, wie MSMA damit Rechenschaft beim Staat einfordern möchte. "Die digitale Komponente ist das Mittel. Aber zusätzlich darf man nicht aufhören, Druck auf die Regierung auszuüben."

Global Media Forum 2016 Oludotun Babayemi, Mitgründer von Follow the Money, Foto: DW/K. Danetzki

Oludotun Babayemi, Mitgründer von "Follow the Money"

Ein weiteres Beispiel für digitale Innovation: die nigerianische Initiative "Follow the Money". Mithilfe von Datenjournalismus und Social Media werden hier die oftmals recht langen Wege staatlicher Hilfsgeldzahlungen öffentlich gemacht. Ein aufsehenerregendes Vorhaben in einem Land, in dem staatliche Korruption weit verbreitet ist. "Wir nutzen die Technologien, die da sind, auf bestimmte Weise, in einem spezifischen Kontext . Wir versuchen, es simpel zu halten", sagte Oludotun Babayemi, Mitgründer von "Follow the Money".

Es sind Initiativen wie "Follow the Money" und MSMA, die in Ländern, in denen es kaum investigative Medien gibt, den Zugang zu Information befördern wollen. Weltweit ergänzen digitale Projekte klassische investigative Medien, ersetzen sie sogar zunehmends. Beim Panel "Starting up for human rights - how digital innovations advance freedom of expression" auf dem Global Media Forum 2016 diskutierten Experten die Chancen und Herausforderungen innovativer digitaler Projekte - und welche Konsequenzen sich daraus für Medienentwicklungsorganisationen und Sponsoren ergeben.

Dynamische, spannende Entwicklung

Global Media Forum 2016, Anya Schiffrin, Colombia University, Foto: DW Akademie/Charlotte Hauswedell

"Start-ups können Mediensysteme ins Wanken bringen" - Anya Schiffrin, Colombia University

Der digitale Raum spielt eine immer größere Rolle für die Umsetzung von Meinungsfreiheit und den Zugang zu Informationen - eine dynamische Entwicklung, auf die immer mehr Akteure und digitale Start-ups Einfluss nehmen. Das bedeutet auch neue Anknüpfungspunkte für Menschenrechtsorganisationen, speziell im Bereich der Medienentwicklung, die digitale Teilhabe und den Zugang zu Informationen für Menschen weltweit ermöglichen wollen. "Es sind viele neue Akteure hinzugekommen, von denen wir als Medienentwickler lernen sollten, die wir in Betracht ziehen müssen", sagt Erik Albrecht, Mitautor der DW Akademie-Studie "Advancing freedom of expression". "Das digitale Zeitalter ist eine große Herausforderung für die Medienentwicklung."

Anya Schiffrin, Direktorin der School of International and Public Affairs der Colombia University, beschrieb den Einfluss journalistischer Start-ups: Einzelne Fürstreiter könnten ein enormes Gewicht haben - und sogar Mediensysteme ins Wanken bringen. "Die Panama-Papiere haben gezeigt, dass Transparenz-Initiativen immer mehr Zuspruch und finanzielle Unterstützung erhalten." Der Einfluss traditioneller Medien in diesem Bereich werde geringer. In dem Zusammenhang stellten sich neue Fragen: etwa nach der Finanzierung, der Verbreitung aber auch nach der Sicherheit von Start-ups, so Schiffrin.

Neue Parameter, neue Fragen

Global Media Forum 2016 - Kanaka Sandhya Yatirajula

"Druck auf Regierung ausüben" - Yatirajula Kanaka Sandhya, Mera Swasthya Meri Aawaz

Nicht jedes digitale Projekt, das sich für Meinungsfreiheit einsetze, könne langfristig etwas verändern, so Moderator Steffen Leidel. Was also macht Innovation aus? Unter vielen anderen Faktoren sei die Frage nach der richtigen Plattform entscheidend. Leidel betonte, dass erfolgreiche digitale Projekte dort ansetzen, wo die Nutzer zuhause sind und an ihre Bedürfnisse anknüpfen. Verschiedene Kriterien für den Erfolg digitaler Projekte stellte Erik Albrecht heraus. "Sehr oft waren die Macher der Projekte sehr nah an den Zielgruppen dran." Die Frage nach Ownership sei ebenfalls entscheidend.

Die indische Organisationen MSMA und die nigerianische Initiative "Follow the money" sind Leuchtturmbeispiele: An beiden wird sichtbar, wie Menschen neue Formen der Interaktion nutzen, um Missstände in ihrer Gesellschaft ans Licht der Öffentlichkeit zu holen. Mit digitalen Mitteln erreichen sie, dass Menschen, die zuvor vom Informationsfluss ausgeschlossen waren, mitreden können. Beide sind übrigens auch Teil der Digital Innovation Library der DW Akademie. Ziel dieser Bibliothek ist es, einen Referenzpool aufzubauen: Organisationen, Aktivisten und Journalisten sollen sich vernetzen und voneinander lernen; Unterstützer und Sponsoren finden hier Anregungen und Ansprechpartner.

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