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Musik

Rastloses Multitalent

André Previn gewann Dutzende von Oscars und Grammys und feierte riesige Erfolge als Komponist, Dirigent und Pianist: Auch mit 85 Jahren sammelt das musikalische Multitalent weiter Preise ein.

Gerade erst hat das Music Institute of Chicago angekündigt, André Previn im Mai einen weitere Auszeichnung zu verleihen. Bescheiden ist er aber trotzdem geblieben; zumindest betonte der Pianist, Komponist und Dirigent das einst in einem Interview des britischen "Guardian": "Wenn man mit Musik arbeitet, die ausnahmslos besser ist als man selbst, ist es schwierig, aufgeblasen zu werden." Am 6. April feierte Previn seinen 85. Geburtstag.

Ein bisschen altmodisch sei er schon geworden, gibt der Musiker offen zu. Die modernen Vermarktungstechniken der klassischen Musik stoßen ihn ab. Pianisten wie Lang Lang zum Beispiel, die auch mal mit Pop- und Metalbands auf der Bühne stehen, um das Publikum zu unterhalten. "Das ist doch eine Zirkus-Vorführung. Er ist ein großartiger Pianist, aber ich kann nicht zuschauen, nicht für eine Minute."

Karriere nicht nur in den USA

André Previn (Foto: Getty Images)

André Previn ist Dirigent und Komponist

Geboren wurde Previn 1929 als Andreas Ludwig Priwin in Berlin, aber schon bald nach seiner Geburt musste er mit seiner jüdischen Familie vor den Nazis fliehen. Über Paris gelangte die Familie schließlich in die USA, wo Previn bald sein musikalischen Talent entdeckte. Schon mit 15 gab er ein Jazzkonzert in der Philharmonie von Los Angeles und zählte bald zu den hochkarätigen Jazzern der US-Szene. Regelmäßig stand er mit Größen wie Benny Goodman, Dizzy Gillespie, Benny Carter oder Billie Holiday auf der Bühne. In den 1940er Jahren bekam Previn, der inzwischen US-Staatsbürger geworden war, einen Vertrag als Hollywood-Musiker beim Studio Metro Goldwyn Mayer. Die erste Filmmusik schrieb er für eine Folge der Serie "Lassie". Für die Kassenschlager "Gigi", "My Fair Lady", "Porgy and Bess" sowie "Irma la Douce" heimste er jeweils einen Oscar für die beste Filmmusik ein.

Trotz des Erfolgs wandte er der Traumfabrik nach 16 Jahren schlagartig den Rücken zu. "Ich wollte mit dem Talent spielen, das ich hatte", so Previn, und fortan widmete er sich der klassischen Musik. Er lernte das Dirigieren, übernahm 1967 das Houston Symphony Orchestra und wurde nach nur drei Jahren als Nachfolger von Claudio Abbado zum Chefdirigenten und Musikdirektor an die Spitze des London Symphony Orchestra berufen. Es folgten Kooperationen mit so gut wie allen großen Orchestern der Welt. Zudem gilt André Previn weltweit als einer der wichtigsten zeitgenössischen Komponisten.

Turbulentes Privatleben

Andre Previn Dirigent und Komponist und Exfrau Anne-Sophie Mutter Foto: Urs Flüeler

Mit Ex-Frau Anne-Sophie Mutter verbindet Previn die Liebe zur Musik

Privat verlief das Leben des leidenschaftlichen Kunstsammlers ziemlich turbulent. Fünf Ehen scheiterten, neun Kinder und Adoptivkinder blieben aus den Verbindungen. Zwischen 1970 und 1979 war Previn mit der Hollywood-Schauspielerin Mia Farrow verheiratet. Mit der 34 Jahre jüngeren Stargeigerin Anne-Sophie Mutter, mit der Previn von 2002 bis 2006 verheiratet war, gilt er noch als eng befreundet. Auch nach der Scheidung trat das Paar gemeinsam auf, und Previn schrieb viele seiner Kompositionen für sie. Nicht mehr ganz so häufig lässt er sich in der Öffentlichkeit sehen. Aber Pläne hat er trotzdem noch massenhaft. Auf die Frage, wie er gern sterben möchte, antwortet er auf seiner Internetseite schlicht: "Später."

jb/sc (dpa)