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Flucht nach Europa

Rassismus: "Das schwarze Pack am besten erschießen"

Ein Universitätsprofessor aus Porto verbreitet seit Jahren ungestraft rassistische Parolen im Internet. Geschmacklose Beispiele für Wirtschaftstheorien oder ein Straftatbestand? Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Dümmer konnte es nicht laufen: Da zitiert ein konservativer Abgeordneter der portugiesischen Regierungspartei PSD zur Rechtfertigung der harten Sparpolitik aus dem Blog des Wirtschaftsprofessors Pedro Cosme Vieira und erntet statt Lob und Anerkennung doch nur Hohn und Verachtung. Denn ein Politiker der Opposition hat nachgelesen und entdeckt: Mit Wirtschaftstheorien verbrämt, verbreitet der Wissenschaftler aus der nordportugiesischen Stadt Porto schlimmste, rassistische Propaganda.

Die Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer etwa könnten alle durch Kriegsschiffe versenkt und die Überlebenden anschließend einer nach dem anderen erschossen werden. So stürben zwar anfangs bis zu 5000 Menschen, aber danach würde sich niemand mehr auf den Weg nach Europa wagen. Seit Jahren schwadroniert der Professor ungestraft über das "schwarze Pack", über Rentner, die man zur Lösung des Sozialkassenproblems ja erschießen könne oder über die seiner Meinung nach gesellschaftlich leicht zu verkraftende "Notschlachtung" von AIDS-Patienten.

Jahrelang ohne Reaktion gebloggt

Der Soziologe Joao Teixeira Lopes

João Teixeira Lopes: "Es gab keinerlei Reaktionen"

"Am erstaunlichsten ist, dass es so lange gedauert hat, bis die Erklärungen dieses Professors Konsequenzen hatten", wundert sich der Soziologe João Teixeira Lopes, der ebenfalls an der Universität Porto unterrichtet. Schließlich habe sein zweifelhafter Kollege schon gute fünf Jahre gebloggt, ohne ins Kreuzfeuer der öffentlichen Meinung zu geraten. Schlimmstenfalls seien seine Ansichten als skurril oder exzentrisch, nie jedoch als skandalös und untragbar aufgenommen worden: "In gewisser Weise haben die Leser also seine Äußerungen entschuldigt oder übernommen. Es gab keinerlei Reaktionen. Das finde ich beunruhigend."

Mit schlechtem Beispiel ging der Arbeitgeber, die Universität Porto, voran. Als die Entrüstungswellen endlich immer höher schlugen, veröffentlichte sie lediglich eine Erklärung, nach der Cosme Vieiras Ansichten rein privat seien und natürlich nicht die Meinung der Hochschule wiederspiegelten. Außerdem werde sich der Ethikrat der Universität mit dem Verhalten des Professors beschäftigen. Ganz klar das falsche Zeichen, findet der Soziologieprofessor Teixeira Lopes: "Die Universität hätte sofort ein Disziplinarverfahren einleiten und ganz klar Stellung beziehen müssen gegen rassistische Praktiken und Aussagen."

"Erblast" Rassismus?

Portugal Rektorat der Universität Porto

Rektorat der Universität Porto

Damit jedoch tue sich die portugiesische Gesellschaft schwer, versichert der Soziologe. Das Land - es war immerhin noch in den 1970er Jahren die letzte europäische Kolonialmacht und stolz darauf - habe seine Geschichte nie wirklich aufgearbeitet. Selbst große Massaker, die die Portugiesen in Afrika verübt hatten, seien nie behandelt oder gar bestraft worden. Trotz oder genau wegen ihrer fast 500jährigen Kolonialgeschichte sähen die Portugiesen sich als tolerante, eher väterliche Freunde der Afrikaner - schon deshalb sei ein gewisser, latenter Rassismus vorhanden: "Es ist natürlich missbräuchlich zu behaupten, alle Portugiesen seien Rassisten. Genauso missbräuchlich wäre allerdings zu sagen, es gibt keine Rassisten. Ich sage, es gibt auch portugiesische Rassisten; das hat sogar historische Gründe."

Die mögen dazu geführt haben, dass auch der rechte Abgeordnete, der aus dem Blog des Wirtschaftsprofessors zitierte, keinen Anstoß an dessen rassistischen Aussagen nahm. Genau das jedoch mache den Fall so brisant, erklärt der Soziologe Teixeira Lopes. Die rassistischen Einlassungen als exzentrisches Verhalten eines zwar weltfremden, jedoch fachlich kompetenten Universitätsprofessors zu entschuldigen, sei in Wirklichkeit ein großes gesellschaftliches und kulturelles Problem.

Staatsanwalt ermittelt

Pedro Cosme Vieira ist sich natürlich keiner Schuld bewusst. Per E-mail wundert er sich über seine plötzliche Berühmtheit, ein Interview will er nicht geben. Er greife eben zu drastischen Beispielen, weil seine Leser wenig gebildet seien, schreibt Cosme Vieira. In seinem Blog setzt er noch eins drauf: Ja, er sei Rassist, heißt es da. Rassismus sei die andere Seite der Intelligenz.

Immerhin: Diese und wohl auch die anderen rassistischen Behauptungen muss inzwischen auch ein Staatsanwalt gelesen haben. Und der hat, anders als die Universität Porto, durchgegriffen: Seit kurzem wird gegen den rassistischen Wirtschaftsprofessor offiziell wegen Volksverhetzung ermittelt.