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Wissen & Umwelt

Rasantes von der Galopprennbahn

Von wegen lahme Gäule! Rennpferde sind seit dem vergangenen Jahrhundert immer schneller geworden. Und: Sie sollen laut einer Studie sogar weiter an Tempo zulegen.

Sie sind offenbar nicht mehr zu bremsen: Rennpferde sind heute deutlich schneller als vor gut hundert Jahren; das Ende der Pferdestärken-Skala ist nach oben hin offen. So lautet das Ergebnis einer Studie der Universität Exeter im Südwesten Englands, die in den "Biology Letters" der britischen Royal Society veröffentlicht wurde.

Die Evolutionsbiologen Patrick Sharman und Alastair Wilson werteten für die Studie die Daten britischer Rasen-Pferderennen von 1949 bis 2012 aus. Das Ergebnis: Die Geschwindigkeit der Pferde ist in den vergangenen 150 Jahren deutlich angestiegen, vor allem in Rennen über kurze Distanzen.

Pferderennen auf der Brander Heide von Georg Koch

Damals galoppierten Pferde weniger schnell über die Rennbahn als heute

Eine genauere Analyse der Daten zeigte zudem, dass sich die Geschwindigkeit weiter steigert. "In den vergangenen 30 Jahren herrschte Konsens darüber, dass die Geschwindigkeit von Pferden stagniert", erklärte Wissenschaftler Sharman in einer Mitteilung. Das habe durch die Studie widerlegt werden können. "Interessanterweise sind die Verbesserungen sowohl historisch als auch aktuell vor allem über Sprint-Distanzen zu beobachten", sagte Sharman weiter.

Sprunghaft nach oben soll es mit der Geschwindigkeit vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts und von 1975 bis in die frühen 1990er Jahre gegangen sein. Das könnte, so die Verfasser der Studie, mit neuen Reitstilen der Jockeys zusammenhängen. Gleichzeitig habe sich die Zucht stark kommerzialisiert. Auch das könnte, zum Beispiel als Folge genetischer Veränderungen, zu mehr Schnelligkeit geführt haben. Diese Spur wollen die Forscher künftig weiterverfolgen.

Großbritannien Pferderennen Royal Ascot Flash-Galerie AP Photo/Alastair Grant

Das Rennpferd der Zukunft könnte noch rasanter sein als dieses Exemplar

Auf mittleren und langen Rennstrecken sei hingegen kaum Tempo hinzugekommen - das könnte auf eine natürliche Geschwindigkeitsgrenze der rasenden Hengste und Stuten hindeuten. Ebenso sei es aber den Wissenschaftler zufolge möglich, dass Züchter im Laufe der Jahre eher eine Vorliebe für Geschwindigkeit statt für Ausdauer entwickelt hätten.

Ob verbessertes Training, neue Jockey-Taktiken oder Umweltfaktoren das rasende Tempo beeinflusst haben, lässt die Studie offen. Insgesamt sind Daten zum Tempo von Rennpferden eher Mangelware - und streitbar sind sie auch noch: Das britische Rennpferd Eclipse, Jahrgang 1764, soll seinerzeit eine Geschwindigkeit von rund 72 Kilometern pro Stunde erreicht haben. Das liegt sogar über der heute veranschlagten Maximalgeschwindigkeit von rund 65 km/h bei Rennpferden.