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Kultur

Randale und Rückzug

Die "Miss-World"-Wahl 2002 ist von Nigeria nach Großbritannien verlegt worden. Der Wettbewerb soll jetzt in London stattfinden. Grund seien die seit Tagen anhaltenden schweren Unruhen in dem westafrikanischen Land.

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Unruhen in Nigeria: Es geht schon längst nicht mehr um "Miss World"

Trotz der gewalttätigen Proteste gegen die Miss World-Wahl in Nigeria haben die Veranstalter den Schönheitswettbewerb verteidigt. "Bei Miss World geht es um Werbung für ein Land", sagte Guy Murray-Booth, ein Sprecher der Veranstalter, am Samstag (23.11.2002) in London. "Was Miss World macht, ist, Gelder für die weniger Privilegierten dieser Welt zusammenzubringen." Die Show sei weder sexistisch noch frauenfeindlich: "Das ist ein Familien-Event. Die Frauen erscheinen im Abendkleid - man sieht sie nicht etwa im Bikini auf der Bühne. Das ist eine sehr geschmackvolle Show."

Dennoch sei man gezwungen gewesen, die Wahl von Nigeria nach Großbritannien zu verlegen, sagte eine andere Sprecherin von Miss World, Stella Din. Dies sei "im Interesse der Mädchen und im Interesse Nigerias" geschehen. Die Teilnehmerinnen seien jetzt zwar "enttäuscht", hätten sich aber auch alle große Sorgen darüber gemacht, wie sich die Situation weiter entwickelt hätte, wenn die Show in Nigeria geblieben wäre.

"Miss World" als Beleidigung für Muslime

Den Kämpfen zwischen Christen und Muslimen in der nigerianischen Stadt Kaduna fielen bislang etwa 100 Menschen zum Opfer, 500 weitere wurden verletzt. Anlass des Aufruhrs, der am Mittwoch (20.11.2002) begann, war ein Zeitungsartikel, in dem die Kritik von Muslimen an der Miss-World-Wahl in der nigerianischen Metropole zurückgewiesen wurde. Der Verfasser schrieb, selbst der Prophet Mohammed hätte vielleicht eine Kandidatin zur Frau genommen, was von Fundamentalisten als Beleidigung ihres Glaubens aufgefasst wurde.

Unterdessen wurde auch unter britischen Moslems Kritik an der Veranstaltung laut. Sajjad Khan von der "Islamischen Befreiungspartei Großbritanniens" sagte, bei der Miss World Wahl würden Frauen um des Profits willen ausgebeutet. "Es ist falsch, das in Großbritannien, Nigeria oder in irgendeinem anderen Land stattfinden zu lassen", kritisierte er.

Rückschlag für Nigeria

Der Rückzug der Veranstalter stellt auch einen Rückschlag für die Bemühungen der nigerianischen Behörden dar, ihr Land als Touristenziel zu etablieren. Von dem TV-Ereignis 'Miss Wahl' hatten sich die Verantwortlichen eine Aufbesserung des internationalen Images Nigerias erhofft. Eine der einflussreichsten einheimischen Förderer des Wettbewerbs war die Frau von Präsident Obasanjo.

Das Vorhaben stand jedoch von Beginn an unter keinem guten Stern. Mehrere Menschenrechtsorganisationen hatten zu einem Teilnahme-Boykott aufgerufen, weil ein islamisches Gericht im August 2002 die Nigerianerin Amina Lawal zum Tode durch Steinigung verurteilt hatte. Lawal hatte zwei Jahre nach ihrer Scheidung ein Kind bekommen. Das islamische Recht aber verbietet außerehelichen Geschlechtsverkehr. Schönheitsköniginnen aus Belgien, Spanien, Frankreich, Dänemark, Norwegen, der Schweiz, Kenia und Elfenbeinküste verzichteten daraufhin auf ihre Teilnahme. Die deutsche Kandidatin sagte wegen eines Magen-Darm-Virus ab. (dpa/afp/(arn)

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