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Fokus Osteuropa

Reaktionen auf gespannte kroatisch-serbische Beziehungen

Die Absage von Kroatiens Präsident Stjepan Mesic am 16. Mai, Belgrad zu besuchen, hat die Gemüter auf beiden Seiten erhitzt. Als Grund dafür wurde eine Feier der ultrarechten Tschetnik-Bewegung angegeben.

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Der kroatische Präsident Mesic hat seine Reise nach Belgrad abgesagt

Am Montag traf eine kurze Mitteilung aus dem Büro des kroatischen Präsidenten, Stjepan Mesic, in Belgrad ein, dass der geplante Besuch von Serbien und Montenegro abgesagt würde. Umgehend folgten Reaktionen auf beiden Seiten. Dem wurde mit unterschiedlicher Intensität begegnet, aber keinesfalls mit Gleichgültigkeit. In der Mitteilung aus dem Präsidialamt hieß es, Mesic sei der Meinung, dass in absehbarer Zukunft keine Voraussetzungen bestünden, die Vorbereitungen für seinen geplanten Besuch in Serbien und Montenegro fortzusetzen. Belgrader Politiker und Analysten verschiedener Lager meldeten sich zu Wort, am 18. Mai sprach schließlich auch Serbien-Montenegros Präsident Svetozar Marovic telefonisch mit dem kroatischen Präsidenten über eine Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Staaten, heißt es in einer offiziellen Mitteilung.

"Vuk Draskovic steht nicht allein"

Nun stellt sich Frage, wie es weitergeht und in wie fern dies eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen Serbien und Kroatien beeinflusst hat? Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Die Analystin Milanka Saponja Hadzic aus Belgrad sagt: "Das Problem der Tschetnik-Bewegung kann nicht isoliert von dem betrachtet werden, was in Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina in den vergangenen Kriegen geschehen ist. Ich fürchte, auch wenn Präsident Mesic beschwichtigend gesagt hat, dass er nur ein Signal an Serbien senden wollte, könnte dies langfristige Folgen bewirken und damit würde natürlich ein großer Schaden entstehen". Die Gemüter erhitzten sich in Kroatien insbesondere wegen einer Rede vom serbisch-montenegrinischen Außenminister und Vorsitzenden der Serbischen Erneuerungsbewegung, Vuk Draskovic. Darin hat beispielsweise nach Mesic Draskovic die Tschetnik-Bewegung, eine Quisling-Bewegung, mit den Antifaschisten gleichgesetzt, was unannehmbar sei. Saponja Hadzic räumt indes ein, "Vuk Draskovic und die Serbische Erneuerungsbewegung, SPO, stehen nicht allein, diese Meinung dominiert in Serbien".

Mesics Absage: Enormer Zwischenfall

Analyst Zoran Dragisic meint dagegen, dies sei eine innere Angelegenheit Serbiens. "Die Absage des Serbien-Besuchs vom kroatischen Präsidenten ist ein enormer Zwischenfall, und so etwas können wir im Augenblick nicht gebrauchen". Die von der kroatischen Seite angegebenen Gründe für die Absage des Besuchs von Präsident Mesic könnten schwerlich als Rechtfertigung akzeptiert werden. "In Anbetracht der Tatsache, dass die Beziehungen zwischen Tschetniks und Partisanen vornehmlich ein innenpolitisches Problem Serbiens sind".

Draskovic kompromittiert

Der Professor an der Zagreber Universität, Lino Veljak, meint, die Verherrlichung der Tschetnik-Bewegung berge in Wirklichkeit eine weitaus größere Gefahr. "Dass die Tschetnik-Bewegung aus der Vergangenheit symbolisch gefeiert wird, der nun allen voran Vuk Draskovic und seine Anhänger der SPO eine positive Bedeutung beimessen, wirft bedauerlicherweise tiefe Schatten und kompromittiert die Bestrebungen gerade von Vuk Draskovic". Als demokratischer Politiker wolle er einerseits die Beziehungen in der Region normalisieren und andererseits Serbien dahin bewegen, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. "Vuk Draskovic ist praktisch einem Komplott der Pessimisten unter den serbischen Politikern in Falle gegangen". Nachdem Draskovic durch seinen Einsatz für eine Katharsis gewisse Positionen gefährdete, hätten sie seine Partei auseinander gerissen. So habe sich Draskovic in die Lage des Opferlamms katapultiert, für das, was andere serbische Politiker getan hätten. "Die Hauptströmung in der herrschenden Politik in Serbien besteht stur nach dem so genannte Prinzip der Kontinuität darauf, die jüngste dunkle Vergangenheit Serbiens zu rehabilitieren. Diese Vergangenheit ist jedoch nicht an Milosevic und Seselj allein gebunden", so Veljak.

Ljiljana Renke Guslov
DW-RADIO/Serbisch, 19.5.2005, Fokus Ost-Südost