1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Osteuropa

Ranghoher Polizeibeamter in Montenegro ermordet

In der Nacht zum 30. August ist der stellvertretende Leiter der Kriminalpolizei in Podgorica erschossen worden. Er leitete die Ermittlungen in mehreren Mordfällen. Sein Tod ist kein Einzelfall.

default

Fahndung läuft auf Hochtouren

Der stellvertretende Leiter der Kriminalpolizei und Leiter der Abteilung allgemeine Kriminalität beim montenegrinischen Innenministerium, Slavoljub Scekic, ist aus dem Hinterhalt vor seiner Haustür in der Siedlung Tolosi in Podgorica erschossen worden. Dies bestätigte die montenegrinische Polizei. Die Polizei teilte mit, auf ihn sei aus dem Hof des Nachbarhauses geschossen worden. Sie ging indes nicht darauf ein, ob es bereits Tatverdächtige gebe. In den Medien hieß es, dass während der intensiven Ermittlungen, die noch in der Nacht zum 30. August eingeleitet wurden, mehr als 20 Personen festgenommen und auf Schmauchspuren untersucht worden seien, um herauszufinden, ob einer von ihnen geschossen habe.

Ermittlungen in vollem Gang

Der Leiter der Kriminalpolizei in Montenegro, Sreten Radonjic, teilte in einer kurzen Presseerklärung mit, das Innenministerium setze das gesamte zur Verfügung stehende Personal für die Ermittlungen im Mordfall Scekic ein. Die Ermittlungen erstreckten sich auf ganz Montenegro. Der ermordete Scekic galt als ausgenommen rechtschaffener Polizist. Er ermittelte in den schwierigsten Fällen von Kapitalverbrechen in Montenegro. So arbeitete er in dem Team, das in den beiden Mordfällen an den hohen Polizeibeamten Goran Zugic und Darko Beli Rapopovic sowie im Attentat gegen den Chefredakteur der Zeitung Dan, Dusko Jovanovic, ermittelte.

Opposition: Kriminalität demonstriert Macht

Der regierenden montenegrinischen Demokratischen Partei der Sozialisten zufolge dürfen die Täter nicht ungestraft davon kommen. Der Pressesprecher der Partei, Predrag Sekulic, erklärte, dass die staatlichen Organe effizient an der Aufklärung dieses Mordes arbeiteten und in Kürze bekannt wäre, wer Scekic ermordet habe. "Dieses Verbrechen darf nicht ungestraft bleiben", sagte Sekulic.

Nach Einschätzung von Vertretern der Opposition demonstriert der Mord jedoch die Macht der Kriminalität in Montenegro. Falls die Täter und Auftraggeber nicht gefunden würden, trage die montenegrinische Regierung die Verantwortung für dieses Verbrechen, hieß es in Podgorica. Ein hoher Funktionär der oppositionellen montenegrinischen Volkspartei, Budimir Dubak, erklärte: "Dies ist eine sehr ernste Angelegenheit. Und ich fürchte, solche rohen und brutalen Morde zeigen, dass das Verbrechen sehr mächtig ist, zum Handeln ermutigt wird und Montenegro noch sehr weit davon entfernt ist, ein sicheres und rechtsstaatliches Land zu sein", so Dubak.

Mehrere ungeklärte Mordfälle

Der Mord an Scekic ist das dritte Attentat auf hohe Polizeibeamte in Montenegro in fünf Jahren. Vor dem Eingang zu seinem Haus in Podgorica ist im Mai 2000 der Sicherheitsberater des montenegrinischen Präsidenten, Goran Zugic, mit Schüssen aus einem Maschinengewehr ermordet worden. Ebenfalls mit einem Maschinengewehr ist im Zentrum von Podgorica im Januar 2001 Darko Beli Raspopovic, ein hoher Beamter des Staatssicherheitsdienstes beim montenegrinischen Innenministerium, erschossen worden. Diese Mordfälle sind bis heute nicht aufgeklärt.

Vesna Rajkovic, Podgorica
DW-RADIO/Serbisch, 30.8.2005, Fokus Ost-Südost