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Sprachbar

Rauch

Seit alters her dient er dazu, Speisen einen besonderen Geschmack zu geben und haltbar zu machen, der Rauch. Einer Vogelart gab er ihren Namen. Doch wird er heute an immer mehr Orten verboten.

So alt wie das Feuer ist auch der Rauch. Er steckt in vielen Redensarten und Wörtern und hat auch der isländischen Hauptstadt zu ihrem Namen verholfen: In "Reykjavik" steckt das altnordische Wort "reykr" für Rauch. Es kann aber gleichzeitig auch Nebel, Dunst und Dampf bedeuten.

Rauch = Nebel

Ähnlich wie im Altnordischen hat Rauch auch im Deutschen vielfältige Bedeutungen. So heißt der zu winzigen Eiskristallen gefrorene Wasserdampf, der in der kalten Jahreszeit Gras, Bäume und Sträucher überzieht, Raureif. Und wenn abends von den Wiesen ein leichter Rauch aufsteigt, so sind die zarten Nebenschwaden gemeint, die aussehen wie Rauch.

Weihrauch

Rau- oder Rauchnächte nannte man die zwölf Nächte vom ersten Weihnachtstag bis zum Fest der Heiligen Drei Könige. Dann wurden das Haus und besonders die Ställe mit Weihrauch ausgeräuchert, dem wohlriechenden Harz des namensgleichen Baumes.

Beim Verglühen entwickelt das Harz einen aromatisch duftenden Rauch, aber keinen Qualm. Qualm, das ist die Verdichtung von Rauchschwaden. Er gilt im Allgemeinen als übelriechend. Er liegt schwer wie Blei in Räumen. Qualm verliert sich – anders als Rauch – nicht leicht kräuselnd in der Luft.

Rauchsalons

Früher galt das Rauchen von Zigaretten, Zigarren und Zigarillos in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen noch als schick. Es wurden extra Rauchsalons eingerichtet. Diese dienten als Treffpunkt; dort konnte man entspannen, über Politik und vieles andere sprechen und manchmal streiten.

Der preußische König Friedrich Wilhelm der Erste hielt im Schloss Königs Wusterhausen gar regelmäßig ein so genanntes Tabakskollegium ab. Dort trafen sich vorwiegend Männer, um dem Tabakgenuss zu frönen. Er war der Meinung, dass "der Gebrauch des Tabaks gegen alle böse Luft gut sei".


Rauchfreie Zone

Preußen gehört – wie auch die Auffassung des Königs – der Vergangenheit an. Inzwischen überziehen Nichtrauchersalons und -gaststätten die Republik. Die Gesundheitswelle in vielen europäischen Ländern brachte Gesetze zum Nichtraucherschutz hervor.

Die Raucher beugen sich dem Diktat und frieren auf der Straße, auf Balkonen und Terrassen, um ihrer Sucht zu frönen. So vielfältig wie die Gestalten, die aufsteigender Rauch annehmen kann, sind auch die Redensarten rund um den Rauch.

Redensarten

Wie Schall und Rauch sind zum Beispiel Gerüchte und Informationen, die sich allzu oft als falsch herausstellen und sich so schnell wie Rauch in der Luft auflösen und bedeutungslos werden.

Allerdings – das darf nicht unerwähnt bleiben – werden die meisten Gerüchte ganz bewusst in die Welt gesetzt, um zu verunsichern, ja Unruhe zu stiften. Martin Luther hielt das in dem Spruch fest "Sie haben den Rauch gesehen, wissen jedoch nicht, wo das Feuer brennt". Wenn aber Rauch ist, wo auch Feuer ist, dann können Gerüchte oder Vorwürfe etwas Wahres enthalten.

Rauchende Trümmer

Rauch kann natürlich auch ein Sinnbild für Zerstörung sein. Die "rauchenden Trümmer" nach Kriegen und Bombardements sind zu einem traurigen Begriff geworden – ebenso wie die rauchenden Schornsteine der Konzentrationslager während der nationalsozialistischen Diktatur.

Nichts damit gemein hat der geflügelte Ausdruck "Der Schornstein muss rauchen": In den so genannten Wirtschaftswunderjahren der jungen Bundesrepublik Deutschland waren die rauchenden Industrieschornsteine ein Sinnbild für Arbeit und Wohlstand.

Rauch und räuchern

Und wer sagte Eigener Herd ist Goldes wert, der meinte den Frieden und die Geborgenheit des eigenen Hauses. Denn wer früher einen eigenen Herd hatte, der hatte auch einen eigenen Rauchfang, einen Schornstein, in dem die fetten Würste und Schinken zum Räuchern hingen. So jemand galt etwas im Dorf.

Der Familienname Eigenrauch stammt daher. Und der Lehnsherr einer Familie mit eigenen Herd und Rauch hieß deshalb auch Rauchgrundherr. Als Lehensabgabe schuldete man ihm das Rauchpfund. Jeder, der einen eigenen Herd besaß – egal, ob arm oder reich – musste diese jährliche Abgabe leisten, um den Schutz des Landesherrn zu genießen.

Rauchschwalbe

Während diese Wörter längst aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind, ist die Rauchschwalbe geblieben. Diese Vogelart bekam ihren Namen vermutlich im 16. Jahrhundert, weil sie gerne in den alten großen Räucherkammern nistete. Falls Sie im nächsten Fachgespräch über Schwalben diesen Namen nicht parat haben, können Sie immer noch scherzhaft sagen: Der Name ist Schall und Rauch.

Fragen zum Text

Raureif ist …

1. ein Armreifen, der angeraut ist.

2. gefrorener Wasserdampf.

3. ein ungehobelter Mensch.

Wenn man etwas räuchert, dann …

1. konserviert man etwas.

2. raucht man etwas.

3. reibt man etwas mit einer Rauchpaste ein.

Die Redensart Der Name ist Schall und Rauch verwendet man, wenn …

1. man einen Namen vergessen hat.

2. ein Name unverständlich ist.

3. jemand einen witzigen Namen hat.

Arbeitsauftrag

In Ihrer Stadt soll in allen Restaurants das Rauchen verboten werden. Diskutieren Sie in Ihrer Gruppe das Für und Wider eines entsprechenden Gesetzes. Erstellen Sie anschließend eine Petition an den Stadtrat, in der Sie diesen auffordern, zumindest in einigen Restaurants das Rauchen weiter zu erlauben.

Autorin: Beatrice Warken

Redaktion: Raphaela Häuser

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