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Deutschland

Rassismus in Deutschlands Fußballstadien

Krawalle von Hooligans sind im deutschen Fußball zum Glück selten geworden. Aber es gibt neuere Phänomene, die den Verantwortlichen Sorgen machen. Vor allem: Rassismus und Rechtextremismus auf den Zuschauer-Rängen.

Vollgepackte Zuschauerränge am Tivoli in Aachen

Bundesligist Alemannia Aachen bekam die bislang höchste Strafe wegen Rassismus auf den Rängen auferlegt

Die zuletzt gehäuft aufgetretenen rassistischen Vorfälle im deutschen Profi-Fußball stehen offenbar konträr zu den neuesten Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen. Laut einer jetzt vorgestellten Studie zu den Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft ist der hör- und sichtbare Rassismus in deutschen Stadien in den letzten Jahren zurückgegangen.

Gerald Asamoah (Schalke) bei einem Pokalspiel in Rostock

Opfer von Schmährufen: Gerald Asamoah (rechts) während eines Pokalspiels in Rostock

"Dieser offene Rassismus ist eher zur Ausnahme geworden. Stattdessen hat es eine Verlagerung des verbalen Rassismus in das Umfeld der Stadien und in die unteren Ligen stattgefunden", sagt der renommierte Fanforscher Gunter A. Pilz. Zudem könne es zur Unsichtbarkeit von diskriminierenden Einstellungsmustern und damit zur Diskrepanz zu den Verhaltensweisen kommen. Der Sportsoziologe betonte allerdings, dass Fremdenfeindlichkeit keineswegs verschwunden sei: "Rassismus wird niemals ein Thema sein, dass man völlig im Griff haben kann, sondern wir müssen kontinuierlich dagegen arbeiten.'

Vorfälle bestätigen Studie

Um den Rassismus in deutschen Stadien weiter zu bekämpfen, nennt die Studie als Handlungsempfehlungen unter anderem die Entwicklung eines Fortbildungskonzeptes für Fanprojekte, regelmäßige Schulungen von Ordnern, die Durchführung eines regelmäßigen Aktionstages in der Bundesliga und die Einrichtung eines Aktionsfonds für Aktivitäten aus der Fanszene.

Gehäufte Vorfälle in unterklassigen Ligen in der letzten Zeit bestätigen die Tendenz der Studie. So wurde der Oberligist Hallescher FC zu einem Heimspiel vor leeren Rängen und 2000 Euro Geldstrafe verurteilt, da Anhänger des Klubs während eines Ligaspiels beim FC Sachsen Leipzig zum wiederholten Male den farbigen Sachsen-Spieler Adebowale Ogungbure mit Affenrufen beleidigt hatten.

Harscher Strafenkatalog

Vor dem Länderspiel Deutschland-Georgien (7.10.2006) zeigen die Spieler ein Transparent mit dem Text 'Wir sagen NEIN zu Rassismus'

Auch bei Fußball-Länderspielen gibt es immer wieder Aktionen gegen Rassismus

Andererseits kam es auch in Spielen mit Bundesligavereinen zuletzt zu fremdenfeindlichen Vorfällen. Beim Pokalspiel von Schalke 04 im September bei der Zweitvertretung von Hansa Rostock war Schalkes Stürmer Gerald Asamoah von einigen Zuschauern mit rassistischem Gebrüll beleidigt worden. In der Bundesliga-Begegnung zwischen Alemannia Aachen und Borussia Mönchengladbach wurden der brasillianische Gästestürmer Kahe sowie Aachens Verteidiger Moses Sichone aus Sambia von den jeweils gegnerischen Fans mit fremdenfeindlichen Schmährufen verunglimpft.

Das Sportgericht des DFB reagierte mit drastischen Geldstrafen für Rostock (20.000 Euro), Aachen (50.000 Euro) und Mönchengladbach (19.000 Euro). Der Weltverband FIFA hatte bereits im Vorfeld einen harschen Strafenkatalog bei rassistischen Ausschreitungen verabschiedet, der bis zum Zwangsabstieg der Vereine führen kann.

Die DFL plant als Reaktion auf die jüngsten Vorfälle am achten Bundesliga-Spieltag (20.-22.10.06) eine groß angelegte Aktion, bei der die Zuschauer in allen Stadien Rote Karten mit der Aufschrift "Zeig' dem Rassismus die Rote Karte" gemeinsam in die Höhe halten sollen. Am dritten Spieltag der Champions League werden zudem die Kapitäne aller Vereine auf ihren Armbinden die Aufschrift "Vereint gegen Rassismus" tragen.

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