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Fokus Osteuropa

Ratko Mladic: Angeklagt wegen Völkermords und seit Jahren auf der Flucht

Vor über zehn Jahren erhob das Internationale Kriegesverbrecher-Tribunal Anklage gegen Ratko Mladic. Dem bosnisch-serbischen Ex-General werden schwere Verbrechen während des Krieges in Bosnien-Herzegowina vorgeworfen.

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Ratko Mladic (1995)

Der einstige Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, und sein oberster General Ratko Mladic - erst wenn sie von den Haager Richtern den Urteilsspruch gehört haben, wird das UN-Tribunal seine Pforten schließen.

Nachdem sich Slowenien und Kroatien bereits 1991 für unabhängig erklärt hatten und damit der Zerfall Jugoslawiens besiegelt war, sprang der Funke 1992 auf Bosnien-Herzegowina über: Im Januar riefen die bosnischen Serben die "Republika Srpska" aus, Radovan Karadzic wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Zwei Monate später beschloss das gesamtbosnische Parlament - entgegen dem Willen der Serben - den Austritt aus Jugoslawien. Daraufhin kam es zu ersten kriegerischen Auseinandersetzungen in Bosnien-Herzegowina. Die Serben-Republik formierte eine eigene Armee, deren Oberbefehl einem General der Jugoslawischen Volksarmee übertragen wurde: Ratko Mladic.

Vertreibung und Ermordung von Zivilisten

Mit der Unterstützung aus Belgrad erzielten Mladics Truppen militärische Erfolge: Sie brachten rund 70 Prozent des bosnisch-herzegowinischen Territoriums unter ihre Kontrolle. Unter Mladics Kommando wurden Hunderttausende Kroaten und bosnische Muslime vertrieben - was menschenverachtend als "ethnische Säuberung" deklariert wurde. Tausende Menschen - Männer ebenso wie Frauen und Kinder - verschwanden in serbischen Gefangenenlagern, viele von ihnen wurden dort misshandelt. Die serbische Armee belagerte drei Jahre lang die Hauptstadt Sarajevo, dabei schossen Scharfschützen wahllos auf Zivilisten.

Kurz vor dem Friedensschluss von Dayton drang Ratko Mladic mit seinen Truppen in die UN-Schutzzone Srebrenica ein und ließ 8.000 männliche Einwohner töten. Mladics Schieß-Befehl wurde damals abgehört und aufgezeichnet: "Schießt nur auf die Lebenden, nur auf die Lebenden! Sie haben keine Waffen. Sie haben nur die eine oder andere Panzerfaust. Sie haben normale Gewehre - und das ist alles."

All diese Verbrechen werden General Mladic und dem Serben-Führer Karadzic von den Anklägern in Den Haag zur Last gelegt. Laut Anklageschrift von 1995 haben sie Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mord, Plünderungen und Verstöße gegen internationales Kriegsrecht begangen.

Mladic blieb noch Chef der bosnisch-serbischen Armee bis Ende 1996, als ihn die Präsidentin der Serben-Republik auf Druck der internationalen Gemeinschaft entließ. Danach tauchte er unter. Sollte Mladic in Den Haag verurteilt werden, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

Klaus Dahmann

DW-RADIO, 21.2.2006, Fokus Ost-Südost