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Top-Thema – Podcast

Raus aus der Anstalt

Früher wurden sie außerhalb der Stadt in großen Anstalten untergebracht. Heute leben viele behinderte Menschen in den Stadtzentren. Eine Entwicklung, die in Deutschland zukunftsweisend ist.‎

Otto Goebel im Garten

Otto Goebel fühlt sich in seinem neuen Heim richtig wohl

Sein erstes Zimmer vergisst Otto Goebel nie. "Mit zehn anderen Jungs habe ich mir einen Schlafsaal geteilt", erzählt der 74-jährige geistig behinderte Mann. Er erinnert sich nicht gerne an die Zeit im Heim für Behinderte. Seit sieben Jahren lebt er in einer kleinen Wohngruppe mitten in Mönchengladbach. Hier fühlt er sich richtig wohl.

Die Stiftung Hephata setzt sich seit Jahren für dieses neue Wohnmodell für Behinderte ein. "Möglichst kleine Wohngruppen sind unser Modell der Zukunft", sagt Dieter Kalesse von der Stiftung. Die Behinderten sollen nicht mehr am Rand der Stadt in großen Anstalten leben, sondern in kleinen Wohngemeinschaften.

Auf einem Gelände der Stiftung leben die behinderten Menschen in Apartments, bedienen in den Restaurants, spielen Theater oder haben ein eigenes Atelier. Sie sind Teil des gesellschaftlichen Lebens. Der Sprecher der Stiftung, Wolfgang Scharenberg, erzählt, dass dadurch viele deutlich selbstbewusster und selbstständiger geworden sind. Sie können mit Geld umgehen, auf andere Menschen zugehen und viel besser ihre eigenen Wünsche ausdrücken.

Für Georg Hermann vom Behindertenreferat der Stadt Essen sind die neuen Wohnmodelle ein großer Fortschritt. Aber er kritisiert auch, dass sich die schulische und berufliche Integration von Behinderten in Deutschland nur langsam bessert. Er hofft auf die UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland im Dezember 2008 unterschrieben hat. Denn dort, so Hermann, wird noch einmal betont, dass behinderte Menschen Bürger sind und damit auch die gleichen Rechte haben.

Glossar

Anstalt, die – hier: ein Gebäude, in dem kranke Menschen wohnen und von Ärzten behandelt werden

jemanden an einem Ort unterbringen – jemanden an einem Ort wohnen lassen

behindert – hier: so, dass man ernsthafte körperliche oder geistige Probleme hat und im Alltag mehr Schwierigkeiten als andere Menschen hat

zukunftsweisend – so, dass gezeigt wird, wie etwas in der Zukunft aussehen wird

Schlafsaal, der – ein großer Raum mit vielen Betten

geistig behindert – so, dass man mehr Schwierigkeiten als andere hat, etwas zu verstehen

sich wohl fühlen – glücklich sein

Stiftung, die – eine Organisation, die Geld für ein bestimmtes Projekt sammelt

sich für etwas einsetzen – sehr viel tun, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen

Gelände, das – hier: ein Stück Land, das jemandem gehört

Atelier, das – ein Raum, in dem ein Künstler arbeitet

selbstbewusst – so, dass man Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten hat

mit Geld umgehen können – so, dass man weiß, wie man sein Geld gut verwendet

auf jemanden zugehen – hier: jemanden, den man nicht kennt, ansprechen

Referat, das – hier: ein Teil einer Behörde, die bestimmte Aufgaben hat

kritisieren – hier: sagen, was an etwas schlecht ist

Integration, die – hier: der Zustand, in dem behinderte Menschen mit anderen Menschen zusammen lernen und arbeiten

Konvention, die – ein Vertrag zwischen mehreren Staaten

Fragen zum Text

1. Die Wohnsituation von Behinderten in Deutschland hat sich in den letzten
Jahren …

a) verschlechtert

b) verbessert

c) nicht geändert

2. Die Stiftung Hephata setzt sich dafür ein, dass …

a) das Leben der Behinderten so normal wie möglich ist.

b) es größere Anstalten für behinderte Menschen gibt.

c) behinderte Menschen mehr Geld bekommen.

3. Otto Goebel fühlt sich in seiner Wohngemeinschaft … als im Heim.

a) gut

b) selbstbewusster

c) wohler

4. Die meisten Behinderten, die von der Stiftung gefördert werden, können …
mit Geld umgehen.

a) besser

b) großer

c) glücklicher

5. Georg Hermann kritisiert, dass sich die schulische Integration von
Behinderten … entwickelt.

a) langsamer

b) zu langsam

c) am langsamsten

Arbeitsauftrag:

Wie schätzen Sie die Situation von Behinderten in Ihrer Heimat ein? Haben behinderte Menschen dort die gleichen Möglichkeiten wie alle oder sind Ihre Lebensverhältnisse schwieriger? Was müsste man Ihrer Meinung nach tun, um die Situation von Behinderten in Ihrem Land zu verbessern?

Autor: Sabine Damschke / Shirin Kasraeian

Redaktion: Raphaela Häuser

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