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Bundesliga

Rangnick: "Bundesliga-Konzept ist überholt"

RB Leipzig macht als Bundesliga-Debütant Rekordmeister Bayern München ordentlich Druck. Dessen Sportdirektor Ralf Rangnick spricht nun über Tradition, die 50+1-Regel und seinen Glauben an die Jugend.

Die traditionelle Idee der Vereins-Eigentümer-Mehrheit ist laut Ralf Rangnick, Sportdirektor beim Tabellenzweiten RB Leipzig, überholt. Das kontroverse Geschäftsmodell Leipzigs, das stark von den Investitionen des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull abhängig ist, hat die sogenannte 50+1-Regel clever umgangen. Dieses Statut besagt, dass der Verein die Stimmenmehrheit haben muss.

Leipzig sich mit seinen Konstrukt einer GmbH regelkonform verhalten, trotzdem werfen Kritiker dem 2009 gegründeten Verein vor, ein Franchise-Klub zu sein. "Ich denke, die Zahl der Mitglieder eines Klubs ist irrelevant. Dieses Konzept ist meiner Meinung nach altmodisch und überholt", erläutert der ehemalige Bundesliga-Trainer von Ulm, Stuttgart, Hannover, Hoffenheim und Schalke bei einem Medientreffen in Leipzig.

"Fragt Porsche seine Anteilseigner?"

"Borussia Dortmund hat 150.000 Mitglieder. Aber auf die strategische Ausrichtung des Klubs haben sie keinerlei Einfluss", argumentiert Rangnick. "Ich interessiere mich mehr für die Anzahl von Fans beim Heim- und Auswärtsspielen. Denken Sie etwa, Porsche, Mercedes oder DHL würden ihre Anteilseigner vor jeder Entscheidung nach ihrer Meinung fragen? Dasselbe gilt für den Fußball. Wichtig ist, die richtigen Leute an Bord zu haben die die richtige Entscheidung für den Klub treffen."

Deutschland Leipzig Fans in 2. Bundesliga , RB Leipzig - SV Sandhausen (picture-alliance/dpa/J. Woitas)

Trotz aller Kritik: zu den Heimspielen von RB Leipzig kommen regelmäßig über 40.000 Anhänger

Leipzig, das vergangenen Samstag die erste Saisonniederlage gegen den FC Ingolstadt kassierte, sah sich bei seinem Bundesligadebüt zahlreichen Fanprotesten anderer Vereine ausgesetzt. Aber Rangnick glaubt, dass sein Klub früher oder später akzeptiert werde.

"Natürlich mögen uns die anderen Klubs nicht"

"Der Klub ist doch erst 2009 gegründet worden, ist also der jüngste Verein in Deutschland. Natürlich mögen uns deshalb andere Klubs nicht", so der Sportdirektor. Auf die Frage, was Tradition für ihn bedeute, gibt Rangnick eine klare Antwort: "Wenn man nur die Asche der vergangenen Erfolge feiert - nichts."

Leipzig stand zwei Wochen auf dem ersten Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga. Durch den deutlichen Sieg von Bayern München gegen den VfL Wolfsburg ist die übliche Rangfolge aber vorerst wieder hergestellt.

Klare Philosophie

"Wenn Sie mich fragen, ob ich die Meisterschaft gewinnen will - natürlich sage ich da ja. Wenn Sie mich fragen, ob das realistisch ist, sagte ich: nein. Aber ich würde nicht sagen, dass es unmöglich ist."

Trotz der feindlichen Reaktionen der gegnerischen Fans hat Leipzigs durch seine offensive Spielweise viele neue Fans gewonnen. Der Klub hat eine beeindruckende Nachwuchsakademie und ein gutes Gespür für junge Talente, die gerade erst ihren ersten oder zweiten Vertrag unterzeichnen. Eine Strategie, die Rangnick in Leipzig und beim Schwesterverein RB Salzburg eingeführt hat - nach einer Fünf-Stunden-Diskussion mit Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz vor vier Jahren.

Wenig Erfahrung, großer Ehrgeiz

"Unsere Spieler haben mit Abstand die wenigste Bundesliga-Erfahrung aller Teams, aber jeder ist hungrig, sie wollen sich verbessern und sie wollen gewinnen", erklärt Rangnick.

"Ob im Nachwuchs- oder Profibereich - bei uns gibt es einen Weg: Sehen Sie sich unsere sieben Spieler an, die wir diese Saison gekauft haben! Sechs von ihnen sind zwischen 19 und 23 Jahre alt. Das ist unsere Philosophie, auf der wir unseren Klub aufbauen."