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Aktuell Welt

Razzia im Vatikan

Getroffen hat es einen der mächtigsten Männer der Kurie, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, den Präfekten der Glaubenskongregation. 20.000 Euro zweifelhafter Herkunft wurden beschlagnahmt.

Finanzermittler des Vatikans durchsuchten die Büros der Kongregation in Rom. Dabei sollen die Fahnder laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung hinter einer alten Dose Wiener Würstchen im Schreibtisch von Müllers Verwaltungschef Mauro Ugolini einen Stapel Banknoten gefunden haben. Wie die "Bild"-Zeitung weiter meldet, sollen die konfiszierten 20.000 Euro aus Gebühren stammen, die verschiedene Bistümer an den Vatikan gezahlt haben, um Fälle von sexuellem Missbrauch in Diözesen aufzuklären oder Präventionsmaßnahmen durchzuführen. Es bestehe der Verdacht, dass das Geld auch für private und dienstliche Anschaffungen des Kardinals verwendet wurde. Jetzt ermittelten die Behörden des Kirchenstaats gegen den 67-jährigen deutschen Kardinal.

Unregelmäßigkeiten ja - aber ohne Müllers zutun

Vatikansprecher Federico Lombardi räumte ein, dass es in der Finanzverwaltung der Glaubenskongregation vor einiger Zeit "einige Unregelmäßigkeiten" gegeben habe. Diese seien bei Routinekontrollen der zuständigen Behörden bereits vor längerer Zeit festgestellt worden. Vor sechs Monaten seien daraufhin die "nötigen Maßnahmen" ergriffen worden, sagte Lombardi, ohne Details zu nennen. Eine Verwicklung von Kurienkardinal Müller in die Unregelmäßigkeiten wies der Vatikansprecher ausdrücklich zurück und widersprach damit der Darstellung der "Bild"-Zeitung. Auch Müller selbst dementierte gegenüber der Agentur KNA, dass gegen ihn ermittelt werde. Laut dem Zeitungsbericht hatte sich Müller im Frühjahr geweigert, Unterlagen auszuhändigen, die der päpstliche Generalbuchprüfer angefordert hatte.

Direkt nach dem Papst

Kurienkardinal Müller ist als Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre einer der mächtigsten Männer im Vatikan, viele halten den Posten für den zweitmächtigsten hinter dem Papst. Der frühere Bischof von Regensburg hatte die Leitung der Glaubenskongregation von Kardinal Joseph Ratzinger übernommen, als dieser Papst Benedikt XVI. wurde.

Müller gilt als konservativer Hardliner und Gegenspieler des reformorientierten deutschen Kurienkardinals Walter Kasper. Auch den Reformbemühungen von Papst Franziskus steht er skeptisch gegenüber. In der Vergangenheit sprach sich Müller immer wieder entschieden gegen die Segnung homosexueller Paare und die Zulassung zivil wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten aus.

qu/SC (dpa, kna, epd, APE)

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