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Deutschland

Rassismus: Angebliche Weidel-Mail aufgetaucht

Der Zeitung "Welt am Sonntag" liegt eine brisante E-Mail mit rassistischem und demokratiefeindlichem Inhalt vor. Autorin ist angeblich Alice Weidel. Die AfD-Spitzenkandidatin bestreitet, die Urheberin zu sein.

Alice Weidel war in den vergangenen Tagen hauptsächlich durch Interviewabbrüche aufgefallen - beispielsweise, als sie am Dienstagabend mitten in einer ZDF-Wahlsendung das Studio verließ. Nun sorgt die Bundestagswahl-Spitzenkandidatin der rechtspopulistischen "Alternative für Deutschlands" (AfD) aus anderen Gründen für Schlagzeilen - und zwar auf der Titelseite der "Welt am Sonntag" (WamS). Der Zeitung liegt nach eigenen Angaben eine ältere E-Mail von Alice Weidel vor. Brisanter Inhalt: rassistische Bemerkungen und Demokratie-verachtenden Thesen.

Bundesregierung und Verfassungsgericht verunglimpft

Die "WamS" hat den Wortlaut der angeblichen Weidel-Mail vom 24. Februar 2013 veröffentlicht. Darin werden Araber, Sinti und Roma als "kulturfremde Völker" bezeichnet, von denen "wir (...) überschwemmt" werden. Auch werde die Bundesregierung verunglimpft, berichtet die Zeitung unter Verweis auf einen anderen Auszug aus der E-Mail. Darin ist von "Schweinen" die Rede, die "Marionetten der Siegermächte" des Zweiten Weltkriegs seien.

Christian Lüth (picture-alliance/dpa/S. Stache)

AfD-Sprecher Lüth: "Eine Fälschung"

Diese hätten, "die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen", zitiert das Blatt den Originalwortlaut. Ferner werde kritisiert, dass Deutschland nicht souverän und die Justiz bis hinauf zum Bundesverfassungsgericht korrumpiert sei.

Die AfD bestreitet allerdings in Weidels Namen, dass die 38-jährige Spitzenkandidatin die Autorin der Mail ist. AfD-Sprecher Christian Lüth sagte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa), Weidel habe ihm versichert, diese E-Mail stamme nicht von ihr. Es sei "eine Fälschung". Zuvor hatte Weidel offenbar mithilfe von Anwälten versucht, eine Veröffentlichung in der "Welt am Sonntag" zu verhindern.

Eidesstattliche Versicherung

Die Zeitung berichtet jedoch, der Redaktion liege eine eidesstattliche Versicherung des Adressaten vor. Es soll sich um einen früheren Bekannten Weidels handeln. Der Empfänger der Mail gab gegenüber der "Welt am Sonntag" als Beleg für Weidels Urheberschaft an, dass sich die Betreffzeile der Mail auf ein Gespräch mit ihm beziehe. Außerdem habe sie diese wie üblich mit ihrem Spitznamen "Lille" gezeichnet. Auch nach dpa-Informationen war "Lille" früher ein Spitzname Weidels.

Im Frühjahr 2013, also zu der Zeit, aus der die Mail angeblich stammt, war Weidel offenbar noch nicht Mitglied der "Alternative für Deutschland". Sie habe damals aber begonnen, sich im AfD-Vorläufer "Wahlalternative 2013" zu engagieren, schreibt die "WamS".

Wie die Zeitung berichtet, hat sich Weidel in den vergangenen Jahren mit Teilen ihres Frankfurter Bekanntenkreises überworfen. Im Mai vergangenen Jahres sollen zwei Frauen der promovierten Volkswirtin die Freundschaft gekündigt haben. Sie hätten sich selten "so in einem Menschen getäuscht", heißt es in einem Schreiben der beiden Ex-Bekannten an Weidel, das der WamS vorliegt. Sie sei besonders für die "Brandstiftung" verantwortlich, die von ihrer Partei ausgehe: "Mit Leuten wie Dir wird die AfD wirklich gefährlich."

AR/se WamS, dpa, AFP

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