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Asien

Ratlosigkeit in Kabul nach Rabbanis Tod

Ist der Friedensprozess in Afghanistan am Ende? Diese Frage stellen viele Afghanen nach der Ermordung von Friedensrat-Chef Burhannudin Rabbani. Auch die Regierung sucht nach dem richtigen Kurs.

Portrait Afghanistans Präsident Hamid Karsai (Foto: dpa)

Präsident Hamid Karsai blickt in eine ungewisse Zukunft

Die Friedensgespräche mit den Taliban werden weiter gehen – irgendwie. Doch wie, das vermag Qasim Fahim, der Vizepräsident Afghanistans, nicht zu sagen. Fahim, der sich sonst gern als Macher und unerschrockener Kämpfer präsentiert, wirkt neuerdings bei seinen Auftritten vor der Presse sichtbar verunsichert. Auf gezielte Fragen der Journalisten, wie die Antwort der afghanischen Regierung auf die Ermordung von Burhanuddin Rabbani, dem Vorsitzenden des Hohen Friedenrates, sein wird, antwortet er stets ausweichend: "Wir werden für den Frieden in unserem Land kämpfen. Welche Wege wir dafür aussuchen, wird im Ermessen der afghanischen Regierung liegen."


Friedensrat will weiter arbeiten

Burhanuddin Rabbani kommt inmitten seiner Anhänger aus der Moschee (Foto: AP/dapd)

Burhanuddin Rabbani, Vorsitzender des Hohen Friedensrates, wurde am 20. September 2011 ermordet

Präsident Hamid Karsai hatte vor rund einem Jahr den so genannten Hohen Friedensrat unter Vorsitz seines Vorgängers Rabbani ins Leben gerufen. Der Ex-Präsident sollte, unterstützt von den 70 Mitgliedern des Rates, mit den Taliban über ein Friedensabkommen verhandeln. Doch die Taliban lehnten von Beginn an jedes Gespräch mit der afghanischen Regierung ab.

Nun stellen sich viele die Frage, ob eine Fortsetzung der Friedensverhandlungen sinnvoll wäre. Mohammad Ismael Qasimyar, Berater im Hohen Friedenrat, gibt sich trotzig und entschlossen: "Der Verlust unseres Vorsitzenden sollte nicht bedeuten, dass wir seine Ziele aufgeben. Wir sollten weiter für einen stabilen und gerechten Frieden werben."

Qasimyar geht davon aus, dass viele Taliban- Kämpfer kriegsmüde sind und sich gern dem Friedensprozess der Regierung anschließen würden. Die Taliban seien jedoch keine homogene Gruppe mehr, fügt er hinzu. Es gebe unterschiedliche Strömungen innerhalb der Aufständischen.

Das Misstrauen ist groß


Noch ist unklar, wer für die Ermordung von Burhannudin Rabbani verantwortlich ist. Die Taliban haben bislang nicht eindeutig die Verantwortung übernommen. "Wir prüfen diesen Vorfall und möchten uns noch nicht dazu äußern", heißt es in einer Pressemiteilung. Manche Politiker interpretieren das zögerliche Verhalten der Taliban als Beweis dafür, dass sie einlenken, ihre Waffen niederlegen und sich der Regierung anschließen möchten. Der afghanischen Bildungsminister Faruq Wardak ist anderer Ansicht: "Rabbanis Tod erschwert den Friedensprozess. Das Misstrauen ist im Moment sehr groß. Man weiß nicht mehr, wer Freund oder Feind ist - mit wem man Frieden schließen soll und mit wem nicht."

Wardak bestätigt die Befürchtung vieler Afghanen, dass die Regierung in Kabul ratlos und mit der Situation überfordert ist. Präsident Karsai weiß, dass er keine Alternative zu den Friedensgesprächen mit den Taliban hat. Militärisch kann seine schwache Regierung die Aufständischen nicht besiegen. Hinzu kommt, dass der Westen sich Ende 2014 aus Afghanistan zurück ziehen möchte.

Zwei Taliban-Kämpfer mit Gewehren über der Schulter(Foto: AP)

Die Taliban lehnen Friedensverhandlungen mit der Regierung ab

"Karsais Friedenspolitik ist gescheitert"

Karsai muss also mit den Taliban ins Gespräch kommen, doch wie? Dies vermag er, zumindest öffentlich, nicht zu sagen. Nun, da der von ihm ernannte Chef des Friedensrates tot ist, wird es für ihn nicht einfacher.

Der Afghanistan-Experte Ahmad Saedi hält die Friedenspolitik von Präsident Karsai für gescheitert: "Frieden kann man nur mit jenen schließen, die auch dazu bereit sind", meint er. "Die afghanische Regierung will die Realitäten des Landes nicht akzeptieren. Sie möchte nicht verstehen, dass die Taliban den Krieg um jeden Preis fortsetzen möchten."

Saedi fordert von der afghanischen Regierung eine klare Haltung. Die Taliban seien Feinde des Friedens und müssten bekämpft werden, sagt er. Eine andere Wahl hätten weder die afghanische Regierung noch die Nato-Truppen. Es sei denn, fügt er warnend hinzu, man möchte die Errungenschaften der letzten Jahre aufgeben. Die Zukunft Afghanistans erscheint Saedi, ein Jahrzehnt nach dem Sturz des Taliban-Regimes, ungewisser denn je.

Autor: Ratbil Shamel

Redaktion: Ana Lehmann

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