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Musik

Rap-Battle 2.0

Rap-Battles finden kaum noch auf Bühnen statt, sondern im Internet. Über Video-Battle-Turniere schaffen Rapper heute den digitalen Sprung in die Charts. Die Szene ist skeptisch.

"Battles" gehören immer schon zum Hip-Hop. Sie sind ein sportlicher Wettstreit zwischen zwei Rappern: Harte Beats, Texte in schneller Wortfolge, prägnante Botschaften. Technik, Flow und Kreativität, aber auch Gestik und Mimik werden mit Applaus und Anerkennung belohnt. Seit jeher gibt es auch Songs, in denen Rapper sich gegen imaginäre Gegner profilieren. Die Live-Atmosphäre heizt das Bühnenspektakel an.

Längst finden sich Video-Battle-Turniere aber auch im Internet. Videos mit 100.000 Klicks, 20.000 Facebook-Likes. Dem Gewinner winkt ein Auftritt als Auszeichnung, vielleicht sogar ein Plattenvertrag. Den Teilnehmern des Video-Battle-Turniers (VBT) der Internet-Plattform #link:http://www.rappers.in/:rappers.in# stehen alle Türen offen.

Rapper mit schwarzer Kappe und hellblauem T-Shirt spricht ins Mikro und untermauert sein Statement mit Gestik und Mimik. (Foto: Fotolia)

Wie wichtig ist der Live-Auftritt?

In diesem Jahr findet das achte VBT statt. Zum dritten Mal ist der Hauptpreis ein Auftritt bei Deutschlands größtem Hip-Hop-Festival "Splash". 134 Bewerber sind angetreten, erstmalig in Teams. Pro Runde haben sie zwei Wochen Zeit, einen Song mit Video fertig zu stellen. Der Druck ist groß, die Konkurrenz stark. Bis im Juni nur noch die beiden Finalisten um den Hauptpreis kämpfen.

Durchbruch: Möglich

Lance Butters, der es 2011 ins Achtelfinale schaffte, steht heute zusammen mit Casper und Marteria beim großen Indie-Label "Four Music" im Künstlerkatalog. Weekend, der Sieger der Turniere "Splash 2011" und "Splash 2012", wurde vom Label "Chimperator" unter Vertrag genommen, bei dem auch Cro und Die Orsons ihre Tracks veröffentlichen. Sein Album stieg auf Platz drei in die Charts ein.

Das Schwarz-weiß-Foto zeigt Rapper Dobbo von Die Stiefbrüder vor einer Graffiti-Kulisse. (Foto: Fotolia)

"Stiefbruder" Dobbo

Der 27-jährige Rapper #link:http://de-de.facebook.com/dobbofficial:Dobbo# aus Gelsenkirchen, der als Teil der "Stiefbrüder" dieses Jahr am VBT teilnimmt, meint, so etwas gelinge nur wenigen: "Ohne, dass du ein Charakterkopf bist, kannst du nichts reißen. Beim VBT vielleicht, aber nicht so, dass Leute von außerhalb auf dich aufmerksam werden."

Aufmerksamkeit: Sicher

Sein Kumpel #link:http://de-de.facebook.com/officialweekend:Weekend# hat's gepackt. "So einen gab es vorher noch nicht, der hat eine ganz andere Art zu battlen", sagt Dobbo. Weekend heißt eigentlich Christoph. Er ist studierter Sozialarbeiter und arbeitete beim Lebensmittel-Discounter Lidl. Er schämt sich nicht, davon zu erzählen. Er steht zu seinen Stärken und Schwächen. "Dünne Arme? Scheißegal, dann bin ich halt Kartoffelrapper." Weekend liebt die Ironie. In seiner Single "Hi Chimperator" weist er sein neues Label darauf hin, ein Fehleinkauf gewesen zu sein: "Ich glaub', dass ich vergessen hab, euch mitzuteil'n/ Kommerziell Erfolg mit Rap zu haben find' ich nich' so geil." Weekend ist eine Ausnahmeerscheinung der Szene.

Ein Porträt zeigt den blonden Weekend aka Christoph Wiegand mit schwarzer Weste und einer Kaffetassse in der Hand in nachdenklicher Pose. (Foto: carlofeick,2013; Heart Working Class)

Weekend: Trotz Erfolg bescheiden

Die Online-Community von rappers.in hat derzeit 528.000 Mitglieder. Daraus rekrutieren sich die Teilnehmer und das Publikum der Battles. Die Videos haben bis zu siebenstellige Klickzahlen. Große Aufmerksamkeit ist sicher. Unabhängig davon, ob die Teilnehmer diese verdienen. Viele Qualifikationsvideos belegen, dass schlecht vorbereitete Teilnehmer die Öffentlichkeit suchen.

