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Politik

Raumfähre Columbia über Texas abgestürzt

Katastrophe für die amerikanische Raumfahrt: Die US-Raumfähre Columbia ist am Samstag (1.2.03) beim Anflug auf den NASA-Sützpunkt Cape Canaveral abgestürzt.

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Die abstürzenden Trümmer des Space Shuttles Columbia

Fast genau 17 Jahre nach der Challenger-Katastrophe ist die Welt von einem neuen Raumfahrt-Unglück erschüttert worden: Beim Landeanflug auf den Weltraumbahnhof Cape Canaveral zerbarst das Space Shuttle Columbia in mehrere Teile. Alle sieben Astronauten an Bord wurden getötet.

Kein Hinweis auf einen Anschlag

Fünf Stunden nach dem Absturz der Raumfähre
Columbia hat sich US-Präsident George W. Bush vom Weißen Haus aus an die Nation gewandt. "Die Columbia ist verloren", sagte Bush in einer kurzen Erklärung. Niemand der sieben Besatzungsmitglieder habe überlebt. Diese Männer und Frauen hätten im Dienste der ganzen Menschheit ein großen Risiko auf sich genommen, sagte der Präsident. Bush war unmittelbar nach Bekanntwerden des Unglücks vom Präsidentenlandsitz Camp David nach Washington geeilt. Vor seiner Ansprache hatte er mit den Angehörigen der Besatzungsmitglieder telefoniert und ihnen sein Beileid übermittelt.
Sowohl die US-Regierung als auch das FBI betonten, dass es keine Anzeichen für einen terroristischen Anschlag gebe. Die NASA nahm die Suche nach Wrackteilen auf. Sie warnte die Bevölkerung eindringlich davor, sich den Trümmern zu nähern. US-Präsident George W. Bush kehrte von seiner Residenz in Camp David nach Washington zurück. Die US-Flagge wurde auf Halbmast gesetzt.

Die Crew der Columbia

Die Crew der Columbia

Eine Viertelstunde vor der geplanten Landung im US-Bundesstaat Florida brach der Funkkontakt zu der Besatzung ab, wenig später zerbarst das Raumschiff. Fernsehsender zeigten Bilder des auseinanderbrechenden Shuttles. Es zerbarst in mindestens drei Teile, die in immenser Geschwindigkeit am Himmel entlang rasten. An Bord waren sechs US-Bürger und mit dem Offizier Ilan Ramon auch der erste Israeli im All. Seinetwegen waren im Vorfeld der geplanten Landung die Sicherheitsvorkehrungen in Cape Canaveral erheblich verschärft worden.

Das am 16. Januar gestartete Shuttle hätte um 9.16 Uhr (15.16 Uhr MEZ) auf dem Weltraumbahnhof landen sollen. Kurz vor 9 Uhr Ortszeit (15 Uhr MEZ) brach laut NASA der Kontakt zur Columbia ab, als die Raumfähre sich über Texas befand. Die Raumfahrtbehörde setzte sofort den Notfallplan in Kraft.

Columbia-Katastrophe

Trümmer in Nacogdoches, Texas.

Die Explosion der Raumfähre beim Wiedereintritt in die
Erdatmosphäre wurde laut Augenzeugen von hellen Lichtblitzen und ohrenbetäubendem Lärm begleitet. Augenzeugen im Bundesstaat Texas berichteten dem US-Nachrichtensender CNN zudem von dichtem Rauch: "Wir wurden von einem Donnern geweckt", erzählte Lynn Hern in Huntington mehr als 200 Kilometer südöstlich von Dallas. "Es war, als würde ein Zug über unser Grundstück fahren, als wäre er direkt vor dem Haus."

Die NASA warnte die Bewohner von Texas vor den möglicherweise giftigen Trümmern, von denen erste in Texas bereits kurz nach dem Unglück gefunden wurden. Sie rief dazu auf, Wrackteile zu fotografieren und zu filmen und das Material der Raumfahrtbehörde zur Verfügung zu stellen.

Ursache noch unklar

Nach Ansicht des deutschen Raumfahrtexperten Heinz-Hermann Koelle könnte das Unglück auf ein Versagen des Hitzeschildes zurückzuführen sein. Der italienische Astronaut Umberto Guidoni sagte, möglicherweise sei die Columbia im falschen Winkel in die Erdatmosphäre eingedrungen. "Die Rückkehr in die Erdatmosphäre ist einer der schwierigsten Momente bei der Mission der Raumfähre. Eine Abweichung um einige Grad kann eine Katastrophe wie die heutige provozieren", sagte Guidoni, der selbst an zwei Weltraumflügen teilnahm.

Die ersten Anzeichen für Unregelmäßigkeiten beim Flug der Raumfähre Columbia gab es, als es keine Meldungen mehr
von den Temperatursensoren im Hydrauliksystem der linken Tragfläche gab. Dies erklärte Ron Dittemore, der Verantwortliche für das Raumfähren-Programm der NASA, auf einer Pressekonferenz. Sekunden später seien weitere Probleme aufgetaucht, wie ein Druckverlust in den Reifen und Anzeichen für übermäßige Hitze. Schon beim Start soll
sich ein Stück einer Tankisolierung gelöst und die linke Tragfläche getroffen haben. Die Suche nach der Absturzursache werde aber noch Tage und Wochen dauern.

Ein US-Experte wiederum gab an, Space-Shuttles seien für
hundert Flüge ausgelegt. Für die Columbia sei es erst der 28. Flug gewesen. Der Absturz könne aber trotzdem mit dem Alter des Shuttles zusammenhängen. Die Columbia hatte ihren Jungfernflug im Jahr 1981.

Columbia startet zu ihrem letzten Flug

Columbia beim Start

An Bord der Columbia befanden sich auch vier Tonnen
wissenschaftlicher Ausrüstung im Gesamtwert von 78 Millionen Dollar (74 Millionen Euro). Die Astronauten hatten in der Erdumlaufbahn unter anderem getestet, welche Auswirkungen die Schwerelosigkeit auf lebende Organismen, die Zusammensetzung der Kristalle und das Wachstum der Proteine hat.

Das Unglück weckte auf der ganzen Welt die Erinnerung an die Explosion der Challenger am 28. Januar 1986. Die Raumfähre explodierte nur 73 Sekunden nach dem Start. Alle sieben Astronauten an Bord starben. Auch damals handelte es sich wie jetzt um zwei Frauen und fünf Männer.

Ein irakischer Regierungssprecher ließ sich zitieren, dass der Absturz als Rache Gottes zu verstehen sei. "Gott wollte zeigen, dass seine Macht weiter reicht als die der Amerikaner."

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  • Datum 01.02.2003
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