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Amerika

Reagans Angst vor dem "roten Hinterhof"

Ronald Reagan wähnte den Kommunismus überall, vor allem in Lateinamerika. Es galt ihm als geografischer Hinterhof der USA und wurde zum Experimentierfeld des "Neuen Interventionismus" - mit zweifelhaftem Erfolg.

US-Invasion in Grenada 1983: Soldaten auf Schützengräben, auf den die US-Flagge weht (Foto: dpa)

US-Invasion in Grenada 1983

Dezember 1982: Angekündigt war er als ein in Äthiopien und Kuba ausgebildeter Nicaragua-Soldat, der zum Einsatz bei den El-Salvador-Rebellen abkommandiert wurde. Orlando José Tardencilla Espinosas sollte als Kronzeuge in einer "Aufklärungskampagne" der Reagan-Administration auftreten. Mit dieser sollte den US-Amerikanern verständlich gemacht werden, dass die Sowjetunion versuche, sich in Zentralamerika, also direkt im "Hinterhof" der USA, einzunisten, und zwar mit Hilfe ihrer Handlanger in Kuba und Nicaragua.

Doch als Tardencillas Aussage schließlich live und zur besten Sendezeit in die US-amerikanischen Wohnzimmer übertragen wurde, hatte er anderes zu erzählen: Kuba und Äthiopien habe er nie betreten. Zu El Salvadors Partisanen sei er aus eigener Überzeugung und ohne Auftrag gegangen. Er habe dort weder Nicaraguaner noch Kubaner getroffen. Frühere Aussagen seien unter Folter und Todesandrohung erpresst worden. Eine peinliche Episode, doch die Lateinamerika-Politik der Reagan-Regierung konnte sie nicht nachhaltig erschüttern.

Reagan gibt im April 1982 eine Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses (Foto: AP)

Reagan gibt im April 1982 eine Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses

Für Präsident Ronald Reagan war der "Hinterhof" der USA ein Schauplatz des Kalten Krieges. Wer sich antikommunistisch gab, galt als Freund, dazu konnten zeitweilig auch Diktatoren wie in Chile oder Argentinien zählen. Eindeutig ins Feindeslager gehörten Kuba, Nicaragua nach der sandinistischen Revolution und die Guerillagruppen in El Salvador.

Die kommunistische Bedrohung

Sein Außenminister Alexander Haig erklärte schon 1981 den "internationalen weltweiten Terrorismus, einschließlich revolutionärer Gewalt in Mittelamerika", zum Staatsfeind Nummer eins. Einer der Höhepunkte dieses Kurses war die Invasion der Karibikinsel Grenada im Jahr 1983. Offiziell wurde die Invasion mit der Gefährdung amerikanischer Menschenleben durch einen blutigen Regierungsumsturz begründet. In Wirklichkeit galt der Angriff Kuba, sollte den Einfluss und das Prestige der roten Insel treffen, was auch gelang. Für die USA handelte es sich um die erste größere Militäroperation nach dem Vietnamkrieg, und ihr Erfolg wurde von den Anhängern Reagans als Beleg für die Überwindung des "Vietnam- Traumas" gewertet.

Die US-Regierung tat zudem alles, um eine linke Regierung in Nicaragua zu verhindern. So wurden nach der erfolgreichen Machtübernahme der Sandinisten 1979 oppositionelle Gruppen, so genannte Contras, unterstützt. Gleichzeitig wurde jeglicher Handel zwischen den USA und Nicaragua unterbunden. Als Basis für verdeckte Operationen diente Honduras, wo der US-amerikanische Geheimdienst CIA aus über 15.000 Contras ausbildete. Gelder erhielten diese unter anderem aus Waffengeschäften der USA mit dem Iran. Die so genannte "Iran-Contra-Affäre" führte später zu einem schweren Vertrauensverlust der US-Bevölkerung in Reagans Zentralamerika-Politik.

"Verdeckte Aktivitäten"

Zu jener gehörten auch zahlreiche Versuche, Aufstände in El Salvador mit "verdeckten Aktivitäten" zu verhindern, über welche die "New York Times" damals schrieb: "Verdeckte Aktivitäten, die mit begrenzten Zielen begonnen hatten, wurden zur ehrgeizigsten paramilitärischen und politischen Aktion, welche die CIA seit annähernd einer Dekade anführt."

"Manche Leute werfen uns vor, dass wir den Ost-West-Konflikt nach Mittelamerika bringen wollen", sagte der damalige Staatssekretär im Pentagon, Fred Ikle, "aber der Osten ist längst da." Das mochte stimmen, denn auch die Gegenseite schlief nicht. Kritiker warfen der Reagan-Administration jedoch vor, Lateinamerika durch ihre neue Interventions-Politik zu etwas gemacht zu haben, was es anfangs gar nicht war. Außen vor blieb damals, dass viele der Konflikte in Zentralamerika zumindest anfangs mehr mit Revolten gegen feudale Strukturen zu tun hatten als mit einer kommunistischen Weltverschwörung.

Doch das passte weder ins Schwarzweiß-Denken des ehemaligen Hollywood-Cowboys noch in das seiner wichtigsten Berater, die, wie die "Washington Post" damals schreib, "auf den Hügeln von Honduras, El Salvador und Nicaragua ihre Fehler vom Mekong-Fluss gutmachen wollten." Die USA "erkennen nur Karl Marx" hinter der Krise in Zentralamerika, schrieb der US-amerikanische Autor William Pfaff damals, von der Mentalität und der Komplexität der Konflikte ihrer südlichen Nachbarn würden sie allerdings wenig verstehen. Das allerdings war nicht nur ein Problem von Ronald Reagan.

Autorin: Anne Herrberg
Redaktion: Oliver Pieper

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