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Aktuell Amerika

Rathaus angezündet: Sechs Tote

In Bolivien nehmen die politischen Spannungen vor dem Referendum über die Amtszeit von Präsident Morales zu: So geriet eine Protestaktion in El Alto außer Kontrolle, als Demonstranten die Stadtverwaltung stürmten.

Was im bolivianischen El Alto als friedlicher Aufmarsch von Eltern für vernünftige Schulgebäude, besseren Unterricht und mehr Lehrer begann, endete verhängnisvoll: Durch ein von aufgebrachten Demonstranten gelegtes Feuer wurden sechs Mitarbeiter der Stadtverwaltung getötet. Drei Männer und drei Frauen, die noch versucht hatten, sich vor den Flammen zu retten, starben durch Erstickungen und Rauchvergiftungen, wie die Bürgermeisterin der zweitgrößten Stadt des Landes, Soledad Chapeton, berichtete.

Die genauen Umstände der Ereignisse blieben zunächst umstritten. Unklar war etwa, ob die Täter tatsächlich aus dem Kreis der demonstrierenden Eltern kamen.

Gegenseitige Beschuldigungen

Anhänger der Partei von Präsident Evo Morales, der Bewegung zum Sozialismus (Movimiento al Socialismo - MAS), sollen sich den Protesten angeschlossen haben. Diese hatte vor knapp einem Jahr nach Korruptionsskandalen das Bürgermeisteramt an Chapetón von der Oppositionspartei Unidad Nacional (UN) verloren. Chapetón machte nun laut der Zeitung "La Razón" die Gefolgschaft ihres im Gefängnis sitzenden MAS-Amtsvorgängers Édgar Patana für das Feuer verantwortlich, da vor allem Patana belastende Dokumente verbrannt worden seien.

In einer Pressekonferenz meinte sie sichtlich bewegt: "Wir verstehen das nicht - was haben die Alteños (Bewohner El Altos) gemacht, dass man sie so behandelt?". Der Vizeminister des Innenministeriums, Marcelo Elío, machte dagegen die Opposition selbst für die Tragödie verantwortlich. Elío meinte, Unidad-Politiker hätten sich unter Demonstranten gemischt und den Protest erst angestachelt. Dafür lagen aber zunächst keinerlei Beweise vor.

Regent bis 2025?

Die Tragödie geschah kurz vor einem wegweisenden Referendum, das die Gemüter bewegt und laut Umfragen in seinem Ausgang offen ist. Am Sonntag stimmen die Bürger Boliviens über eine Verfassungsänderung ab, ob dem bis 2019 gewählten Morales die Möglichkeit zu einer Wiederwahl bis zum Jahr 2025 eröffnet werden soll. Kritiker werfen Morales und dem MAS autoritäre Tendenzen vor. Der frühere Kokabauer regiert seit 2006 und ist der erste indigene Präsident des Landes.

SC/wl (APE, dpa, rtr)