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Alltagsdeutsch – Podcast

Raucher

Rauchen entspannt – Rauchen macht krank: zwei gegensätzliche Positionen. In Deutschland wird, wie in anderen Ländern auch, das Rauchen zunehmend erschwert. Die Nichtraucher freut 's, die passionierten Raucher weniger.

O-Ton:

Ansage Bahnhof

"Meine Damen und Herren, zur Verbesserung der Sauberkeit und für unsere Nichtraucher ist das Rauchen auf den Bahnhöfen nicht gestattet."


Sprecherin:

Der durchschnittliche Zigaretten-Raucher konsumiert pro Jahr mehr als 12.000 Zigaretten. Allein in Deutschland sind mehr als 17 Millionen Menschen nikotinabhängig. Und dort, wo Raucher auf Nichtraucher stoßen, gibt es häufig ein Problem. So auch auf dem Bonner Hauptbahnhof. Hier herrscht Rauchverbot. Auf dem Bahnhof gibt es noch kleinere Raucherecken. Hier treffen wir Heinz aus Bornheim bei Bonn, der in die Lektüre seiner Tageszeitung vertieft ist und gleichzeitig hastig an seiner Zigarette zieht. Ihm passt es nicht, dass er jetzt nicht mehr überall auf dem Bahnsteig rauchen darf.

Heinz:

"Das ist hier schon 'n bisschen Einschränkung. Also, ein bisschen Eingriff in mein Privatleben. Ganz korrekt find' ich es nicht. Also im Zug, da ist das kein Problem, sag ich. Aber hier, auf'm Bahnhof, da find ich es 'n bisschen doof."

Sprecher:

Heinz ist es gewohnt, immer und überall zu rauchen. Jetzt wird ihm das Rauchen auf dem Bonner Bahnsteig verboten. Das empfindet er als Eingriff in sein Privatleben. Wenn jemand mit dem Verlauf eines Geschehens, häufig auch eines Gesprächs, nicht einverstanden ist, mischt er sich ein oder unterbricht den anderen. Bildlich greift dann seine Hand ein, hält etwas auf. Er will dem Verlauf der Angelegenheit eine andere Richtung geben; eine solche, die er für richtig hält.

O-Ton:
"Solche vollkommen überzogenen Sachen wie nicht mehr auf Bahnsteigen rauchen zu dürfen und so was. Ich find', die Bahn hat andere Probleme. Die sollten sich mal lieber um die Sicherheit der Fahrgäste kümmern, als um so 'nen Unfug, ne. Das ist meine persönliche Meinung."

Sprecher:
Das Wort Unfug leitet sich vom Verb fügen ab, was einordnen oder anpassen bedeutet. Das Substantiv Fug kommt aus dem Neuhochdeutschen und meint Zusammenfügung, im übertragenen Sinne auch Schicklichkeit oder Kunstfertigkeit. Das Wort Fug ist beinahe verlorengegangen. Es existiert nur noch in der Redewendung mit Fug und Recht etwas sagen oder tun. Die verneinte Form Unfug dagegen ist sehr geläufig – sie beschreibt unsinniges Tun.

Sprecherin:
Natürlich ist Nichtrauchern und Rauchern bekannt, dass Rauchen nicht gesund ist. In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es im Fernsehen noch reichlich Werbung für Zigaretten. Inzwischen müssen die Schachteln Hinweise tragen, dass Rauchen die Gesundheit gefährdet und Angaben zu Teer- und Kondensatmengen machen. Dennoch rauchen fast 13 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 14 Jahren regelmäßig. Bei den über 30-Jährigen sind es sogar fast 40 Prozent. Man orientiert sich an vermeintlichen Vorbildern wie Schauspielern oder Pop-Stars, die in den Medien oft rauchend gezeigt werden. Auch die Zigarrenbranche profitiert von Prominenten, die gerne in der Öffentlichkeit rauchen.


Sprecher:

Die Zigarrenindustrie wirbt gerne mit bekannten Gesichtern, also mit Imageträgern, für ihre Produkte. So wie es früher Fahnen- oder Bannerträger gab, gibt es heute neudeutsch die Imageträger, die anderen ein Vorbild sein sollen. Früher galt der Politiker Winston Churchill als Imageträger für die Zigarrenindustrie. Heute kennen ihn nur noch die älteren Zeitgenossen. Doch eine Zigarrenmarke hat seinen Namen verewigt. Das Eigenschaftswort oder Adjektiv ewig leitet sich übrigens ebenso wie das Wort Ehe von einem mittelhochdeutschen Wortstamm ab. Es bedeutet unabsehbar lange oder für immer. Wenn man von einer Zigarrenmarke spricht, durch die sich ein berühmter, bereits verstorbener Politiker verewigt hat, banalisiert man den Hintergrund des Wortes. Es hat dann eine ironische Wirkung.

Sprecherin:

Seitdem bekannt ist, dass selbst das passive Einatmen von Zigarettenqualm schädlich ist, gibt es immer mehr Menschen, die sich den Rauch nicht mehr gefallen lassen wollen.


Heike:

"Also, mir ist das schon ein Dorn im Auge, wenn jemand mit mir in einem kleinen Raum sitzt und dann die Luft verpestet. Da ist die Luft manchmal wirklich zum Schneiden, und dann kann es schon mal dicke Luft geben."

