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Afrika

Rebellen treiben Gaddafi weiter in die Enge

Die libyschen Rebellen haben nach eigenen Angaben die lange umkämpfte Stadt Brega vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Machthaber Gaddafi verliert weiter an Boden, ein früherer Vertrauter lief zu den Rebellen über.

Libysche Rebellen sitzen auf einem Auto und schwenken Fahnen und strecken ihre Arme siegessicher in die Höhe (Archivfoto: pa/dpa)

Libysche Rebellen sind siegessicher

Die frühere "Nummer zwei" der libyschen Führung, Abdulsalam Dschallud, hat das Lager gewechselt. Nach Angaben der Rebellen lief der ehemalige Vertraute von Machthaber Muammar al-Gaddafi in ihr Lager über. Er soll sich nach seiner Flucht aus Tripolis zunächst in der von den Rebellen kontrollierten Stadt Sintan südwestlich der Hauptstadt aufgehalten haben und anschließend über die tunesische Insel Dscherba nach Italien weitergereist sein.

Foto aus den 70ern: Gaddafis Vertrauter Abdulsalam Dschallud (r.) bei einer Rede des Machthabers (l.) (Foto: AP)

Foto aus den 70ern: Gaddafis Vertrauter Abdulsalam Dschallud (r.) bei einer Rede des Machthabers (l.)

Dschallud war in den 1970er Jahren Regierungschef. Anfang der 1990er Jahre überwarf er sich dann mit Gaddafi und zog sich später aus der Politik zurück. Nach wie vor gilt er in der Bevölkerung als sehr beliebt. Vor Dschallud hatten sich bereits weitere frühere Weggefährten Gaddafis abgesetzt.

Kontrolle über Brega und Öl-Anlagen

Die Rebellen melden unterdessen immer neue Erfolge. Die Kämpfer hätten am Samstag (20.08.2011) die strategisch wichtige Hafenstadt Brega samt der Raffinerieanlagen vollständig eingenommen und nunmehr unter Kontrolle, sagte Rebellen-Sprecher Ahmed Bani. Zwei Kämpfer seien bei den Gefechten mit den Regierungstruppen getötet und 15 weitere verletzt worden.

Auch die Küstenstadt Sliten östlich von Tripolis und die Stadt Sawija westlich der Hauptstadt sollen inzwischen vollständig in der Hand der Rebellen sein. Die Rebellen setzten damit ihren Vormarsch auf Tripolis weiter fort. Sie äußerten sich nach ihren jüngsten Siegen davon überzeugt, dass die Tage Gaddafis in Tripolis gezählt seien.

Militärische Informationen in der Hand der Rebellen

Eine dunkle Rauchwolke über dem Öl-Hafen von Brega in Libyen (Foto: AP)

Kämpfe in Brega

Am Freitag hatten Medien der Rebellen berichtet, ihre Kämpfer hätten einen General Gaddafis gefangengenommen. Dieser habe militärische Karten bei sich getragen. Dank dieser Karten wisse man jetzt, wo im östlichen Frontabschnitt Minen verlegt seien.

Aufständische und Truppen von Machthaber Gaddafi lieferten sich über eine Woche lang erbitterte Gefechte um Brega. Vor einigen Tagen hatten die Regimegegner bereits Teilgebiete der Stadt im Osten Libyens eingenommen. Der strategisch wichtige Ölhafen und die Raffinerieanlagen waren aber noch unter der Kontrolle von Gaddafis Truppen.

Im März war Brega schon einmal von den Rebellen eingenommen, kurz darauf aber von den Streitkräften zurückerobert worden.

IOM plant Rettungsaktion für Ausländer in Tripolis

Zerstörte Gebäude in Tripolis (Foto: dpa)

Zerstörte Gebäude in Tripolis

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) will in den kommenden Tagen Tausende Menschen aus Tripolis vor den Kämpfen in Sicherheit bringen. In der nahezu eingekesselten Stadt warteten Ägypter und andere Ausländer auf ihre Ausreise, teilte die IOM, die den Vereinten Nationen nahesteht, in Genf mit.

Die Straße zur tunesischen Grenze, über die bereits tausende Ausländer geflüchtet sind, gilt wegen der Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen derzeit als unsicher.

Die NATO bombardierte am Freitag nach eigenen Angaben eine Kommandozentrale in der libyschen Hauptstadt. Wie ausländische Journalisten berichteten, wurden bei dem Luftangriff mehrere Gebäude einer Residenz des libyschen Geheimdienstchefs Abdullah al-Senussi zerstört.

De Maizière verteidigt Einsatz deutscher Soldaten in NATO-Stab

Der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière wies unterdessen Kritik am Einsatz deutscher Soldaten in einem auch für den Libyen-Einsatz zuständigen NATO-Stab in Italien zurück. Der Einsatz sei rechtlich einwandfrei, sagte der CDU-Politiker der in Düsseldorf erscheinenden Zeitung "Rheinischen Post".

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele hatte wegen des Einsatzes verfassungsrechtliche Bedenken geäußert und mit einer Verfassungsklage gedroht. Da die elf Soldaten auch mit der Auswahl der Angriffsziele für NATO-Kampfflugzeuge befasst seien, nehme die Bundeswehr aktiv am Libyen-Krieg teil, ohne dass der Bundestag zugestimmt habe.

Deutschland hatte sich bei der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über den Libyen-Einsatz enthalten und ist nicht mit Einsatzkräften daran beteiligt.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, dapd, afp, rtr)
Redaktion: Hartmut Lüning

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