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Aktuell Welt

Rebellen: Mehr als 1300 Giftgas-Tote

Die Opposition in Syrien wirft den Truppen des Assad-Regimes vor, mehr als tausend Menschen mit Gifgas getötet zu haben. Die Regierung in Damaskus bestreitet dies. Der UN-Sicherheitsrat kommt zusammen.

Bei dem Großangriff der syrischen Regierungstruppen auf mehrere Vororte der Hauptstadt Damaskus sollen nach neuen Angaben der Opposition mehr als 1300 Menschen durch Chemiewaffen getötet worden sein. George Sabra von der Syrischen Nationalen Koalition, dem Dachverband der wichtigsten oppositionellen Gruppen, sagte im türkischen Istanbul, dieser Einsatz habe "allen Hoffnungen auf eine politische Lösung" für Syrien den "Todesstoß" versetzt.

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Syrien: Neue Giftgas-Vorwürfe

Andere Oppositionsaktivisten berichteten, die Regierungstruppen hätten am frühen Mittwochmorgen mit Giftgas bestückte Raketen abgefeuert. Dabei und bei Angriffen mit konventionellen Waffen seien in Vororten von Damaskus 494 Menschen getötet worden. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter mit Sitz in London meldete unter Berufung auf eigene Informanten vor Ort heftige Angriffe auf Bezirke südlich und östlich von Damaskus, nannte jedoch keine Opferzahlen. Eine unabhängige Überprüfung der Berichte ist nicht möglich.

Sollten sich die Angaben der Opposition bestätigen, wäre es der bei weitem schwerste Giftgas-Angriff seit Beginn des Bürgerkriegs vor zwei Jahren. Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad veröffentlichte über die staatlichen Medien ein Dementi. Darin wird lediglich der Einsatz von Chemiewaffen bestritten, nicht aber die Angriffe in den Außenbezirken der Hauptstadt.

Regierung und Rebellen in Syrien haben sich gegenseitig bereits mehrfach den Einsatz von Chemiewaffen vorgeworfen

Der "Allgemeine syrische Revolutionsausschuss" veröffentlichte Videos auf YouTube, die den Giftgaseinsatz belegen sollen. Darin waren unter anderem Kinder zu sehen, die in einem Krankenhaus behandelt wurden, sowie zahlreiche Leichen. Ob das Video echt ist, konnte von unabhängiger Seite bislang nicht überprüft werden. Die Agentur Reuters berichtete von Fotoaufnahmen, auch von ihren Fotographen, die auf dem Boden einer Klinik Dutzende Leichen zeigten, die äußerlich keine Zeichen einer Verletzung aufwiesen.

Auf Antrag westlicher Staaten wird der UN-Sicherheitsrat noch an diesem Mittwoch zu einer Dringlichkeitssitzung zusammentreten. Russland, einer der wenigen mit dem Assad-Regime verbündeten Staaten, bezeichnete die Berichte über einen Giftgaseinsatz als "Provokation" und forderte eine unabhängige Untersuchung.

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Neue Dimension im Bürgerkrieg

Deutschland und andere europäische Länder verlangten ein Einschalten der UN-Experten, die derzeit in Syrien früheren Berichten über Chemiewaffeneinsätze nachgehen. Die Inspekteure müssten "umgehend" Zugang zu den fraglichen Orten erhalten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Das Ministerium stehe in Kontakt mit den Vereinten Nationen. Eigene Erkenntnisse zu den Angaben der syrischen Opposition habe die Bundesregierung nicht. Auch der deutsche Auslandsgeheimdienst BND erklärte, er könne zu den Berichten über einen Giftgas-Angriff noch nichts sagen.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte eine "unverzügliche und eingehende Untersuchung" der Berichte über den Giftgas-Angriff. "Die EU bekräftigt, dass jeder Einsatz von chemischen Waffen in Syrien von welcher Seite auch immer, völlig inakzeptabel wäre", erklärte ein Sprecher Ashtons.

wl/re (dpa, afp, rtr)

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