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Afrika

Rassismus überschattet Libyens Revolution

Während die Suche nach dem ehemaligen Diktator al-Gaddafi anhält, sucht Tripolis seinen Weg zurück zu Normalität. Doch Berichte über wahllose Gewalt gegen Schwarzafrikaner halten die Erinnerung an die Vergangenheit wach.

Gestikulierende Schwarzafrikaner in Tripolis(Foto: DW)

Schwarzafrikaner stehen unter Generalverdacht

"Die haben gestern meine zwei Brüder aufgegriffen und ins Gefängnis geworfen. Wir sind schwarz - und das ist unser einziges Verbrechen", sagt Zeinad Muhamed, ein Bewohner von Tripolis. Schon auf den ersten Blick wird klar, dass sich die Atmosphäre in dem ehemaligen Segelclub der libyschen Hauptstadt dramatisch verändert hat. Früher gingen hier die Besitzer teurer Segelyachten ein und aus. Heute warten vor dem Yachtclub, der gegenüber vom Haupthafen der Stadt liegt, Angehörige auf Nachricht der Männer, die in dem ehemaligen Club gefangen gehalten werden. Angehörige und Gefangene leben in der Medina, der Altstadt Tripolis. Sie sind alle Schwarzafrikaner.

"Kein einziger von denen ist Libyer. Das sind alles Ausländer, die wir da drinnen festhalten. Gaddafi hat ihnen Geld gegeben, damit sie uns ermorden. Was sollen wir denn sonst mit denen machen? Das sind doch Söldner", erklärt Abduhllah Abdulhakim, der dem Übergangsrat der Rebellen angehört. Der Offizier steht vor der Hauptpforte des Clubs. Der unangekündigte Besuch der Journalisten aus dem Ausland macht ihn sichtlich nervös. "Wissen Sie nicht, dass Gaddafi Journalisten wie Ihnen nie erlaubt hätte, so zu arbeiten, wie sie es gerade tun? Das ist doch ein Beweis dafür, dass das neue Libyen eine echte Demokratie ist", sagt er.

Problem: Hautfarbe

Eine Menschenansammlung in Tripolis, zum Teil mit Waffen ausgerüstet (Foto: DW)

Gaddafi ließ viele Einwanderer nach Libyen

Zeinab Muhamed widerspricht dem: "Die behaupten, dass wir keine echten Libyer sind. Das stimmt einfach nicht. Ich wurde im Tschad geboren, aber wir sind vor zwanzig Jahren nach Sebah gezogen." Sebah ist eine Stadt 900 Kilometer südlich von Tripolis. Seinen libyschen Pass habe er kurz nach dem Umzug erhalten.

Auch Salwa Eisa lebt in der Altstadt. Sie wartet vor dem Tor und hat eine Tüte Lebensmittel für ihren inhaftierten Mann dabei. "Wir sind vor zwei Jahren aus dem Tschad hierher gezogen. Mein Mann Abdullah hat verschiedene Arbeiten gemacht, aber er hat nie Geld von Gaddafi akzeptiert, um Menschen zu töten", sagt die 36-Jährige. Wie die anderen Angehörigen vor dem Yachtclub glaubt sie, dass das Hauptproblem ihre Hautfarbe ist.

Gaddafi hat während seiner 40-jährigen Herrschaft viele Einwanderer aus den Nachbarländern nach Libyen gelassen. Sie waren auf der Suche nach einem besseren Leben in dem riesigen Land mit seinen nur sechs Millionen Einwohnern und großen Ölreserven. Die Mehrheit arbeitet als billige Arbeitskräfte. Aber die angeblich so große Zahl von schwarzafrikanischen Ausländern, die Gaddafi rekrutiert haben soll, ist der Grund für das Misstrauen von vielen Libyern gegenüber den Einwanderern.

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