Recept Tayyip Erdogan droht USA wegen Kurden-Hilfen mit Konsequenzen | Aktuell Europa | DW | 13.02.2018
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"Operation Olivenzweig"

Recept Tayyip Erdogan droht USA wegen Kurden-Hilfen mit Konsequenzen

Die Türkei ist auf Konfrontationskurs mit den USA. Präsident Erdogan warnt US-Truppen vor einer "osmanischen Ohrfeige", sollten sie einem möglichen türkischen Angriff auf Kurden im nordsyrischen Manbidsch im Weg stehen.

Die Spannungen zwischen der Türkei und dem NATO-Partner USA verschärfen sich. Vor dem Besuch des amerikanischen Außenministers Rex Tillerson sprach der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan eine Warnung an die in der syrischen Region Manbidsch stationierten US-Truppen aus. In einer Ansprache vor der Fraktion seiner Partei AKP in Ankara sagte Erdogan, sollten die amerikanischen Soldaten einem möglichen türkischen Angriff auf die Kurdenmiliz YPG in der nordsyrischen Stadt im Wege stehen, gebe es eine "osmanische Ohrfeige".

US-Außenminister Tillerson wird am Donnerstag und Freitag Ankara besuchen. "Natürlich werden wir nicht absichtlich auf sie zielen", sagte Erdogan unter Applaus. "Aber wir verkünden jetzt schon, dass wir jeden Terroristen, den wir sehen, vernichten und ausmerzen werden - angefangen mit denen, die direkt neben ihnen stehen. Eben dann werden sie einsehen, dass es für sie besser wäre, wenn sie sich nicht neben den Terroristen aufhielten, denen sie auf die Schulter klopfen." Erdogan fügte hinzu: "Es ist ganz klar, dass diejenigen, die sagen 'Wir reagieren hart, wenn sie uns angreifen', in ihrem Leben noch keine osmanische Ohrfeige verpasst bekommen haben."

Erdogan gegen US-Haushaltspläne

Auch die Unterstützung der kurdischen YPG-Miliz kritisierte Erdogan erneut deutlich: "Die Entscheidung unseres Verbündeten für finanzielle Hilfen für die YPG wird sicherlich die Entscheidungen beeinflussen, die wir treffen werden." Mit seinen Äußerungen reagierte Erdogan auf Haushaltspläne des US- Verteidigungsministeriums, das 300 Millionen US-Dollar für Training und Ausrüstung in Syrien sowie 250 Millionen Dollar für Grenzsicherungen vorsieht. Türkische Medien berichteten daraufhin, die insgesamt 550 Millionen Dollar seien 2019 für die Kurden-Miliz YPG bestimmt. Die YPG zählt im Kampf gegen die Extremisten-Organisation Islamischer Staat in Syrien zu den wichtigsten Verbündeten der USA.

Syrien U.S. Army Maj. Gen. Jamie Jarrard und Manbij Military Council commander Muhammed Abu Adeel (Foto: picture alliance/AP Photo/S. George)

US-Soldaten unterstützen die Kurden-Miliz im Kampf gegen den IS

Die türkische Armee hat am 20. Januar eine Offensive gegen die YPG in der nordsyrischen Region Afrin begonnen. Erdogan hat mehrfach damit gedroht, danach die YPG in Manbidsch anzugreifen. 2016 hatte eine von der YPG geführte und von den USA unterstützte Koalition Manbidsch von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) befreit. Erdogan kritisiert, dass die USA die YPG unterstützen und im Kampf gegen den IS eng mit der Kurdenmiliz zusammenarbeiten. Aus Sicht der Regierung in Ankara ist die YPG der verlängerte Arm der auch in den USA und in Deutschland verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. 

Video ansehen 03:58

Kritik an türkischer Militäroffensive unerwünscht

Die US-Regierung erklärte, sie habe keine Pläne, Soldaten aus Manbidsch abzuziehen. Vergangene Woche besuchten zwei US-Offiziere demonstrativ die amerikanischen Kräfte in der Stadt. Die "New York Times" hatte US-General Paul Funk bei einem Besuch der US-Truppen dort zitiert, der nach Angaben der Zeitung mit Blick auf die Türkei gesagt hatte: "Wenn Ihr uns angreift, werden wir hart reagieren. Wir werden uns verteidigen."

sam/ml (dpa, rtr)

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