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Politik & Gesellschaft

Rebellen stellen Gaddafi-Anhängern Ultimatum

Für Gaddafis letzte Kämpfer tickt die Uhr. Die Rebellen geben ihnen bis Samstag Zeit, sich zu ergeben. Die Flucht eines Teils der Gaddafi-Familie nach Algerien verschärft derweil die Spannungen zwischen beiden Ländern.

Mehrere Geländewagen mit Rebellen-Soldaten auf einer Wüstenstraße (Foto: dapd)

Alles unter Kontrolle: Rebellen patrouillieren auf einer Straße in der Nähe von Heisha

Die endgültige Niederlage der Anhänger von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi steht bevor. Der libysche Übergangsrat hat der noch von Gaddafi-Kämpfern kontrollierten Stadt Sirte ein Ultimatum gestellt. Die dort und auch noch in einigen anderen Orten aktiven Soldaten hätten bis Samstag Zeit sich zu ergeben, erklärte am Dienstag (30.08.2011) der Rat, der als provisorische Regierung fungiert. Andernfalls werde mit militärischer Gewalt gegen sie vorgegangen. Es werde weiter nach einer friedlichen Lösung gesucht, doch von Samstag an werde mit "anderen Mitteln" gegen die "Kriminellen" vorgegangen, machte der Militärsprecher der Rebellen, Ahmed Omar Bani, in Bengasi klar.

NATO will nicht länger als nötig in Libyen bleiben

Nach fünf Monaten zeichnet sich auch ein Ende des Militäreinsatzes der NATO in Libyen ab. "Der Einsatz wird so lange wie nötig dauern, aber keinen Tag länger", erklärte Bündnissprecherin Oana Lungescu in Brüssel. Sie bekräftigte zudem, dass die NATO nicht die Absicht habe, nach dem Ende des Militäreinsatzes Bodentruppen nach Libyen zu schicken. Auch der Chef des Übergangsrates, Mustafa Abdel Dschalil, ließ keinen Zweifel daran, dass die Libyer die Lage allein in den Griff bekommen wollen. Der Übergangsrat sei mit ausländischen Mächten übereingekommen, dass keine ausländischen Truppen in dem nordafrikanischen Land benötigt würden.

Außenaufnahme des Ehepaars Gaddafi (Archivfoto: AP)

Ende einer Familienidylle: Ehemann versteckt sich, Ehefrau in Algerien

Weiter Kritik an Aufnahme der Gaddafi-Familie in Algerien

Die ohnehin schon gespannten Beziehungen zwischen den Aufständischen und dem Nachbarland Algerien haben sich weiter verschlechtert. Mit scharfer Kritik reagierte der Übergangsrat darauf, dass Familienangehörige Gaddafis in Algerien Unterschlupf gefunden haben. Dies sei eine "Aggression des Nachbarstaates", erklärte der Rat und verlangte die Auslieferung von Gaddafis Frau sowie drei seiner Kinder. Gaddafis Frau Safia war am Montag mit ihrer Tochter Aischa und ihren Söhnen Hannibal und Mohammed überraschend in Algerien eingetroffen. Die Rebellen fordern die Auslieferung der Familienmitglieder. Sie sollen in Libyen vor Gericht gestellt werden. Der Informationsminister der Übergangsregierung, Mohammed Schammam, warnte Algerien davor, auch Gaddafi selbst Unterschlupf zu gewähren.

Dieser habe sich am Freitag mit seinem Sohn Chamis in Tripolis getroffen, zitierte der britische Fernsehsender Sky dessen Leibwächter. Später sei auch Tochter Aischa dazugekommen. Sie seien nach einem kurzen Moment in Geländewagen gestiegen und fortgefahren. Sein Vorgesetzter habe dann gesagt: "Sie fahren nach Sabha." Das ist neben Sirte eine der letzten Städte Libyens, die noch von Gaddafi-Anhängern kontrolliert werden.

Chamis Gaddafi wurde nach Darstellung eines Sprechers des Übergangsrats später bei Gefechten um Tripolis getötet. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Frühere Berichte vom Ableben Chamis' hatten sich als falsch herausgestellt.

Weiter Wassermangel in Tripolis

Die Versorgungslage in der libyschen Hauptstadt bleibt problematisch. Die Bewohner der Zwei-Millionen-Metropole Tripolis leiden auch eine Woche nach dem Einmarsch der Truppen des Übergangsrats noch immer unter Wassermangel. Die Stadt wird über ein riesiges Rohrsystem mit Wasser aus Reservoirs versorgt, die tief unter der Wüste liegen. Die Leitungen führen über Sabha und Sirte, die ja beide noch in der Hand von Gaddafi-Anhängern sind. Sie sind entweder beschädigt oder blockiert. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Gütern des täglichen Bedarfs ist noch nicht wieder in Gang gekommen. Viele Läden und Apotheken sind geschlossen.

Autor: Walter Lausch (mit dpa, rtr und afp)

Redaktion: Martin Schrader

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