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Aktuell Afrika

Rebellenchef Djotodia proklamiert sich zum Oberhaupt

Nach der Flucht von Staatschef Bozizé aus der Zentralafrikanischen Republik hat sich Rebellenführer Djotodia zum neuen Präsidenten ernannt. Die Afrikanische Union setzte die Mitgliedschaft des Krisenlandes vorerst aus.

Noch im Tagesverlauf will sich der neue Staatschef mit einer Rede an die Bevölkerung wenden. Das berichtete der französische Sender RFI. Der entmachtete Präsident François Bozizé soll in der benachbarten Demokratische Republik Kongo untergekommen sein. Die Regierung in Paris hat nach dem gewaltsamen Umsturz vom Sonntag in ihrer ehemaligen Kolonie das Soldatenkontingent zum Schutz der etwa 1250 französischen Staatsbürger massiv ausgeweitet.

Michel Djotodia versprach, innerhalb von drei Jahren demokratische Wahlen abhalten zu lassen. In die Zusammensetzung der Regierung will er vorerst nicht eingreifen. Premierminister bleibe der Anwalt und Menschenrechtler Nicolas Tiangaye, versicherte das neue Staatsoberhaupt. Der 56 Jahre alte ehemalige Oppositionspolitiker war nach dem Friedensabkommen zwischen der Bozizé-Regierung und der Rebellenallianz Séléka Mitte Januar von den Aufständischen für das Amt bestimmt worden.

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Rebellen erobern Bangui

Massive Plünderungen

Am Sonntag dann hatten regierungskritische Séléka-Rebellen nach blutigen Kämpfen die Hauptstadt Bangui erobert und den Präsidentenpalast eingenommen. Sie warfen Bozizé vor, Vereinbarungen gebrochen zu haben. Der arabische Sender Al-Dschasira berichtete von schweren Plünderungen in der 600.000-Einwohner-Stadt. "Die Situation ist äußerst prekär. Die meisten Bewohner sind in ihren Häusern, weil fast alles geplündert wurde", zitierte der Sender eine UN-Mitarbeiterin vor Ort.

AU friert Mitgliedschaft ein

Die Afrikanische Union setzt als Reaktion auf den Umsturz die Mitgliedschaft der Zentralafrikanischen Republik in dem Bündnis aus. Außerdem sollen Sanktionen gegen das Land und die Anführer der Rebellion verhängt werden, wie ein Sprecher in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba bekannt gab. So soll es Reisebeschränkungen geben, das Vermögen der Séléka-Chefs wird eingefroren.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die gewaltsame Machtübernahme der Rebellen mit deutlichen Worten. Er verlangte die Wiederherstellung der verfassungsgemäßen Ordnung und zeigte sich besorgt über die angespannte humanitäre Lage sowie die Plünderungen. Die Regierenden hätten die Pflicht, die Mitarbeiter der Vereinten Nationen in dem Krisenland zu schützen, forderte Ban zudem in New York. Zugleich bezeichnete er die Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen während der Gefechte zwischen Rebellen und Regierungstruppen als sehr besorgniserregend. Dier Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Präsident Bozizé (r.) im Januar bei der Unterzeichnung des Friedensabkommens (Foto: dapd)

Im Januar reichte Djotodia (l.) Präsident Bozizé die Hand - jetzt jagte er ihn aus dem Amt

Lebenserwartung liegt bei 49 Jahren

Die Zentralafrikanische Republik ist seit 1960 unabhängig. Die frühere französische Kolonie wird seit Jahrzehnten von politischer Instabilität geprägt. Trotz reicher Rohstoffvorkommen an Diamanten, Gold und Uran gehört das Land zu den ärmsten Ländern der Erde. Die medizinische Versorgung für die rund fünf Millionen Einwohner gilt als katastrophal. Das Land hat mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 49 Jahren einen der niedrigsten Werte aller Staaten.

se/wl (afp, dpa, rtr, ap)

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