Geister: Geschieden

Die Szene ist skeptisch. Der Berliner #link:http://juice.de/interview-liquit-walker/:Rapper Liquit Walker# hat zwar Verständnis für 16-Jährige vom Dorf, die über das Netz Anschluss an die Rap-Szene suchen. Für ihn zählt aber zur Bewertung letztlich nur das Live-Battle. Dobbo sieht das anders. Ein Video-Battle stehe nicht unbedingt hinten an, sagt er. Vor allem in Anbetracht der Zuschauerzahlen. "Wenn du vor einem 100.000er Publikum verscheißt, ist es genauso peinlich, als wenn du auf einer Bühne bloßgestellt wirst."

Das Hip-Hop-Magazin "Juice" bezeichnet das VBT als Kaderschmiede. Die diesjährige VBT-Jurorin Sherin Kürten-Szillus meint aber, dass die Anzahl der herausragenden MCs beim VBT zu klein sei, um von einem Talentpool zu sprechen. Das habe viele Gründe, erklärt sie. "Einerseits stechen nur wenige heraus. Andererseits suchen unter ihnen noch viele nach ihrer künstlerischen Identität. Und manche sind außerhalb eines Battles auch nicht so interessant", erklärt die Musikmanagerin.

Devise: Authentisch

Das S/W-Bild zeigt den dunkelhaarigen Rapper Buddi von Die Stiefbrüder (Foto: Pascal Kamp)

"Stiefbruder" Buddi

Buddi und Dobbo haben für den Wettbewerb einen ihrer alltäglichen Songs eingereicht. Dobbo: "Wenn das nicht unsere normale Musik widerspiegeln würde, fände ich das falsch." Ihr Song "Grenzen" zeigt, dass Battle-Songs zwar Aggressivität ausstrahlen, sie aber auch humorvoll und selbstironisch sein können. So kokettiert Dobbo mit seinem Job als Altenpfleger: "Ich bin kein Gangster, Alter, ich wisch' nur ein paar Ärsche in 'nem Heim". Authentisch heißt die Devise im Battle. Auch #link:http://de-de.facebook.com/buddi.mcee:Buddi# distanziert sich von künstlichen Persönlichkeitsbildern. Bewusst setzt er "die Grenze für Masken und Kontaktlinsen", die im VBT häufig zur Maskierung genutzt werden. "Es ist Battle 2.0", sagt Dobbo. "Aber es ist kein 'Fake', wenn man sich treu bleibt.“

Richtung: Frei

Der Screenshot zeigt die Liste der Gewinner des Achtelfinales vom VBT_Splash-Edition_2014. (Foto: DW)

VBT: Auch das Viertelfinale ist schon gelaufen

Auch #link:http://de-de.facebook.com/Mikzn70:Mikzn70# aus München hat mit seinem Partner Akfone einen ganz normalen Song aus dem Alltag eingereicht: "Für mich sind Battles eine sportliche Angelegenheit und gutes Training, um mich auszuprobieren." Eigentlich legt der 29-Jährige aber Wert auf Inhalte. "Ich fühl mich hier gefangen, muss in den Tag hinaus. Raus aus dem grauen Alltag, ich such' mir ein paar Farben aus. Ich schließ die Augen, dann breit' ich die Arme aus. Raus aus dem ganzen Smog, Richtung Sonne und dann geradeaus." Auf seinem letzten Album "NXTNLBE" behandeln Songs wie "Frei" und "Stadt aus Glas" den Ausbruch aus dem Alltag und die Gefahr der digitalen Überwachung.

Mikzn70 macht seit 2011 regelmäßig beim VBT mit. Erfolg macht süchtig, weiß er. "Mit der Hip-Hop-Kultur hat das aber nichts zu tun. Genauso wenig wie heutige Hip-Hop-Konzerte, die eben keine Jams mehr sind. Da fehlt die Improvisation!"

Zuschauer: Erreicht

Die Stiefbrüder Dobbo und Buddi sind noch durch diese alte Schule gegangen. Beide fingen mit etwa 14 Jahren an zu rappen. Dobbo wurde Back-up-Rapper für einen Freund, ging später mit Weekend auf Tour. Buddi nahm an Live-Battles teil. "2010 habe ich den 'End of the Week'-Contest gewonnen, die Vorentscheide in Bochum und das Finale auf dem 'Splash'", erinnert er sich. Der Splash-Auftritt sei für Buddi der entscheidende Grund gewesen, beim VBT mitzumachen, sagt er. "Da wäre ich gerne noch einmal aufgetreten!"

Die "Stiefbrüder" haben ihre Chance vertan. Im 16tel-Finale sind sie ausgeschieden. Mikzn70 und Akfone haben es derweil schon ins Halbfinale geschafft. Ob sie vor 20.000 Zuschauern auf dem "Splash" spielen werden? Mit ihren Videos haben sie schon jetzt sehr viel mehr Zuschauer erreicht.

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