Sprecher:

An einem Dorn kann man sich leicht verletzen. Das Wort wird dann im übertragenen Sinne verwendet, wenn etwas stört oder unangenehm ist. Ein Dorn im Auge sein ist eine Redewendung, die durch die Empfindlichkeit des Auges den Grad der Verletzung steigert. Bereits Luther hat diesen Ausdruck mehrfach in seine Bibelübersetzung übernommen. Heike findet es unangenehm, wenn sie gemeinsam mit Rauchern in einem Raum sitzt. Sie leidet, wenn diese dann die Luft verpesten. Die Pest war lange eine tödliche Seuche. Wenn man von verpesteter Luft spricht, weil geraucht wird und man selber passiv mitraucht, wird also von schlechter oder ungesunder Luft gesprochen. Heike sagt dann in einem Wortspiel, dass es in einem solchen Falle schon einmal dicke Luft geben könne. Damit deutet sie an, dass es schon mal Ärger geben kann. Der Ausdruck dicke Luft ist der Seemannssprache entlehnt und später in die Umgangssprache eingegangen. Wenn die Luft zum Schneiden ist, ist sie so schlecht und so schwer, dass man sie fast mit dem Messer durchschneiden könnte.

Sprecherin:

Inzwischen haben sich in vielen deutschen Städten nach amerikanischem Vorbild Nichtraucher-Vereine gegründet, die gegen die Raucher vorgehen wollen. Günter Feldt ist der Vorsitzende der Nichtraucher-Liga Bonn.

Günter Feldt:

"Kommt drauf an, was man unter militant versteht. Wenn man darunter versteht wehrhaft, dass man sich nicht alles gefallen lässt, dann sind wir militant. Wenn Raucher – ohne zu fragen – einfach sich Zigarette anzünden und anderen die Atemluft vergiften, dann ist überhaupt nicht einzusehen, wieso das unfreiwillige Einatmen unschädlich sein soll. Das ist genauso schädlich, aber man spricht da immer von Passivrauchen. Es ist eigentlich ein erzwungenes Mitrauchen."

Sprecher:

Die militanten Nichtraucher sind schon zum geflügelten Wort geworden. Das Adjektiv militant kommt aus der Sprache des Militärs. Es bedeutet, für eine Sache mit kriegerischen Mitteln zu kämpfen. Jemand, der militant ist, scheut selbst vor handgreiflichen Handlungen nicht zurück, um seine Ziele durchzusetzen. Im übertragenen Sinne behält das Wort seine kämpferische Bedeutung und weckt ausschließlich negative Assoziationen. Deswegen sprechen vor allem die Raucher von militanten Nichtrauchern. Sie wollen zum Ausdruck bringen, dass jene sich in übertriebenem Maße gegen den Zigarettenrauch wehren.

Sprecherin:

Die Nichtraucherliga unterstützt die Nichtraucher in ihren Anliegen. Man trifft sich regelmäßig in Restaurants und bespricht, wie man gegebenenfalls auch juristisch gegen Raucher vorgehen kann.

Günter Feldt:

"Es gibt Fälle, wo Nichtraucher auf einen rauchfreien Arbeitsplatz über zehn Jahre durch alle Instanzen rauf und runter klagen mussten, und das kann man eigentlich nicht durchstehen, wenn man so alleine dasteht. Da muss man sich schon irgendwie einem Verein anschließen. Das ist 'n finanzielles Problem für den Einzelnen, aber ja auch die Rückenstärkung, die man eben erfährt, wenn man da einen Verein hinter sich weiß."

Sprecher:

Günter Feldt weiß, wovon er spricht. Er hat schon mehrere Prozesse geführt, um sich gegen die Raucher zu behaupten. Wenn man sich durch alle Instanzen rauf und runter klagt, hat man schon etliche Prozesse geführt. Die umgangssprachliche Wendung rauf und runter, die sich mit einer Vielzahl von Tätigkeiten verbinden lässt, meint, dass man etwas unzählige Male probiert. Ein Nichtraucher-Verein gibt dem Kläger dann Rückendeckung. Wenn man von Rückendeckung spricht, steht man jemandem bei, man hält ihm den Rücken frei.


Sprecherin:

In vielen Institutionen ist das Rauchen schon verboten. Doch seit langem versuchen viele Menschen, mehr oder weniger freiwillig, mit dem Rauchen aufzuhören.

Fragen zum Text

Jemand plant etwas, jemand anderes mischt sich ein. Er/sie …

1. greift dann zu.

2. greift dann ab.

3. greift dann ein.

Heinz spricht von Popularismus. Damit ist hier gemeint, dass …

1. die Politiker sich mit einem Rauchverbot beliebt machen wollen.

2. ein Rauchverbot sehr gut in der Bevölkerung ankommt.

3. Nichtraucher-Clubs wegen eines Rauchverbots mehr Mitglieder bekommen.

Zwei Personen streiten sich, eine dritte kommt dazu. Sie merkt, dass …

1. eine entspannte Atmosphäre herrscht.

2. es dicke Luft gibt.

3. die Luft rein ist.



Arbeitsauftrag
Rauchen ist nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation von 2008 weltweit die Todesursache Nummer eins. Recherchieren Sie auf deutschen Internetseiten zum Thema "Rauchen". Suchen Sie sich dann einen passionierten Raucher sowie einen Nichtraucher aus Ihrem Freundes- und/oder Bekanntenkreis. Stellen Sie den beiden mehrere Fragen zu ihrem Verhalten. Schreiben Sie anschließend einen Bericht, in den Sie alle ihre Informationen einfließen lassen.

Autorin: Antje Allroggen

Redaktion: Beatrice Warken

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