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Afrika

Rebellen stürmen Gaddafi-Residenz

Die Rebellen in Libyen haben nach Berichten internationaler Reporter die schwer gesicherte Residenz von Machthaber Gaddafi in Tripolis erobert. Von Gaddafi selbst fehlt noch jede Spur, auch sein Sohn ist auf freiem Fuß.

Explosionen in der Nähe von Gaddafis Residenz in Tripolis (Foto: dapd)

Explosionen in der Nähe von Gaddafis Residenz in Tripolis

Der Jubel der Aufständischen und ihrer Anhänger in der libyschen Hauptstadt war am Dienstag (23.08.2011) grenzenlos. Nach heftigen Kämpfen ist die Residenz von Machthaber Muammar al-Gaddafi in Tripolis in die Hände der Rebellen gefallen. Nach eigenen Angaben kontrollieren die Aufständischen inzwischen vier Fünftel der Haupstadt.

Bereits am Montag waren die Rebellen in Tripolis einmarschiert. Doch zunächst hatte das Regime von Gaddafi teilweise noch standgehalten. An Gaddafis schwer befestigtem Bab-al-Asisija-Komplex waren den ganzen Tag Explosionen, Schüsse und schwerer Artilleriebeschuss zu hören gewesen. Aufnahmen des arabischen Senders Al-Dschasira zeigten dichte schwarze Rauchwolken über dem stark befestigten Militärstützpunkt. Dort war der Noch-Machthaber vermutet worden. Über seinen Verbleib ist bislang nichts bekannt.

Der britische Sender BBC berichtete von Gefechten auch in anderen Stadtteilen von Tripolis. Unter anderem seien Explosionen und Schießereien in der Nähe des Hotels Rixos zu hören gewesen, das in einem von Regierungstruppen kontrollierten Gebiet liegt und in dem vorrangig westliche Journalisten untergebracht sind.

NATO wirft Flugblätter über Tripolis ab

Libysche Rebellen jubeln über ihre Erfolge in Tripolis (Foto: dapd)

Libysche Rebellen jubeln über ihre Erfolge in Tripolis

Gaddafis Truppen sind nach Ansicht der NATO zwar deutlich geschwächt, aber immer noch eine Gefahr. Die Situation sei sehr unübersichtlich. Auch NATO-Jets waren am Dienstag über der Stadt zu sehen. Das Militärbündnis bestritt Berichte, wonach es in der Nacht auf Dienstag Gaddafis Anwesen bombardiert habe.

Ein NATO-Sprecher betonte, man stehe nicht in Kontakt mit den Rebellen, um Angriffe zu koordinieren. Das Militärbündnis greife dann ein, wenn "von einem Ziel eine Gefahr für die Zivilbevölkerung" ausgehe, hieß es.

In den vergangenen Tagen waren Flugblätter über Tripolis abgeworfen worden. Darin seien die regimetreuen Soldaten aufgefordert worden, die Kämpfe einzustellen, so das Militärbündnis. Es habe auch entsprechende Aufrufe über Radiofrequenzen gegeben.

Die NATO kündigte an, ihre Luftangriffe trotz des Einzuges der Rebellen in Tripolis fortzusetzen. Noch am Montag seien Scud-Raketen, spezielle Bodenraketen, in Richtung der Küstenstadt Misrata abgefeuert worden. Dies zeige, dass der NATO-Einsatz noch notwendig sei.

Die Botschafter der 28 NATO-Staaten berieten am Dienstagnachmittag in Brüssel über die Lage in Libyen. Das Bündnis teilte mit, dass es sich auch nach dem Sturz Gaddafis in Libyen engagieren werde – jedoch keinesfalls mit Bodentruppen. Ein solches Engagement müsse zudem von den Vereinten Nationen geleitet werden. Die NATO sei zu Ausbildungshilfe bereit, falls dies von Libyen angefordert werde.

Gaddafis Sohn wieder aufgetaucht

Gaddafis Sohn Saif al-Islam ließ sich von seinen Anhängern nach seiner Rückkeher in Tripolis feiern (Foto: dapd)

Gaddafis Sohn Saif al-Islam ließ sich von seinen Anhängern feiern

Neuen Auftrieb verschaffte den regimetreuen Soldaten offenbar ein Auftritt des vermeintlich von den Rebellen gefangengenommenen Gaddafi-Sohns Seif al Islam. Er tauchte am Dienstagmorgen überraschend im Rixos-Hotel in Tripolis auf und lud dort anwesende Journalisten zu einer Fahrt durch die Stadt in seinem Konvoi ein. Er verkündete vor Journalisten und einigen jubelnden Anhängern, die Menschen in Tripolis stünden auf der Seite von Gaddafi. "Ich bin gekommen, um die Lügen zu widerlegen", sagte der 39-Jährige. "Tripolis ist unter unserer Kontrolle" und man werde "den Rebellen das Rückrat brechen".

Am Montag hatten die Aufständischen erklärt, Seif al Islam sei ebenso wie ein weiterer Gaddafi-Sohn, Al Saadi, am Sonntag festgenommen worden.

Von Journalisten auf seinen Vater angesprochen, sagte Seif al Islam: "Gaddafi und die ganze Familie sind in Tripolis." Seit Tagen wird über den Aufenthaltsort Gaddafis spekuliert. Seif al Islam galt als möglicher Nachfolger Gaddafis und war in den vergangenen Wochen wiederholt als dessen Sprachrohr aufgetreten. Er wird ebenso wie Gaddafi vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Haftbefehl gesucht.

Unklar ist weiterhin, ob Seif al Islam nach seiner Gefangennahme entfliehen konnte oder ob er überhaupt festgesetzt worden war. Er selbst bestritt dies. Der Chefankläger des Strafgerichtshofs, Luis Moreno-Ocampo, hatte seine angebliche Festnahme bestätigt, nachdem er eigenen Angaben zufolge "vertrauliche Informationen" erhalten hatte. Der Sprecher des Tribunals sagte allerdings, das Gericht habe "niemals" eine Bestätigung der Festnahme Seif al Islams erhalten.

Autorin: Naima El Moussaoui (afp, dapd, dpa)

Redaktion: Ursula Kissel

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