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Aktuell Europa

Randalierer von Thessaloniki angeklagt

Nach den Attacken auf den deutschen Generalkonsul Hoelscher-Obermaier müssen sich drei Demonstranten vor Gericht verantworten. Griechenlands Presse zeigt sich bei dem Thema allerdings gespalten.

Generalkonsul Wolfgang Hoelscher-Obermaier (Foto) war am Donnerstag am Rande eines Treffens deutscher und griechischer Bürgermeister in Thessaloniki angegriffen und mit Kaffee und Wasser übergossen worden. Er wurde von der Polizei in Sicherheit gebracht. Der deutsche Griechenland-Beauftragte Hans-Joachim Fuchtel (CDU) hatte zuvor mit einem Vergleich der Produktivität griechischer und deutscher Arbeitnehmer Empörung ausgelöst, Hoelscher-Obermaier bekam den Ärger ab. Fuchtel, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, hatte laut Medienberichten gesagt, in der kommunalen Verwaltung Griechenlands erledigten 3.000 Angestellte so viel Arbeit wie 1.000 Angestellte in Deutschland. Später erklärte er, es handele sich bei den Äußerungen um "ein Missverständnis", das inzwischen ausgeräumt sei.

Die Beschuldigten, zwei Kommunalangestellte und ein Lehrer, wurden am Freitag festgenommen. Sie waren anhand von Videoaufnahmen identifiziert worden. Ihnen werden, je nach Fall, Gewaltanwendung, Landfriedensbruch, tätliche Beleidigung und Sachbeschädigung vorgeworfen.

Demonstranten vor einer Polizeisperre in Thessaloniki (Foto: SAKIS MITROLIDIS/AFP/Getty Images)

Die beschuldigten Demonstranten konnten anhand von Videoaufnahmen ermittelt werden

Linke Kritik an Festnahmen

Die Oppositionspartei Bündnis der radikalen Linken (Syriza) nannte die Festnahme der Beschuldigten eine Provokation und sprach von "extremer Repression des geprüften griechischen Volkes". Vor dem Gerichtsgebäude kam es zu einer Solidaritätskundgebung von Kommunalangestellten. Auch linke griechische Zeitungen äußerten sich kritisch. "Er (Fuchtel) hat provoziert, Zorn ausgelöst und ruderte dann zurück", titelte "6meres". Und die Parteizeitung des Bündnisses der radikalen Linken "Avgi" verwies auf den "Zorn über (die Aussagen) des Beauftragten Merkels".

Andere Blätter blickten dagegen mit Abscheu auf die Proteste in Thessaloniki. Die dort erscheinende Zeitung "Makedonia" sprach von Bildern der Schande. "Sofort vor Gericht", titelte die Athener Zeitung der politischen Mitte "Ta Nea". Die Verantwortlichen für die an Szenen aus Libyen erinnernden Bilder müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die konservative Athener "Kathimerini" schrieb, Gewaltanwendung löse kein Problem: "Es garantiert das Fehlschlagen des Landes." Das Boulevardblatt "Ethnos" titelte: "Stopp der Gewalt jetzt!". Die Attacke auf den Konsul sei ein "Stich ins Herz der Demokratie".

sti/GD (dapd, dpa)